• Nicht nur beim Monopoly kann man Dividenden kassieren. Als Aktionär geht das auch. 
  • Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/ZB

Aktien-Trends mit Philipp Westermeyer: Monopoly im echten Leben

Mit Aktien kann man viel Geld verdienen – aber genauso kann man eine Menge Geld verlieren. Soll ich mich trotzdem trauen? Und ist es nicht längst zu spät zum Einsteigen? OMR-Gründer Philipp Westermeyer (41) erklärt jeden Samstag in der MOPO aktuelle Themen und Trends an der Börse. Diesmal geht’s unter anderem um Zinsangst, Hafermilch und eine beliebte Gemeinschaftskarte bei Monopoly.

1. ​Zinsangst: Senkt die Ebbe alle Boote?

An der Börse geht die „Zinsangst“ um. Was heißt das eigentlich? Woher kommt die Sorge? Ein wichtiges Signal für steigende Zinsen ist die Rendite von US-Staatsanleihen. Diese „Bonds“ werden wie Wertpapiere gehandelt. Die Rendite setzt sich aus Kurs und Verzinsung zusammen und hat mit 1,55 Prozent den höchsten Stand seit 12 Monaten erreicht. Die Folgen: Erstens ist es wieder interessanter, Staatsanleihen zu kaufen. Geld fließt aus dem Aktienmarkt ab. Zweitens erwarten Unternehmen höhere Kosten, etwa für Kredite, die Gewinne schrumpfen. Und drittens: Der Wert einer Firma sind zukünftige Gewinne, und die werden mit der erwarteten Inflation stärker abgezinst.

Alles zusammen also: Schwächere Nachfrage nach Aktien, sinkende Gewinne und geringere Firmenbewertungen drücken auf Stimmung und Kurse. Große Angst ist aber unbegründet. Die Rendite deutscher Bundesanleihen steigt zwar auch, liegt aber bei -0,3 Prozent. Vor 30 Jahren waren es sogar plus 9 Prozent. Und es gewinnt … die Bank. Denn Zinsen sind dort das Geschäft, Bankaktien steigen.

2. Wie bekomm ich Dividende?

„Du erhältst auf Vorzugs-Aktien 7% Dividende. DM 500.“ Was muss man ohne die Monopoly-Gemeinschaftskarte tun, um im echten Leben eine Dividende zu bekommen?

Ganz einfach: Am Tag der Hauptversammlung Aktionär sein. Viele Unternehmen schütten einen Teil des Gewinns an ihre Eigentümer aus. Die Höhe wird von der Hauptversammlung festgelegt, an der alle Aktionäre teilnehmen können. Denn denen gehört ja das Unternehmen. Auf die Dividende wird 25 Prozent Kapitalertragssteuer fällig. Fast alle DAX und großen US-Unternehmen zahlen eine Dividende. Besonders hoch ist die Dividendenrendite aktuell zum Beispiel bei Freenet (8 Prozent), Hochtief, E.ON oder Allianz (je 6 Prozent). In der Regel fällt der Aktienkurs am Tag der Ausschüttung um die Höhe der Dividende. Das macht auch Sinn, da dieser Anteil des Unternehmenswertes ausbezahlt wurde.

Ausnahmen sind unprofitable „Growth“ Firmen und große Tech-Konzerne wie Amazon. Deren Argument: Wir investieren das Geld lieber in unser Geschäft, steigern dadurch den Firmenwert und damit den Aktienkurs.

3. Besseres Essen kaufen?

Klimawandel und Tierwohl sind für viele Menschen sehr wichtige Themen. Inzwischen kann man nicht nur nachhaltige Lebensmittel sondern auch die passenden Aktien dazu kaufen.

Eine Option ist „Fleisch“ aus pflanzlichem Eiweiß. Der große Vorteil ist, dass man 90 Prozent Wasser und CO2 bei der Produktion einspart. Das gibt es von Beyond Meat im Supermarkt und bei Fast-Food-Ketten wie McDonalds. An der Börse ist die Firma mit dem 20fachem Umsatz mit 7 Milliarden Euro bewertet. Aber: Viele Wettbewerber drängen auf den Markt. Nur wenn es Beyond Meat gelingt, zu einer globalen Premiummarke zu werden, kann die Aktie noch an Wert zulegen.

Eine Alternative kommt aus Schweden und macht Hafermilch. Oatly hat es bereits zur globalen Premiummarke für Nachhaltigkeit gebracht und ist auch in den USA an jeder Ecke zu haben. Ein Risiko gibt es: Shitstorms der Oatly Fans wegen des Investors Blackstone, der unter anderem Trumps Wahlkampf unterstützt hat. Der Börsengang wird in Kürze erwartet, wir sind gespannt.

4. … und es hat Zoom gemacht!

Kaum eine Firma dürfte in der Pandemie so präsent und hilfreich gewesen sein wie Zoom. Home Office, aber auch Kochkurse, Yogastunde oder Freunde treffen, all das findet seit einem Jahr auf Zoom statt.

Das zeigte sich diese Woche in den Geschäftszahlen. Der Umsatz hat sich im letzten Quartal vervierfacht, die Marge ist gut: Von jedem Euro behält Zoom 40 Cent. Für das laufende Jahr erwartet die Firma weitere 40 Prozent Wachstum und will dieses Jahr 3,2 Milliarden Euro Umsatz machen. Entsprechend ist auch der Börsenwert deutlich gestiegen und mit heute über 80 Milliarden Euro dreimal mehr als vor einem Jahr. Zum Vergleich: Mit dieser Bewertung würde Zoom in den deutschen Top 10 zwischen Daimler und der Allianz stehen.

Zoom hat viel Geld auf der hohen Kante und sucht nach passenden Zukäufen, um weiter wachsen zu können. Wer glaubt, dass die Suche erfolgreich sein wird und, dass wir auch zukünftig mit Zoom arbeiten und Freizeit gestalten, der kann an der Börse genau darauf wetten.

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5. In Hamburg sagt man Tschüss

Der einzige Hamburger DAX Konzern ist vorerst Geschichte. Beiersdorf verlässt zum 22. März den größten deutschen Index. Die Mutter von Nivea und Tesa ist zwar nach Marktkapitalisierung mit knapp 19 Milliarden Euro noch die Nummer 25 der 30 DAX Unternehmen. Für den DAX ist aber nur der Wert der Aktien im Streubesitz entscheidend. Und da reicht es nicht mehr für die Top 30.

Ersetzt werden die Eimsbütteler zu allem Überfluss auch noch durch eine Firma aus München, Siemens Energy. Für die deutsche Börsenhauptstadt ist das bereits die siebte Firma im DAX. Aber vielleicht heißt es ja auch „Auf Wiedersehen“ für Beiersdorf. Denn im September wird der DAX auf 40 Firmen erweitert. Vielleicht spielt Hamburg dann wieder in der ersten Liga mit.

Eine positive Nachricht zum Abschluss: Zwei andere Hamburger Unternehmen steigen in die zweite deutsche Börsenliga auf. Nordex und Encavis verdienen beide das Geld mit Erneuerbaren Energien und sind in Kürze Teil des MDAX.

Die Börsen produzieren jeden Tag viele spannende Geschichten. Um die geht’s jeden Morgen von Montag bis Freitag im „Ohne Aktien wird schwer“-Podcast: ohneaktienwirdschwer.de und https://sptfy.com/i3YH (mp)

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