Wo viele Ausländer leben, gibt es weniger fremdenfeindliche Straftaten. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Unis Marburg und Osnabrück sowie des Bundeskriminalamts.
  • Wo viele Ausländer leben, gibt es weniger fremdenfeindliche Straftaten. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Unis Marburg und Osnabrück sowie des Bundeskriminalamts.
  • Foto: Arnulf Hettrich

Studie zeigt: Je mehr Ausländer, desto weniger ausländerfeindliche Straftaten

Wiesbaden –

In Regionen mit vielen Ausländern gibt es weniger fremdenfeindliche Straftaten. Das zeigt eine am Montag veröffentlichte Studie der Universitäten Marburg und Osnabrück sowie des Bundeskriminalamts (BKA). Überraschend: Die Häufigkeit von Hassverbrechen steht in keinem Zusammenhang zum Anteil der Geflüchteten, wohl aber zum Gesamtanteil der Ausländer.

„Wir haben überprüft, inwieweit die Häufigkeit von fremdenfeindlichen Straftaten damit zusammenhängt, wie viele Ausländerinnen und Ausländer in einer Region leben“, sagt Uwe Kemmesies vom Bundeskriminalamt. „Soweit wir wissen, gibt es bisher keine wissenschaftlichen Untersuchungen, die der Verbindung zwischen dem Anteil von Ausländerinnen und Ausländern einerseits und Auftreten von Hassverbrechen nachgehen“, ergänzt Ulrich Wagner von der Philipps-Universität Marburg.

Studie zeigt: Unterschied zwischen Geflüchteten und Ausländern insgesamt

Überraschend am Ergebnis der Studie sei, dass kein Zusammenhang zwischen der Häufigkeit von Hassverbrechen und dem Anteil von Geflüchteten in einzelnen Bezirken besteht, wohl aber zum Gesamtanteil der Ausländer. „Eine mögliche Erklärung dafür ist, dass Ausländerinnen und Ausländer in bestimmten Bezirken schon länger präsent sind, was für das Verhalten zwischen den Gruppen relevanter ist als neu hinzugekommene Geflüchtete“, vermuten die Autoren. Die kurze Anwesenheit von Flüchtlingen reiche möglicherweise nicht aus, um positive Kontakte zu ermöglichen.

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Die Forscher nutzten für ihre Studie Daten des BKA zur politisch motivierten Kriminalität aus dem Jahr 2015. In diesem Jahr erreichte der Flüchtlingszuzug nach Deutschland seinen Höhepunkt – die Polizei verzeichnete besonders viele fremdenfeindliche Straftaten.

Als 2015 die Anzahl der Geflüchteten stieg, gab es immer mehr fremdenfeindliche Übergriffe in Deutschland – für das Jahr 2016 verzeichnet die Statistik im Vergleich zu 2014 mehr als doppelt so viele Straftaten gegen Migranten sowie ethnische Minderheiten. Die Zahl der Brandanschläge gegen Asylbewerberheime verzwölffachte sich.

Straftaten gegen Ausländer: Regionale Unterschiede

Der Anstieg war aber nicht überall gleich hoch. So gab es in Ostdeutschland im Zuge der Ankunft von Geflüchteten in Deutschland deutlich mehr Hasstaten. Dies kann einerseits durch die Bedrohungstheorie erklärt werden. Diese besagt, dass ein höherer Ausländeranteil bei der Bevölkerungsmehrheit ein Gefühl der Bedrohung weckt, was Zurückweisung und diskriminierendes Verhalten hervorrufe.

Andererseits gibt es in Westdeutschland traditionell einen höheren Ausländeranteil, weswegen auch die Kontakttheorie zur Erklärung beiträgt: In Regionen mit vielen Ausländern gibt es mehr Kontaktmöglichkeiten – die positiven Erfahrungen führen zum Abbau negativer Vorurteile. „Beide Erklärungsansätze erscheinen plausibel, sowohl auf der Basis von Alltagsüberlegungen als auch vor dem Hintergrund wissenschaftlicher Theorien“, erklärt Wagner. (alu)

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