Vor einer Ansteckung mit dem Virus haben viele Deutsche weniger Angst als vorm US-Präsidenten. (Symbolbild)
  • Vor einer Ansteckung mit dem Virus haben viele Deutsche weniger Angst als vorm US-Präsidenten. (Symbolbild)
  • Foto: imago images/Panthermedia

Überraschende Studie: Deutsche fürchten Trump mehr als Corona

Berlin/Wiesbaden –

Geldbeutel wichtiger als Gesundheit? Einer Umfrage zufolge sorgen sich die Deutschen in der Corona-Pandemie in erster Linie um ihren Wohlstand. Beim Thema Ansteckung bleiben sie dagegen gelassen. Ihre größte Angst ist aber politisch: Sie gilt US-Präsident Trump.

Wer die Deutschen in der Corona-Krise für ein Volk von Angsthasen hält, liegt daneben – das ist das Ergebnis der aktuellen Befragung „Die Ängste der Deutschen“. Der Angstindex, also der Durchschnittswert der langjährig abgefragten Sorgen, rangiert demnach mit 37 Punkten sogar auf dem niedrigsten Niveau seit Beginn der Befragung vor fast 30 Jahren. Das Ergebnis ist ein krasser Gegensatz zu 2016, als Ängste vor Terrorismus, vor politischem Extremismus, vor Spannungen durch Zuwanderung sowie Sorgen vor einem Krieg mit deutscher Beteiligung den Index auf 52 Punkte schnellen ließen — den höchsten Wert der vergangenen zehn Jahre.

Keine Corona-Panik dank Regierungshandeln?

„Aus Erfahrung wissen wir, dass der Angstindex besonders hoch ist, wenn die Menschen sich hilflos fühlen und vor scheinbar unlösbaren Problemen stehen“, sagt die Leiterin der Umfrage, Brigitte Römstedt. „Momentan haben wohl viele das Gefühl, dass sie sich durch das Einhalten der AHA-Regeln vor Corona schützen und dass auch die Regierung so weit alles im Griff hat. Das verhindert offensichtlich eine allgemeine Panik.“

Manfred Schmidt, Politikwissenschaftler der Uni Heidelberg, analysiert die Ängste-Umfrage seit fast 20 Jahren. Bemerkenswert ist für ihn, wie die innenpolitischen Sorgen 2020 an Bedeutung verloren haben. Noch nie im neuen Jahrtausend haben die Befragten so viel Vertrauen in Deutschlands Politik gezeigt: 60 Prozent hielten sie nicht für überfordert – ein Spitzenwert. Für Schmidt spiegelt sich hier eine Wertschätzung für das Corona-Krisenmanagement der Regierung. Er vermutet aber auch, dass andere Themen wie zum Beispiel Migration zurzeit überlagert werden. Der Fokus aufs Materielle wundert ihn dagegen nicht. Das sei ein Reaktionsschema bei Notlagen, sagt er.

Donald Trump Buhmann der Nation

Ebenfalls interessant: Zum zweiten Mal nach 2018 ist Donald Trump der Buhmann der Nation. Rund die Hälfte der Interviewten (53 Prozent) stuft seine Politik als ein Problem ein, das die Welt gefährlicher macht. Nach anderen Staatschefs wurde allerdings nicht gefragt. Auch die Angst um die Wirtschaft dominiert nach sechs Jahren Pause wieder die großen Sorgen der Deutschen: Die Hälfte der Befragten (51 Prozent) befürchtet steigende Lebenshaltungskosten.

Die Sorge vor einer eigenen schweren Corona-Erkrankung rangiert dagegen mit 32 Prozent weit abgeschlagen auf dem 18. Platz von 20 abgefragten Ängsten. „Nach unseren Erkenntnissen haben die Menschen deutlich mehr Angst davor, dass das Virus ihren Wohlstand bedroht als ihre Gesundheit“, resümiert Römstedt. Nach den Gründen für diese Gelassenheit fragt die Studie nicht. Aber: „Wir wissen, dass man die Themen Krankheit und Tod gerne weit von sich schiebt“, sagt Römstedt.

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Die Umfrage „Die Ängste der Deutschen“ wird seit 1992 von der R+V-Versicherung in Auftrag gegeben, 2400 Menschen ab 14 Jahren wurden dafür 2020 befragt. (mik/dpa)

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