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Viele Tote jeden Tag: So grausam morden sich die Erben von „El Chapo“ durch Mexiko

Mexiko-Stadt –

Er war der berühmteste Drogenboss Mexikos. Joaquín „El Chapo“ Guzmán (63) wurde vor fast genau einem Jahr in den USA zu lebenslanger Haft verurteilt, heute sitzt der Ex-Chef des Sinaloa-Kartells in einem Hochsicherheitsknast im Bundesstaat Colorado. Seine Herrschaft ist vorbei. Die Gewalt der Kartelle in Mexiko aber längst nicht.

Zerstückelte Leichen werden gefunden, ein Richter und seine Frau werden zu Hause erschossen, auf den Polizeichef der Hauptstadt wird ein Attentat verübt, bei einem Massaker in einer Entzugsklinik werden 27 Menschen getötet – all das und mehr ist allein im vergangenen Monat passiert. Vergangenes Jahr wurden laut offizieller Statistik im Schnitt fast 100 Menschen pro Tag in Mexiko ermordet. Trotz Corona-Krise ist es 2020 nicht weniger geworden.

Mitglieder der Nationalgarde vor einer Einrichtung für Suchttherapie, wo 24 Menschen erschossen worden waren.

Mitglieder der Nationalgarde vor einer Einrichtung für Suchttherapie, wo 24 Menschen erschossen worden waren.

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picture alliance/dpa

„El Chapo“ in Haft, Mexikos Kartelle morden weiter

Mitte Juni etwa fuhren um die 20 Transporter voller bewaffneter Männer in die Stadt Caborca in der Wüste. Vermummte zündeten Häuser, Autos, eine Tankstelle und einen Lkw an. Die Stadt war anscheinend ein Schauplatz eines Krieges zwischen Faktionen des Sinaloa-Kartells geworden. Später tauchten zehn Leichen am Rande einer Straße auf.

Drei Söhne von „El Chapo“ – Iván Archivaldo, Jesús Alfredo und Ovidio, bekannt als die „Chapitos“ – ließen den mexikanischen Staat 2019 schlecht aussehen. Der Armee hatte Ovidio festgenommen, aber seine Brüder erzwangen mit einem Gewaltausbruch die Freilassung.

Neueres Kartell breitet sich in Mexiko aus

Währenddessen breitet sich ein neueres Kartell aus: das Cártel Jalisco Nueva Generación (CJNG), das früher mit dem Sinaloa-Kartell von „El Chapo“ verbündet war und nun ein Rivale ist. CJNG-Chef ist Nemesio Oseguera Cervantes, genannt „El Mencho“. Für Hinweise, die zu seiner Festnahme führen, hat die US-Regierung zehn Millionen Dollar ausgelobt.

Der Schmuggel von Fentanyl, 50-mal stärker als Heroin, ist im Moment für die Kartelle ein besonders großes Geschäft. Aber der Drogen sind nicht die einzige Einnahmequelle der etwa 200 kriminellen Organisationen in Mexiko. Darunter sind regionale Gruppen wie das Kartell Santa Rosa de Lima, das aus dem Diebstahl von Kraftstoff erwuchs, und das Nordost-Kartell, das unter anderem Migranten entführt.

Zwar ist „El Chapo“ im Gefängnis, aber die Gewalt seines Kartells lebt weiter. 2016 hatte er in einem Interview dem Geschäft mit Drogen eine lange Zukunft vorausgesagt. „Am Tag, an dem ich nicht mehr existiere, wird es nicht nachlassen.“ Diese Prophezeiung bewahrheitet sich gerade. (dpa/mp)

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