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  • Foto: dpa

Virologe fordert Studie: „Wer hält sich nicht an Maßnahmen und warum nicht?“

Bonn –

Virologe Hendrik Streeck zeigt sich angesichts der steigenden Corona-Fallzahlen besorgt. In einem Interview fordert er nun, die bestehenden Maßnahmen stärker zu hinterfragen und mehr Hygienekonzepte auszutesten. Vor allem möchte er aber eine Frage klären: „Wer hält sich nicht an bestimmte Maßnahmen und warum nicht?“

Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Deutschland ist auf einem besorgniserregend hohen Niveau. Nach einem Krisentreffen mit den Ministerpräsidenten hat Bundeskanzlerin Angela Merkel deshalb verschärfte Maßnahmen zur Eindämmung angekündigt.

Der Bonner Virologe Hendrik Streeck, scharfer Kritiker des zuvor verhängten „Lockdown light“, hat die harten Einschnitte im Interview mit der Zeitung „Merkur“ nun grundsätzlich befürwortet.

Virologe Streeck: Harter Lockdown der „richtige Weg“

Es sei „vor dem Hintergrund der aktuell besorgniserregenden Lage ein richtiger Weg, die viel zu hohe Zahl der Neuinfektionen über einen härteren Lockdown zu senken“, so Streeck.

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Doch ganz ohne Kritik kommt Streeck weiter nicht aus: So wäre laut ihm ein harter Lockdown im Sommer bei niedrigen Fallzahlen „sehr effizient“ gewesen. „Dadurch hätten wir es geschafft, die Infektionszahlen auf ein Minimum zu drücken und wieder jede Kontaktperson nachverfolgen zu können. Das haben einige Länder wie Finnland oder Dänemark erreicht“, erklärte er. In Deutschland sei diese Debatte völlig versäumt worden.

Experte: Weihnachtsmarkt „ebenso sicher“ wie Treffen in Privatwohnungen

Zudem hinterfragt Streeck auch einige Maßnahmen des „zweiten Lockdowns“ im November und Dezember. Durch die Schließung der Gastronomie hätte man sicher auch einige Menschen in private Treffen getrieben. „Es ist wahrscheinlich ebenso sicher, sich mit Masken draußen zu treffen – beispielsweise auf einem Weihnachtsmarkt mit Hygienekonzept – als drinnen in Privatwohnungen ohne Masken und ohne ein Hygienekonzept“, so der Virologe – man hätte es „einfach versäumt“, die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung zu untersuchen, wenn Hygienekonzepte eingehalten werden.

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Besonders relevant ist für den 43-Jährigen daher die Beantwortung der Frage, wer sich nicht an die Corona-Maßnahmen halte – und warum nicht. „Woran liegt es, dass die Zahlen (…) in Deutschland nicht sinken? Wo stecken sich die Menschen an? Wer hält sich nicht an bestimmte Maßnahmen und warum nicht? Durch eine Verschärfung wird man keine Antworten bekommen“, so Streeck. Eine Studie zur Einhaltung der Maßnahmen in bestimmten Bevölkerungsgruppen hält er für sehr sinnvoll.

Bonner Virologe Hendrik Streeck macht Hoffnung: „Sommerurlaub wird möglich sein“

Große Hoffnungen auf Lockerungen bereits im Januar machte Streeck im „Merkur“-Interview nicht. Diese seien zwar möglich, wenn man die Neuinfektionen durch den harten Lockdown auf ein niedriges Niveau drücken könne. „Wenn die Zahlen jedoch so hoch wie derzeit bleiben, wird das nicht möglich sein. Zumal sich Coronaviren vor allem im Herbst und Winter ausbreiten“, so der Virologe.

Erst in den Frühlingsmonaten März und April werde das Virus auf natürliche Weise zurückgedrängt. In einem Punkt ist Streeck aber optimistisch: „Ich denke, ein Sommerurlaub wird möglich sein.“ (prei)

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