Groß-Hamburg-Gesetz
  • Festakt im Rathaus am 1. April 1937 anlässlich des Groß-Hamburg-Gesetzes. Hitlers Stellvertreter Rudolf Heß (2.v.l.) im Gespräch mit Senator Wilhelm von Allwörden. Ganz rechts: Hamburgs Regierender Bürgermeister Carl Vincent Krogmann.
  • Foto: Staatsarchiv Hamburg

Der 1. April 1937: Der Tag, an dem Altona ein Stadtteil Hamburgs wurde

Wer sich die politische Landkarte von Hamburg und Umgebung aus der Zeit vor 1937 ansieht, schaut auf einen komplizierten Flickenteppich. Großhansdorf und Geesthacht, ja sogar das Amt Ritzebüttel an der Elbmündung sind Teil der Stadt, obwohl völlig abseits gelegen. Andererseits muss ein Hamburger, den es nach Wandsbek treibt, in ein anderes Land reisen: nach Preußen nämlich.

Seit Ende des Ersten Weltkriegs hat die Stadt Hamburg immer wieder versucht, diesen Irrsinn zu beenden. Aber die angrenzenden Landkreise haben sich beharrlich geweigert, Flächen abzutreten. Für Hamburgs Handel ist es jedenfalls sehr hinderlich, dass sich beispielsweise die Landesgrenze zu Preußen mitten durch das Hafengebiet zieht.

Ausgerechnet in Adolf Hitler finden die Hamburger einen Bündnispartner. Bei einem Besuch des Diktators im Hafen machen Wirtschaftsvertreter ihn darauf aufmerksam, dass die Stadt – und damit die Ökonomie – wegen der engen Grenzen kaum noch wachsen könne. Kurz darauf bringt Hitler das Groß-Hamburg-Gesetz auf den Weg.

Hitler geht es überhaupt nicht ums Wohlergehen der Stadt

Dem Reichskanzler geht es dabei nicht im Geringsten um das Wohlergehen der Hansestadt. Der Diktator denkt stattdessen an den längst geplanten Angriff auf die Nachbarländer. In der Hansestadt sitzt ein Fünftel der Mineralölindustrie und ein Drittel der Fischindustrie. Beide spielen eine große Rolle, da Deutschland – um kriegsfähig zu werden – unabhängig von ausländischen Rohstofflieferungen sein soll. Außerdem braucht Hitler die Werften, damit sie ihm eine Kriegsflotte bauen.

Vor fast 85 Jahren, am 1. April 1937, ist es dann so weit. Mit ihren Unterschriften unter dem Gesetz verändern vier Männer die Geschichte der Stadt grundlegend: Adolf Hitler, Innenminister Wilhelm Frick, Finanzminister Graf Schwerin von Krosigk und Hermann Göring, der Beauftragte für den Vierjahresplan. Hitler kommentiert, dass die Reform „mit einem Federstrich“ gelungen sei – eine Anspielung darauf, dass die Regierungen der Weimarer Republik dasselbe Ziel auch nach langjährigen Bemühungen nicht erreicht haben.

„30.000 Fackeln grüßen Groß-Hamburg“

Groß-Hamburg-Gesetz
Festakt am 1. April 1937: Tausende von Fackelträgern auf dem Rathausmarkt in Hamburg, der damals „Adolf-Hitler-Platz“ heißt.

Am Festakt im Rathaus nehmen etliche Persönlichkeiten des NS-Regimes teil: Hitler selbst ist nicht anwesend, aber er schickt Rudolf Heß, seinen Stellvertreter. Es gibt eine Großkundgebung auf dem Rathausmarkt, der jetzt Adolf-Hitler-Platz heißt. „30.000 Fackeln grüßen Groß-Hamburg“, titelt das Hamburger Fremdenblatt. Heß ruft vom Balkon des Rathauses der Menge zu: „Es ist zusammengeschlossen, was notwendigerweise längst zusammengehört: Groß-Hamburg ist Wirklichkeit geworden!“

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