• Für Aktien von Sportvereinen wie Cristiano Ronaldos Klub Juventus Turin gibt es neuerdings einen eigenen ETF.
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Aktien-Trends mit Philipp Westermeyer: Kohle machen mit Cristiano Ronaldo

Mit Aktien kann man viel Geld verdienen – aber genauso kann man eine Menge Geld verlieren. Soll ich mich trotzdem trauen?  Und ist es nicht längst zu  spät zum Einsteigen? Mit „Ohne Aktien wird schwer“ gibt es jedes Wochenende in der MOPO aktuelle Themen und  Trends an der Börse. Diesmal geht’s unter anderem um  VW, die sogenannte Sektor-Rotation, Kolonialhandel und die große Welt des Sportes.

1. Aktienmarkt: SPAC Attack

SPACs sind der große Börsenhype, vor allem in den USA. Allein dieses Jahr drängen 1000 SPACs an die Börse. Sie werden den Großteil aller Börsengänge ausmachen. Zum Vergleich: Es gibt in Amerika insgesamt 5000 börsennotierte Firmen. Aber was sind denn SPACs überhaupt?

Ein SPAC (Special Purpose Acquisition Company) ist eine Mantelgesellschaft, die quasi als leere Hülle an die Börse gebracht wird. Das Ziel: Mit dem Geld des Börsengangs und zusätzlichem Fremdkapital innerhalb von zwei Jahren eine andere Firma übernehmen und so an die Börse bringen. Virgin Galactic (Raumfahrt), DraftKings (Sportwetten) und der Playboy sind dafür Beispiele.

Als Anleger ist Vorsicht geboten. In den letzten Jahren lag die Rendite bei den SPACs, die erfolgreich eine Firma übernommen haben, nur bei minus 20 Prozent. Reguläre IPOs brachten es im gleichen Zeitraum auf plus 37 Prozent. Zudem ist zweifelhaft, ob es genug geeignete Übernahmekandidaten gibt. Der SPAC-Hype könnte Zeichen einer Spekulationsblase sein.

2. Stock Picking

Die meisten und oft auch die besten Börsen-Geschichten handeln von konkreten Firmen. Sollte man deswegen auch Stock Picking betreiben, also in einzelne Aktien investieren? Oder ist es sinnvoller auf ETFs zu setzen, in denen viele verschiedene Firmen enthalten sind?

Die Antwort ist eindeutig: Finanziell gesehen ist es keine gute Idee, nur auf einzelne Aktien zu setzen. Selbst die Bilanz absoluter Profis sieht mau aus. In den letzten elf Jahren gelang es nur sieben Prozent der aktiven Fondmanager, ein besseres Ergebnis als der Index ihres jeweiligen Vergleichsmarktes zu erzielen.

Gerade haben Stock Picker etwas bessere Chancen. Die Sektor-Rotation (die Abwechslung boomender Branchen, Anm. d. Red.) mischt die Karten neu. Bei der Umschichtung von Kapital vor allem aus Tech-Werten in Richtung klassischerer Value-Titel könnten sie kurzfristig ausnahmsweise mal besser abschneiden. Auf Dauer aber ist ein ETF auf einen Index zwar vielleicht etwas langweiliger, aber finanziell die deutlich bessere Wahl. 

3. Ist VW jetzt Tesla-Jäger?

Volkswagen schreibt die Story dieser Börsenwoche. Die Aktie stieg um etwa 15 Prozent und beflügelte den DAX zu neuen Rekorden. VW ist wieder vor SAP und aktuell die wertvollste Firma in Deutschland. Was ist passiert?

VW setzt voll auf E-Mobilität und strebt an, in fünf Jahren weltweit die Nummer eins zu sein.

VW setzt voll auf E-Mobilität und strebt an, in fünf Jahren weltweit die Nummer eins zu sein.

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VW hat in Rahmen eines „Power Days“ seine Zukunftspläne verkündet: Das Unternehmen setzt voll auf E-Mobilität und strebt an, in fünf Jahren weltweit die Nummer eins zu sein.

