• Die Leber kann auch ohne Alkohol nachhaltig geschädigt werden. Wer die Risikofaktoren kennt, kann entsprechend vorbeugen.
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Vorsicht!: Drei Dinge, die unsere Leber zerstören – ganz ohne Alkohol

Köln –

Die Leber hat viele wichtige Aufgaben, sie ist beispielsweise das zentrale Entgiftungsorgan des Körpers. Wird sie über einen langen Zeitraum geschädigt, kann sie sich nicht regenerieren. Als eine der Hauptursachen für das Versagen der Leber gilt Alkoholkonsum und -missbrauch. Doch auch ohne Alkohol können wir mit ungesunden Angewohnheiten der Leber nachhaltig schaden.

Die nicht-alkoholische Fettleber (kurz NAFL) ist inzwischen eine Volkskrankheit. Sie wird oft lange nicht bemerkt, verursacht irgendwann aber Diabetes oder sogar eine Leberzirrhose. Die Deutsche Leberstiftung schätzt sogar, dass jeder vierte Bundesbürger über 40 Jahren bereits betroffen ist. Auch jedes dritte übergewichtige Kind soll an einer nicht-alkoholischen Fettleber leiden. Die Tendenz ist steigend: „Schätzungen gehen davon aus, dass im Jahr 2025 etwa 55 Millionen US-Amerikaner und Europäer an einer nicht-alkoholischen Leberentzündung leiden“, so die Deutsche Leberstiftung. 

Diese drei Angewohnheiten sind besonders gefährlich für das Entgiftungsorgan: 

Zu viel und falsches Essen

Wir ernähren uns zu kalorienreich und essen zu viele Kohlehydrate. Dadurch bekommt der Körper zu viel energiereichen Treibstoff, den er mangels Bewegung gar nicht braucht und deshalb zu Fett umwandelt. Das geschieht nicht nur im Fettgewebe, sondern auch in der Leber. Wird das Fettgewebe aber nicht ordentlich mit Blut versorgt, und zwar wieder durch einen Mangel an Bewegung, verliert es seine Speicherfähigkeit. Der Körper sucht dann einen anderen Speicherplatz für das überschüssige Fett – und findet ihn in der Bauchhöhle. „Damit verfetten die darin gelagerten Organe“, erklärt Ökotrophologe Nicolai Worm. „An erster Stelle die Leber.“ Die negativen Auswirkungen betreffen aber den gesamten Körper, weil Fetteinlagerungen in der Leber unter anderem zu den Hauptursachen für Diabetes mellitus Typ 2 zählen.

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Neben fettreicher Nahrung begünstigen auch zuckerreiche Lebensmittel und Getränke eine nicht-alkoholische Fettleber. Selten auf dem Speiseplan stehen sollten zudem industriell stark verarbeitete Produkte, die meist voller Fett und Konservierungsstoffe sind. Dazu kommen bei solchen Nahrungsmitteln oft Zusatzstoffe wie Konservierungsmittel. Diese müssen gekennzeichnet werden, man erkennt sie an der entsprechenden E-Nummer, E 200 bis E 290.

Zu wenig Bewegung

Wir bewegen uns zu wenig, dadurch nehmen wir zu. Der Fettanteil am Körpergewicht steigt und wird nicht nur unter der Haut abgespeichert, sondern auch in den inneren Organen wie der Leber. Die Folge sind Entzündungsreaktionen im Fettgewebe, die den Körper wiederum belasten. Regelmäßige Sporteinheiten können dem vorbeugen. Besonders Bauchfett sorgt jedoch für eine permanente Entzündungsreaktion im ganzen Körper, die nach und nach die Gefäße schädigt. Über die Jahre können sich aus all diesen vermeintlichen Kleinigkeiten gefährliche Herz-Kreislauf-Leiden entwickeln.

Medikamente

Die Leber entgiftet den Körper. Dazu gehört auch, dass sie Medikamente abbaut. Auf vielen Beipackzetteln findet sich daher ein Hinweis auf mögliche Leberschäden. Es sollte abgewägt werden, ob der Nutzen des Medikamentes höher ist als das Risiko eines möglichen Leberschadens. Wer Medikamente einnimmt, auf denen diese Nebenwirkung verzeichnet ist, und Beschwerden wie Müdigkeit, Appetitlosigkeit und Oberbauchschmerzen bemerkt, sollte einen Arzt aufsuchen.

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Außerdem sollten Menschen mit einem bestehenden Leberschaden beispielsweise keine Schmerzmittel wie Paracetamol einnehmen, da eine hohe Dosis bereits eine gesunde Leber schädigen kann. Der Wirkstoff steckt auch oft in Kombinationspräparate gegen Erkältung oder grippale Infekte. Neben dem rezeptfreien Schmerzmittel können auch Gerinnungshemmer, Cholesterinsenker, Antirheumatika und Mittel gegen Herzrhythmusstörungen die Leberwerte erhöhen und erfordern eine regelmäßige Kontrolle, berichtet die „Apotheken Umschau“.

Was gegen die Fettleber hilft

Medikamente gibt es gegen die NAFL nicht, bestes Gegenmittel ist eine Ernährungsumstellung. Dabei geht es nicht zuerst ums Abnehmen – obwohl ein paar Kilo natürlich nicht schaden. Wichtiger ist für Fachmann Nicolai Worm aber: „Weniger Zucker, auch Fruchtzucker, also keine Säfte, keine Smoothies, und weniger stärkereiche Nahrungsmittel.“ Vermeiden sollten Betroffene vor allem ballaststoffarme und raffinierte Kohlenhydrate wie Weißmehl.

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Dazu empfiehlt der Professor für Ernährungswissenschaft an der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement in Saarbrücken lange Pausen zwischen den Mahlzeiten. Vier oder fünf Stunden sollten es mindestens sein. Denn bei Fettleber-Patienten sei der Insulinspiegel nach dem Essen viel zu hoch. „Die nüchternen Stunden zwischen den Mahlzeiten braucht der Körper dann, um den Spiegel wieder zu senken.“

Leberwerte im Blick behalten

Risikopatienten sollten ab und zu beim Hausarzt ihre Leberwerte überprüfen lassen. „Zu einer der Standarduntersuchungen gehört das leider bisher nicht“, erklärt Prof. Markus Cornberg, Medizinischer Geschäftsführer der Deutschen Leberstiftung. Neben der Verfettung sind aber auch Infektionen für die Leber gefährlich. Wer in Regionen unterwegs ist, in denen es zum Beispiel eine Form der Hepatitis gibt, sollte seinem Arzt davon erzählen. „Je früher wir eine Infektion erkennen, desto besser können wir sie behandeln.“

Besonders gefährlich ist die Kombination aus beidem, warnt Cornberg: eine Infektion und Fetteinlagerungen. Sowohl aus einer Fettleber-Erkrankung als auch aus einer Infektion können sich auf längere Sicht eine Leberzirrhose und Leberkrebs entwickeln. (sar / mit dpa)

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