• Der Chirurg und Arzt für Medizinische Ästhetik Mauricio Cerón und MOPO-Redakteur Stefan Fuhr mit einem Kopf, auf dem die Strukturen des Gesichts dargestellt sind.
  • Foto: Stefan Fuhr

Wie Botox auch gegen Zähne-Knirschen helfen kann

Der sieht aber krank aus. Oder die Frage: Bist Du müde? Oft wird vom Äußeren unserer Mitmenschen auch gleich auf die gesundheitliche Verfassung geschlossen. Sind Menschen, die gesund aussehen auch wirklich gesünder? Oder kann Schönheit auch für ein besseres Wohlbefinden sorgen? Wir sind zu Gast in der Praxis für Ästhetische- und Anti-Aging-Medizin Medical Contour in der Hamburger HafenCity. Der Chirurg und Arzt für Medizinische Ästhetik Mauricio Ceròn räumt mit den Vorurteilen auf, die mancher noch gegenüber kleinen Eingriffen in Sachen Schönheit haben.

MOPO: Können Sie Menschen zu ewiger Schönheit verhelfen?

Mauricio Cerón: Zu ewiger Schönheit sicherlich nicht – aber wir können heutzutage den Alterungsprozess der Haut verlangsamen.

Wer bei uns in Deutschland zugibt, dass er sich Botox spritzen lässt, der wird meistens schief angesehen. In anderen Ländern ist es Gang und Gebe.

Ich bin ja gebürtiger Kolumbianer. In lateinamerikanischen Ländern hat die Ästhetik einen ganz anderen Stellenwert. Ich erinnere mich noch gut daran, dass meine Mutter schon sehr früh die erste Nasen-Op hatte und auch alle meine Tanten haben etwas an sich machen lassen. Genau wie ja auch in Amerika gehört es zum Leben dazu und man redet auch offen darüber. Aber auch in Deutschland wird immer offener mit dem Thema umgegangen.

Was hat Ästhetik mit Gesundheit zu tun?

Fangen wir einmal mit der Definition von Gesundheit an. Wir denken, wir sind gesund, wenn wir keine Krankheit haben oder wenn uns nichts weh tut. Aber das ist nicht so. Heute definiert die WHO Gesundheit als das Wohlbefinden des physischen, emotionalen und des sozialen Zustandes. Diese drei Komponenten machen also unseren Gesundheitsstaus aus. Und wenn ein Mensch sich nicht schön findet, weil er vielleicht eine Nasenfehlbildung hat, dann wird er vielleicht andere Menschen meiden und sich mehr und mehr zurückziehen.

Weil er befürchtet, dass andere ihn immer anstarren?

Genau. Oder, weil man befürchtet, gehänselt zu werden. Es gibt Menschen, die schon in jungen Jahren ein sehr müdes Aussehen haben. Oder andere haben eine Narbe im Gesicht, mit der sie vielleicht eine schreckliche Erinnerung verbinden oder sich deswegen schämen. Wir können diesen Menschen wieder zu mehr Wohlbefinden helfen, so dass sie auch wieder mehr auf andere zugehen. Unsere Arbeit ist auch sehr psychologisch.



Haben Sie auch schon Behandlungen abgelehnt?

Wenn wir nicht sehen, dass Patienten einen Benfit durch eine Behandlung bekommt, dann sagen wir auch mal nein. Wir möchten unseren Patienten helfen und nicht mit ein paar Spritzen schnelles Geld verdienen. Und ganz wichtig: Wenn jemand mit utopischen Vorstellung in die Praxis kommt. Er oder sie möchte aussehen wie ein Promi oder Influenzer. Sie zeigen mir dann Fotos, auf denen so schöne Lippen oder eine so schöne Nase zu sehen sind. Das möchten sie auch haben. Dann erkläre ich auch schon mal Photoshop. Denn die meisten bearbeiten ihre Fotos, bevor sie die ins Netz stellen. Instagram ist eben nicht die Realität. Und wir machen auch keinem jungen Mädchen die Nase von Kim Kardashian – das ist nicht realistisch.

Ist Botox das Non plus ultra gegen Falten?