Dafür investiert VW in eigene Batteriewerke und in Ladeinfrastruktur. Auch die IT-Abteilung soll auf 10.000 Mitarbeiter wachsen. Das würde VW zu einem der größten Softwareunternehmen Europas machen.

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Diese Pläne kamen gut an. In amerikanischen Börsenmedien wurde VW als innovativ und zukunftsorientiert porträtiert. Der Autobauer könne schon in Kürze Tesla bei den ausgelieferten Elektroautos überholen. Die Aktie sei aber relativ günstig: Das Market Cap (Gesamtwert der im Umlauf befindlichen Aktien eines Unternehmens, Anm. d. Red.) von VW ist weiterhin nur ein Viertel von Tesla.

Das führte zu einer sprunghaften zusätzlichen Nachfrage gerade von Kleinanlegern aus den USA nach VW-Aktien. Die Börsenstory dreht also gerade von „Dieselskandal“ zu „Tesla-Jäger“. 

4.  Die Niederlande – schneller aus der Krise?

Wo wurden eigentlich Aktien erfunden? In den Niederlanden! 1602 wurden die ersten Aktien ausgegeben, um den äußerst risikoreichen Kolonialhandel zu finanzieren. Kamen die Schiffe aus Ostindien mit Gewürzen beladen doch wieder zurück, wurde eine „gepfefferte“ Dividende gezahlt.

Der holländische DAX heißt AEX. Im Index sind mit Unilever, Shell, Prosus und ASML gleich vier Firmen, deren Market Cap größer ist als der von VW. Dazu gesellen sich Heineken, ING, Philips oder Adyen. Warum ist das interessant?

Die Niederlande könnten die Corona-Krise schneller als andere Länder meistern.

Blüht Anlegern da Gutes? Die Niederlande könnten die Corona-Krise schneller als andere Länder meistern – und holländische Unternehmen einen Aufschwung erleben.

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Die holländischen Firmen sind wettbewerbsstark und über viele Branchen verteilt. Das zeigt sich im AEX, er stieg seit Jahresbeginn um acht Prozent. Mit einem ETF kann man auf weiteres Wachstum wetten.

Die Niederlande sind groß genug, um im Wettbewerb zu bestehen, und klein genug, um wendig zu sein. Ein Beispiel ist die Impfkampagne. Zwar wurde spät begonnen, aber bereits Ende Juli sollen alle Bürger mindestens einmal geimpft sein. Unser Nachbar könnte schneller wieder in die Spur finden und einen Post-Corona-Aufschwung erleben. 

5.  ManUnited, Dortmund und die Formel 1 kaufen?

Profisport ist die große globale Emotions- und Aufmerksamkeitsmaschine. Seit Mittwoch gibt es einen ETF, mit dem man auf das Sport-Biz setzen kann. Der „MVP ETF“ investiert das Geld seiner Anleger in Teams wie die New York Knicks, die Atlanta Braves, Manchester United, Fenerbahce Istanbul, Juve oder den BVB, in ganze Ligen wie die Formel 1, in Medien und in Sportbekleidung.

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Das könnte eine gute Idee sein, denn laut einer Studie wächst der globale Sportmarkt stark. Die Gründe: Sportteams werden zu immer höheren Preisen gehandelt, TV- und Streamingrechte verteuern sich im Kampf um unsere Aufmerksamkeit, und das Geschäft mit Sportwetten wird in vielen Ländern weiter legalisiert. Der letzte Schub könnte mit der Rückkehr der Fans in die Stadien der Welt kommen.

Impulskäufe sind oft keine gute Idee und können zu einem Kaufkater führen. Dieses Wochenende besteht dafür keine Gefahr: Der „MVP ETF“ wird aktuell noch nicht in deutschen Trading-Apps angeboten. Den Sportmarkt sollte man aber im Auge behalten.

Ob eine Aktien nach oben oder nach unten geht, kann niemand sagen. Was wir aber sicher sagen können: Die Börse produziert jeden Tag spannende Geschichten. Davon erzählen wir montags bis freitags immer morgens im „Ohne Aktien wird schwer“-Podcast: ohneaktienwirdschwer.de und https://sptfy.com/i3YH 

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