• TokTok ist der Hype aus China, vor allem bei Kindern und Jugendlichen stark im Trend.
  • Foto: picture alliance/dpa

Schock-Nachricht für TikTok-User: Experten schlagen Alarm: Schwere Sicherheitslücken

Berlin –

Über 5,5 Millionen Nutzer in Deutschland waren gefährdet – und sind es möglicherweise immer noch. Israelische Sicherheitsforscher haben gleich mehrere und zudem gravierende Schwachstellen im Videonetzwerk TikTok gefunden.

Die Experten schlugen sofort Alarm, denn mit den Sicherheitslücken hatten potentielle Angreifer Zugriff auf sensible Daten. Ein großes Problem, gerade für eine Videoplattform wie TikTok, in der vor allem Jugendliche und Kinder Videos mit ihren Freunden teilen.

TikTok-Sicherheitslücke fatal, gerade für eine Videoplattform

Hinzu kommt, dass die geposteten Videos meist sehr private Inhalte aus dem ganz persönlichen Lebensbereich beinhalten, die eigentlich nur in einem ganz ausgewählten Personenkreis zur Verfügung gestellt werden sollen. Die Angriffsstudie belegte jedoch: Die Privatsphäre der Nutzer war hochgradig gefährdet.

Durch die Sicherheitslücken konnten Angreifer:

  • Videos im Namen von TikTok-Anwendern hochladen
  • Als privat markierte Videos für die Öffentlichkeit freigeben
  • Videos löschen

Zudem hatten Angreifer:

  • Prinzipiell Zugriff auf persönliche Daten der TikTok-Anwender (etwa die E-Mail-Adresse oder das Geburtsdatum)
  • Die Möglicheit, über gefälschte Anfragen Transaktionen stellen

Im Dezember hatte die TikTok-Eigentümerin Bytedance noch bestritten, dass es Sicherheitslücken auf ihrer App gebe. Jetzt gab das Unternehmen jedoch die Mitteilung heraus, „dass alle gemeldeten Probleme in der neuesten Version unserer App gepatcht wurden“, sie also nicht mehr bestünden.

Völlig sichergestellt ist zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht, ob diese Patches oder Updates tatsächlich auf die Smartphones der TikTok-Nutzer eingespielt worden sind. Hier solle jeder Anwender noch einmal auf seinem Handy checken, welche Version er geladen hat und gegebenenfalls die neueste Version der App herunterladen.

Was ist TikTok eigentlich?

Vor allem unter den Erwachsenen gibt es viele, die von der App noch nie oder nur am Rande etwas gehört haben. Die Rede ist von TikTok. Wie beliebt die Video-App allerdings ist, vor allem bei Kindern und Jugendlichen, das ist unter Experten unbestritten.

„Wir sind die führende Plattform für mobile Kurzvideos“, sagte Managerin Charlott Buchholz selbstbewusst auf einer TikTok-Veranstaltung in Berlin. Insgesamt wurde das Programm weltweit mehr als eine Milliarde Mal heruntergeladen.

TikTok: 5,5 Millionen aktive Nutzer monatlich in Deutschland

Zahlen für Deutschland veröffentlicht das Unternehmen Bytedance, zu dem TikTok gehört, nicht. Aber eine Präsentation, die das amerikanische Online-Fachmagazin „Digiday“ in die Hand bekam, sprach jüngst von 5,5 Millionen monatlich aktiven TikTokern in Deutschland.

tiktok zahlen

Die Zahlen über die Nutzung sozialer Netzwerke wurden Ende 2019 erhoben.

Foto:

dpa

Facebook ist bei der Jugend nicht mehr angesagt. Früher tanzten junge Mädchen gerne vor dem Spiegel und sangen dabei mit der Haarbürste in der Hand ihre liebsten Lieder. Heute tanzen sie vor ihren Smartphones, die Kamera auf sich gerichtet. Während damals vielleicht die beste Freundin daneben saß und kichernd zuschaute, sieht nun potenziell die ganze Welt zu.

