Eine Tänzerin schwebt nach einem Sprung im Ballettsaal in der Luft
Eine Tänzerin schwebt nach einem Sprung im Ballettsaal in der Luft
  • Ein Foto von den Proben zum Ballett „Dona Nobis Pacem“
  • Foto: © Kiran West

Berührendes Anti-Kriegs-Stück wird in Hamburg uraufgeführt

Lange hatte John Neumeier überlegt: Wie könnte die letzte Kreation aussehen, die er zum Jubiläum und geplanten Finale seiner 50. Spielzeit mit dem Hamburg Ballett schafft? Er entschied sich musikalisch für eine der bedeutendsten geistlichen Kompositionen und nennt sein jüngstes Werk „Dona Nobis Pacem“ – „Gib uns Frieden“.

Mit der Choreografie inspiriert von Johann Sebastian Bachs Messe in h-Moll hat er sich nach eigener Aussage künstlerisch der „größten Herausforderung“ seines Lebens gestellt. Zwar ist die Beschäftigung mit geistlicher Musik und deren Thematik keineswegs neu für ihn – kein Choreograf hat sich so häufig mit religiöser Musik auseinandergesetzt wie Neumeier. Doch jedes Mal muss er sich zu Beginn die entscheidende Frage beantworten: „Reißt mich diese Musik aus dem Stuhl?“ Bei der Bach’schen Komposition für eine christliche Messe gibt es keine Handlung, letztlich sind es vertonte Gebete.

Ballett in der Staatsoper: „Dona Nobis Pacem“

John Neumeier aber fügt der musikalischen Ebene eine tänzerische hinzu, die durchaus Gehalt hat: In einer Szene fühlt eine Witwe am Grab ihres im Krieg gefallenen Mannes dessen körperliche Präsenz – und so entsteht ein berührender Pas de deux. Dass der Ukrainer Edvin Revazov den verstorbenen Soldaten tanzt, gibt dieser Passage eine besondere Bedeutung. „Gib uns Frieden“ – Titel und Idee standen fest, lange bevor Putin die Ukraine im Februar dieses Jahres überfiel.

Und noch etwas macht das neue Werk besonders: Bach schuf es, indem er ältere Kompositionen (wieder)verwendete, sich quasi selbst zitiert. John Neumeier schätzt das Vorgehen als großartiges Beispiel für Nachhaltigkeit, und so überlegt auch er, ob er frühere Choreografien einfließen lassen, sie sozusagen nach Bachs Vorbild recyceln sollte. Der bedeutendste lebende Choreograf ist nach wie vor für eine Überraschung gut.

Staatsoper: 4.12., 18 Uhr (Uraufführung, 8-207 Euro), 7.-9.12., je 19.30 Uhr, 7-119 Euro

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