• Ähnlichkeiten mit dem „Qanon-Schamanen“ erwünscht: der Kapitol-Sturm im Musical „Hair“
  • Foto: G2 Baraniak

Altonaer Theater: Hier wird der Kapitol-Sturm zum Musical-Hit

„Wie fett muss es eigentlich noch kommen?“ Eine Gruppe junger Amerikaner hat nach dem Sturm aufs Kapitol in Washington „die Schnauze voll“. Der gewaltsame Angriff wird zum Auslöser ihres Protests gegen Krieg und Diskriminierung, Rassismus, Gewalt und Umweltzerstörung. Darum geht’s – kurz gesagt – im neuen Love-Rock-Musical, das am Altonaer Theater die neue Spielzeit eröffnete.

Ihr Vorbild auf der Suche nach neuen Wertvorstellungen: die New Yorker Alternativ-Szene der späten 60er und das Lebensgefühl der Hippies und Blumenkinder. „Zurück in die Zukunft, die uns retten kann“, propagiert Anführer George Berger (Martin Markert) in „Hair“. Das Stück ist ein Riesenerfolg! 

Der Kapitol-Sturm als Musical
George (Martin Markert; im schwarzen Slip) führt die Friedens-Freunde an.

Das Amerika von Trump und Biden

Regisseur Franz-Joseph Dieken hat das Kult-Stück, das mit dem Aufgreifen heutiger Konfliktstoffe aktueller denn je klingt, ins Amerika von Trump (Ingo Meß) und Joe Biden (Dirk Hoener) geholt. „Wir sind zurück, wir sehen nur anders aus“, verkünden Berger und seine Clique, die alles daran setzen, Claude Bukowski (David Wehle) auf ihre Seite zu ziehen.  

Der steht, mit dem Einberufungsbefehl in der Tasche, vor der schweren Entscheidung. entweder als Soldat seinem Land gegenüber Verantwortung zu übernehmen oder den Kriegsdienst zu verweigern und das Leben zu feiern.   

„Freedom, flower, happiness“ – das sind die Ziele der friedlich protestierenden Antikriegsgegner. Doch ihrem Ideal einer gerechteren und friedlichen Gesellschaft entgegen stehen zornige weiße Männer, die mit Polizeigewalt ihr Land zurückfordern. Der gnadenlose Kampf derer, die aus Angst vor politischem Machtverlust die sozialen Unterschiede in der Gesellschaft zementieren – auch davon erzählt die Inszenierung in eindringlich starken Szenen.  

Schauspielerisch, gesanglich und musikalisch eine Spitzenshow

Umjubelt und mit Standing Ovations gefeiert: Das fantastische Ensemble, das schauspielerisch, gesanglich und musikalisch eine Spitzenshow zeigt. Und mit Welthits wie „Aquarius“, „Let The sunshine In“ oder gefühlvollen Solonummern große Emotionen und ausgelassene Stimmung über die Bühne bringt.   

Eine Performance, mit der – trotz Einhaltung strenger Corona-Auflagen – die Lebensfreude ins Theater zurückkehrt. Großartig! 

Altonaer Theater: bis 25.9., div. Zeiten, 35-55 Euro, Tel. 39 90 58 70 

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