Einer der schönsten Strände der Insel: San Teodoro
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Tourismus darf hoffen: Beliebte Urlaubsinsel quasi coronafrei – wie geht das?

Cagliari –

Man könnte sie fast schon als „Insel der Glückseligen“ bezeichnen: Sardinien ist seit einigen Tagen quasi coronafrei – und das, während sich fast im ganzen restlichen Land die Corona-Lage gerade zuspitzt. Wie hat das Eiland das geschafft? Was hat man dort anders gemacht als im Rest Italiens? Und was bedeutet das für den auf Sardinien so wichtigen Tourismus?

Schon lange war diese Farbe auf der Corona-Karte Italiens nicht mehr zu sehen: Anfang März erklärten die Behörden Sardinien zur „zona bianca“, zur weißen Zone. Bedeutet: Die Insel ist quasi coronafrei. Gerade einmal 38 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner gab es zuletzt innerhalb einer Woche – bei gut 1,6 Millionen Einwohnern.

Die meisten Regionen Italiens sind zurück im Teil-Lockdown – nicht so Sardinien

Die Entwicklung ist umso erstaunlicher, wenn man sich den Rest des Landes anschaut. Nachdem die Corona-Zahlen wegen eines strengen Lockdowns Ende Januar und Anfang Februar zunächst kontinuierlich absanken, steigen sie seit Ende Februar vielerorts nun drastisch an. Der Grund: Der Lockdown wurde aufgehoben, Virus-Mutationen fressen sich durchs Land.

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Die meisten Regionen des Landes sind deshalb nun zurück in einen Teil-Lockdown gegangen, etwa die Lombardei und die Toskana. In diesen sogenannten orangefarbenen Gebieten müssen Restaurants und Bars wieder schließen, auch Schulen sind dicht. Daneben sind drei Regionen mittlerweile sogar rot eingefärbt: Molise, Basilikata und Kampanien. Dort gilt eine Ausgangssperre und die Menschen dürfen nur noch in Ausnahmefällen ihre Häuser verlassen.

Ganz anders dagegen in Sardinien: Das private und öffentliche Leben nähert sich dort langsam aber sicher den Zuständen vor der Pandemie an – mit dem Unterschied, dass an vielen Orten weiter Maskenpflicht und Abstandhalten gilt. Wie haben die Sarden das geschafft?

So ist der Corona-Erfolg der Sarden zu erklären

Ein Grund dürfte die geographische Lage sein. Sardinien hat als Insel den Vorteil, dass es sich verhältnismäßig einfach abschotten lässt – ähnlich wie etwa auch Neuseeland.

Ein Bild aus dem Sommer 2020: In Flavio Briatores „Billionaire“-Club in Porto Cervo wurde ausgelassen gefeiert.

Ein Bild aus dem Sommer 2020: In Flavio Briatores „Billionaire“-Club in Porto Cervo wurde ausgelassen gefeiert.

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Allerdings: Im vergangenen Sommer nutzten die Sarden diesen Vorteil nicht. Zwar beschlossen die Behörden damals ein Einreiseverbot ohne Negativtest – Gerichte kippten die Vorschrift jedoch wieder. Die Folge: Es gab zahlreiche Corona-Ausbrüche – unter anderem in den Jetset-Diskotheken im Nordosten der Insel. Mit dem Abflauen des Tourismus sank im Winter auch das Ansteckungsrisiko, der Lockdown tat sein Übriges.

Zudem ist die Besiedelung relativ lose. Die meisten Sarden wohnen entlang der Küste oder in den größeren Städten Cagliari, Sassari und Olbia. Inselweit beträgt die Bevölkerungsdichte 67,7 Menschen pro Quadratkilometer – in Deutschland liegt dieser Wert bei 233. 

Andrea Crisanti ist wohl der wichtigste Faktor gewesen

Der wichtigste Grund für den Corona-Erfolg der Sarden dürfte aber Andrea Crisanti sein, analysierte kürzlich die „Süddeutsche“. Der römische Mikrobiologe hatte während der ersten Welle die Region Venetien beraten, sich dann aber trotz bemerkenswerter Erfolge heillos mit den dortigen Verantwortlichen zerstritten.

Andrea Crisanti trug maßgeblich zum Corona.Erfolg Sardiniens bei.

Andrea Crisanti trug maßgeblich zum Corona-Erfolg Sardiniens bei.

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Nun arbeitet er in Cagliari und setzte unter anderem durch, dass alle Einwohner der Insel regelmäßig zum Massentest gehen. So werden Hotspots schnell entdeckt – wie es aktuell etwa auf der Inselgruppe La Maddalena nordöstlich der Hauptinsel der Fall ist. Dort entstand ein „Cluster“, nachdem ein elfjähriges Mädchen kürzlich positiv getestet wurde. Das Gebiet wurde abgeriegelt, Dutzende Ärzte und Krankenschwestern rückten an und kümmerten sich um Isolation und Behandlung der Betroffenen – mit Erfolg. Die Ausbreitung konnte gestoppt werden.

Strenge Einreiseregeln für Urlaub in Sardinien

Damit Sardinien eine „zona bianca“ bleibt, hat die Regionalregierung nun strenge Einreiseregeln verhängt. Die Insel betreten darf nur, wer eine Corona-Impfung oder eine bereits überstandene Infektion nachweisen kann. Auch ein maximal 48 Stunden alter PCR-Test wird akzeptiert. Wer nichts davon vorweisen kann, muss sofort in Quarantäne, aber kann sich „freitesten“. 250 Mediziner und Beamte sollen die Einhaltung der Regeln an Airports und Häfen überwachen.

Das Prozedere gilt als wegweisend, könnte es doch sicheren Tourismus auch in Zeiten der Pandemie möglich machen. Sizilien denkt bereits darüber nach, die sardischen Regeln zu kopieren. Allerdings: Noch ist die Region gelb eingefärbt. Die Hoffnungen sind groß, dass Sizilien bald die zweite italienische „Insel der Glückseligen“ wird.

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