Dalia Mya hat über 3 Millionen Follower auf TikTok

Einer der Stars der neuen Video-App ist Dalia Mya. Mehr als drei Millionen Menschen folgen ihr auf TikTok – und sehen so, wie sie buntes Farbpulver in die Luft wirft, wie sie im Bikini im Pool herumplantscht oder wie sie in einem Mini-Sketch auf eine Schulnote reagiert. Zu Beginn hätten viele Videos daraus bestanden, einfach die Lippen zu bekannten Liedern zu bewegen, sagt sie. „Nun ist es mehr Comedy, mehr coolere Videos.“

Die meisten Nutzerinnen und Nutzer, schätzt Dalia Mya, sind etwas jünger als sie, also 14 oder 15 Jahre alt. Jugendschutz-Initiativen sprechen von einer ähnlichen oder sogar noch jüngeren Nutzergruppe.

Die zwölfjährige Holly, die auch auf TikTok unterwegs ist, erzählt von einer Erfahrung: „Es gibt so eine 30-Jährige, die nennt sich auf TikTok „Frau Mutter“, und als ich sie sah, dachte ich: Sie ist zu alt, um auf TikTok zu sein. Bitte geh! Das wirkt nur gezwungen.“

Aber auch die altehrwürdige ARD-„Tagesschau“ wagt sich nun in diese Teenager-Welt: Ende 2019 ging ihr erstes TikTok-Video online – mit Sprecher Jan Hofer, der sich per Knopfdruck eine Krawatte in der richtigen Farbe aussucht.

TikTok erst ab 13 Jahren erlaubt

Erlaubt ist TikTok eigentlich erst ab 13 Jahren und bis 18 Jahren nur mit Einverständnis der Eltern. Doch wer die App nur zum Anschauen nutzt, wird gar nicht nach dem Alter gefragt. Und wer sich anmeldet, um selbst Videos zu veröffentlichen, muss zwar ein Alter angeben – aber das wird nicht überprüft.

Es ist also auch möglich, dass sich viel zu junge Kinder auf der App anmelden oder eben deutlich ältere Menschen, die sich mit falscher Identität in der Anonymität des Internets das Vertrauen von Kindern erschleichen. So besteht natürlich auch die Gefahr des Kindesmissbrauchs. Viele junge Nutzer zeigen sich durchaus freizügig auf der Plattform, denken mitunter nichts Böses, wenn sie jemand nach weiteren Aufnahmen fragt.

Holly ist auf TikTok 2003 geboren. Sie habe dort noch keine schlechten Erfahrungen gemacht, sagt sie. Aber das liege wohl auch daran, dass sie auf TikTok nicht so bekannt sei.

tiktok symbol

TokTok ist der Hype aus China, vor allem bei Kindern und Jugendlichen stark im Trend.

Foto:

picture alliance/dpa

Von der Foto-App Instagram weiß Holly, was an negativen Dingen passieren kann: Dass etwa Männer ihr unerwünschte Nachrichten schreiben.

Denn wie auch Instagram hat TikTok alle Möglichkeiten sozialer Medien, man kann also jemandem eine private Nachricht senden, Herzchen verteilen oder unter einem Video einen Kommentar hinterlassen. Das lässt sich zwar über die Kontoeinstellungen einschränken. Aber zu Beginn steht ein Konto immer auf öffentlich.

EU-Initiative appelliert an Eltern, TikTok zu überwachen

Deswegen appelliert Deborah Woldemichael von der EU-Initiative klicksafe.de an die Eltern: „Wenn sie die Nutzung erlauben, dann sollten sie diese begleiten, und ihre Kinder unterstützen, wenn es Probleme gibt.“ Zum Beispiel sollten Eltern die Kontoeinstellungen zusammen mit den Kindern durchgehen und auch regelmäßig überprüfen. Und nachhorchen: „Wem folgt mein Kind? Gibt es Stress über TikTok?“

Bytedance selbst betonte gerade verstärkt, dass sie sich um den Schutz der Jugend kümmern. In Berlin wurde dafür Anfang des Jahres ein Moderationsteam gegründet, das 24 Stunden am Tag fragliche Inhalte betrachtet.

Außerdem kann jeder Nutzer blöde Kommentare, Videos oder Profile melden. Und dann gibt es noch eine Technologie, die unpassende Inhalte erkennen soll. Daraufhin seien aus Versehen auch einige Videos von TikTok-Müttern mit ihren Kindern gesperrt worden, erzählt TikTok-Pressesprecherin Gudrun Herrmann. „So eine Technologie ist mäßig schlau.“ (jv/dpa)

Email
Share on facebook
Share on twitter
Share on whatsapp