Man sieht Menschen im Schatten, ein Mann bedroht eine Frau mit einer Waffe
  • Bürgerkrieg, Mangelwirtschaft, Drogenhandel und Kriminalität: das Leben in Georgien in „Das mangelnde Licht“
  • Foto: Markus Scholz/dpa

Der Alltag ist Gewalt: Thalia-Theater zeigt das Stück der Stunde

Kolonnen russischer Panzer, zerstörte Häuser, blutende und tote Menschen, niedergeschlagene Demonstrationen in einer Stadt: Fernsehbilder, bei denen es sich jedoch nicht um aktuelle Ereignisse in der Ukraine handelt. Vielmehr sind es Archivaufnahmen aus einer anderen einstigen Sowjetrepublik, dem Georgien der 90er Jahre, die über Stellwände auf der Bühne des Thalia-Theaters flimmern.

Vor dem Hintergrund jener brutalen Geschehnisse, zu denen der Abchasienkrieg und die militärische Auseinandersetzung mit Russland gehören, erzählt Regisseurin Jette Steckel von vier Frauen und der Geschichte ihrer tragischen, aber auch Mut machenden Freundschaft (Bühne: Florian Lösche).

Russische Panzer, zerstörte Häuser: Bilder aus dem Georgien der 90er

Und diese Inszenierung trägt die Thalia-DNS in sich wie keine andere. Vor allem natürlich in der Stoff-Auswahl und beim Personal. „Das mangelnde Licht“ ist bereits das dritte Buch der Hamburger Autorin Nino Haratischwili, das am Alstertor zur Uraufführung kommt, diesmal sogar zeitgleich mit dem Erscheinen des Romans. Und wieder setzt Steckel das Werk in Szene, genauso wie zuvor „Das achte Leben (Für Brilka)“ und „Die Katze und der General“.


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Die Darsteller:innen sind das A-Team des Ensembles – und als besonderes Zuckerstückchen für das treue Stammpublikum kommt es zu einem Wiedersehen mit der ehemaligen Thalia-Schauspielerin Fritzi Haberlandt. Sie spielt neben Lisa Hagmeister, Maja Schöne und Rosa Thormeyer eine der vier Hauptrollen.

Ein großer Theaterabend – und das Stück der Stunde

Die Geschichte begleitet die sehr unterschiedlichen Freundinnen auf ihrem schwierigen Weg in die Erwachsenenwelt. Ihre Heimat Georgien ist nach dem Fall des Eisernen Vorhangs zerrüttet von Bürgerkrieg, Mangelwirtschaft, Drogenhandel und zugehöriger Kriminalität. Die Männer wanken zwischen Macho-Gehabe und zerbrechlicher Gefühlsduseligkeit. Der Alltag heißt Gewalt.

Das Thalia-Team bringt diesen mächtigen Erzählreigen bunt, abwechslungsreich, drastisch und gefühlvoll auf die Bühne, über viereinhalb Stunden lang. Ein großer Theaterabend und in Anbetracht der derzeitigen politischen Lage das Stück der Stunde. (ucd/kam)

Thalia-Theater: wieder am 1./18./20./28.3., diverse Zeiten, Karten 8-55 Euro

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