Botox ist eigentlich ein Markenname wie Tempo oder Coca Cola. Botulinumtoxin – heißt es richtig – ist ein hochgereinigtes Protein, mit dem wir die Muskeln entspannen können. Und wenn sich der Muskel entspannt, dann entspannt sich auch die Haut darüber und erholt sich wieder. In der Ästhetik verwenden wir es für mimischen Falten im Gesicht, wie z.B. die Zornesfalte, die einen immer so böse aussehen lässt, oder die Falten auf der Stirn oder die Krähenfüße um die Augen. Man kann so den Reifeprozess – das hört sich doch viel besser an als Alterungsprozess – verlangsamen. Übrigens: In den 70er Jahren hatte eine kanadische Augenärztin Patienten mit Botox behandelt, die unter Augenlidzucken litten. Dafür injizierte sie Botox auch rund um die Augen. Nicht nur das Lidzucken war weg, sondern auch die Falten. Da ihr Mann ein Hautarzt war, forschten die beiden weiter und erstellten Studien – eigentlich die Geburtsstunde von Botox in der Ästhetik. Aber die Geschichte geht noch viel weiter zurück. Schon Mitte des 18. Jahrhundert wurde der Botulismus beschrieben. Menschen haben durch vergorenes Fleisch eine komplette Körperlähmung bekommen. Botulinum kommt von Botulus. Und das bedeutet im Lateinischen Wurst.

Kann man Botox überall im Gesicht anwenden?

Nicht nur im Gesicht. Überall im Körper kann Botulinumtoxin angewendet werden. Neben der Anwendung in der medizinischen Kosmetik gibt es eine Vielzahl an Anwendungen in der therapeutischen Medizin: Von der Entspannung der Kaumuskeln beim Zähneknirschen über Anwendungen bei Migränepatienten bis zum Anus bei extrem schmerzhaften Analfissuren. Sehr interessant ist auch eine Studie, die gerade in der letzten Phase ist: Patienten mit Depressionen wurden im Bereich der Zornesfalte behandelt. Auf die Ergebnisse darf man sehr gespannt sein. Auch übermäßiges Schwitzen kann mit Botulinumtoxin behandelt werden. Also: Die Anwendungsgebiete sind schon sehr vielseitig.

Kann ich mich nach einer Botox-Behandlung auf die Straße trauen? Oder bin ich grün und blau im Gesicht?

Die Gesichtshaut ist sehr stark von Venen und Arterien durchzogen. Es ist also eher ein Wunder, wenn man bei einer Injektion kein Gefäß trifft. Aber wir Fachärzte haben spezielle Lupenlampen und sind natürlich auch geschult darauf, keine Ader zu verletzen. Außerdem benutzen wir ultradünne Nadeln. Also nein: Im Normalfall kann sich jeder sofort wieder unter Leute trauen. Aber natürlich kann es mal einen kleinen blauen Fleck geben. Aber der ist ja auch schnell wieder weg.


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Auch immer mehr Männer lassen sich mit Botox kleine Falten glätten.


Und ich kann dann trotzdem noch die Stirn bewegen und habe kein Maskengesicht?

Die Philosophie von Mediacal Contour ist: As Natural As Possible – also so natürlich wie möglich. Wir möchten, dass unsere Patienten auch weiterhin mit dem Gesicht zeigen können, dass sie traurig oder zornig sind. Aber, es gibt Patienten, die glauben, wenn sich noch etwas im Gesicht bewegt, war die Behandlung nicht erfolgreich.

Wie lange hält die Wirkung an?

Das Medikament wird schon nach 24 Stunden vom Körper ausgeschieden. Aber der Effekt hält je nach Hauttyp und Stoffwechsel so zwischen vier und sechs Monate an. Dann muss wieder nachbehandelt werden.

Dann gibt es noch das Hyaluron…

Hyaluron ist eine ganz andere Sache. Es ist ein Zuckermolekül, dass in unserem Körper vorkommt z.B. Im Bindegewebe in der Haut oder im Augapfel. Hyaluron ist eher dazu geeignet, mehr Volumen zu erzeugen, bei z.B. tieferen Falten. Fast schon ein kleines Lifting. Man kann mit Hyaluron auch Gesichter formen. Männer können mit Unterspritzung im Bereich der Kiefer männlicher markanter aussehen. Oder z.B. ein fliehendes Kinn kann wieder modelliert werden, so dass das Gesicht wieder harmonisch aussehen kann. Im Gegensatz zu Botox, kann Hyaluron auch wieder komplett aufgelöst werden. Ich habe Patienten, die sich irgendwo haben behandeln lassen und dann zu uns kommen, damit wir korrigierend eingreifen können.

Kommen mehr Frauen oder Männer?

In unsere Praxis kommen mehr Frauen, aber die Männer holen auf. Die medizinische Kosmetik ist auch endlich in der Männerwelt angekommen. Auch ist die Altersstruktur völlig ausgeglichen: Es kommen junge Patienten und letztens auch eine fast 80-Jährige.

Dieses Interview mit Mauricio Cerón ist ein Auszug aus dem MOPO-Gesundheits-Podcast „Butter bei die Nierchen“. Diesen und alle weiteren MOPO-Podcast finden Sie auf allen gängigen Abspielplattformen wie z.B. Apple Podcast oder Spotify. Klicken Sie hier auf den Player und hören sich die Folge an.