Voller Esstisch in der Küche, eine Frau steht links mit einer Flasche Wein, rechts sitzt ein Mann und sieht sie an
  • Spielen gerne einfach drauflos – ob auf der Bühne oder im Film: Mignon Remé, Lucian Msamati und das Team von Hidden Shakespeare
  • Foto: Hidden Hitchcock

Alles improvisiert! Bei diesem Kinofilm läuft nichts nach Drehbuch

Improvisationstheater ist wie Mannschaftssport: Nach dem Anpfiff nimmt das Spiel seinen Lauf – mit ungewissem Ausgang. In diesem Genre hat die Hamburger Gruppe Hidden Shakespeare nicht nur internationale Erfolge, sondern auch einige Preise eingeheimst. Und was auf der Bühne seit rund 30 Jahren bestens funktioniert, müsste doch auch als Film laufen – vermuteten Mignon Remé, Schauspielerin und Mitbegründerin der Gruppe, und Lilli Thalgott, Regisseurin und Kamerafrau. Die Idee zu „Hidden Hitchcock“ war geboren. Seither sind drei improvisierte Filme entstanden, der jüngste feiert am Donnerstag im Zeise-Kino Hamburg-Premiere: „Landjaeger“.

Gedreht wurde an nur drei Tagen im Nordosten Deutschlands, mit neun Schauspieler:innen, fünf Kameras und völlig offenem Ende! Was steht bei Drehstart überhaupt schon fest? „Das Thema, die Charaktere und mögliche Überraschungsmomente in der Handlung“, erklärt Mignon Remé. „Wir überlegen uns vorweg, wo die Figuren starten, wem sie wann und wo begegnen und ob beziehungsweise wann sie ihre Geheimnisse aus dem Sack lassen.“ Doch wie beim Live-Impro-Theater ist auch hier keine einzige Textzeile vorgegeben, sämtliche Dialoge entstehen spontan.

Hamburger Theatergruppe bringt Film ins Kino

Als Ausgangspunkt reicht wenig: Ein Hamburger Paar bezieht ein einsames Ferienhaus, im umliegenden Wald halten sich unabhängig voneinander zwei undurchsichtige Männer auf. In einem verwahrlosten Gasthaus warten die Wirtin, ein weiblicher Gast und jede Menge Alkohol, während eine dunkle Limousine mit drei merkwürdigen Insassen die Waldwege kreuzt.

Ein stehender Mann gibt einem sitzenden Mann Feuer
Was die Darsteller machen, entsteht spontan – nichts wird vorgegeben.

Lilli Thalgott übernimmt als Regisseurin keine der üblichen Regie-Aufgaben, sie wählt Location und Requisiten, koordiniert das Kamerateam und baut im finalen Schnitt eine schlüssige Dramaturgie. Und zu Beginn brieft sie die Darsteller:innen: „Sie bekommen alle Informationen über die eigene Figur und so viel, wie sie über die anderen Figuren wissen können – wie im echten Leben auch, zum Beispiel weiß die Ehefrau nicht, dass ihr Mann krank ist, weil er es vor ihr verheimlicht.“


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Ansonsten ist fast alles möglich, wenn sich die unterschiedlichen Typen begegnen und allmählich kennenlernen – immerhin haben sie dafür eine Spielfilmlänge von 90 Minuten Zeit. Grenzen gibt es keine, aber doch Verbote? „Ja, das Ignorieren von Spielangeboten der Kolleg:innen“, sagt Remé und lacht, „und niemand sollte das Set ohne Kamera verlassen, denn dann landen die tollen Ideen und schlagfertigen Sätze nicht im Film!“ (PST)

„Landjaeger“: Premiere am 24.3., 20 Uhr, Zeise-Kino (Saal 1); Friedensallee 7-9; mehr hier

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