Auf der Pressekonferenz informierte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn gemeinsam mit RKI-Vizechef Lars Schaade über die aktuelle Lage.
  • Auf der Pressekonferenz informierte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn gemeinsam mit RKI-Vizechef Lars Schaade über die aktuelle Lage.
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Spahn alarmiert: „Zahl derjenigen, die beatmet werden müssen, steigt stark, zu stark“

Berlin –

Zurück aus der Quarantäne, informierte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) heute gemeinsam mit dem Vizepräsidenten des Robert-Koch-Instituts, Lars Schaade, und dem Präsidenten der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin, Uwe Janssens, bei einer Pressekonferenz über die aktuelle Corona-Lage. Sie stellten klar: „Wir sind noch mitten im Marathon.“

Bei der Konferenz in Berlin sagte Jens Spahn dem Gesundheitsbereich umfassende Unterstützung zu. Keine Klinik solle wirtschaftlich benachteiligt sein, so der Bundesgesundheitsminister. Diese Jahrhundertpandemie erfordere besonders im Bereich des Gesundheitswesens eine nationale Kraftanstrengung.

Spahn in Berlin: „Die Zahlen steigen zu stark“

„Die Lage ist ernst“, erklärte Spahn, denn die Anzahl der Infektionen steige exponentiell an. „Die Zahl derjenigen, die beatmet werden müssen, steigt stark, zu stark.“ Laut Spahn befinden wir uns in einer entscheidenden Phase; Kritik daran, dass die Anti-Corona-Politik immer wieder geändert wird, wies er zurück. „Dieses Virus ist tückisch, es lässt keine einfachen Antworten dazu“, sagte er. „In einer dynamischen Lage gehört das Anpassen der Lage zur Strategie.“

Corona: Testkapazitäten erstmals bundesweit ausgereizt

Die Kriterien für Corona-Tests müssen laut RKI-Vizechef Lars Schaade nun angepasst werden. Denn wie der Verband der Akkreditierten Labore in der Medizin am Dienstag auf Basis von Daten aus 162 Laboren mitteilte, sind die Testkapazitäten nun erstmalig bundesweit zu 100 Prozent ausgereizt.

Je höher die Fallzahlen seien, desto schwieriger werde es, alle Menschen mit Erkältungssymptomen zu testen, erklärte Lars Schaade. Dann wären mehr als drei Millionen Testungen pro Woche nötig – dies sei nicht erforderlich, so der RKI-Vizechef. Deshalb habe das RKI die Empfehlungen an Ärzte hinsichtlich der Testkriterien angepasst: Faktoren seien etwa die Symptome, die Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe und die Wahrscheinlichkeit, dem Coronavirus ausgesetzt gewesen zu sein.

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RKI warnt: Bis Weihnachten 400.000 Corona-Fälle pro Tag

Lars Schaade wies darauf hin, dass wir uns noch „mitten im Marathon“ befänden und warnte vor einem weiteren rasanten Anstieg der Fallzahlen: Würden diese sich weiterhin alle zehn Tage verdoppeln, gäbe es bis Weihnachten 400.000 Fälle pro Tag.

Bei der Pressekonferenz kam Bundesgesundheitsminister Jens Spahn auch auf seine eigene Infektion mit dem Coronavirus zu sprechen. Wie die meisten Corona-Infizierten wisse auch er nicht, wo er sich angesteckt habe. „Ich wäre einer von diesen 75 Prozent, die nicht sagen können, wo es passiert ist“, gab der Minister zu. Es sei für die Betroffenen ja gerade das Tückische an dem Coronavirus, dass für die meisten Infektionsfälle im Nachhinein gelte: „Es ist passiert, ohne dass man es gemerkt hat.“

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Die eigene Erfahrung habe Spahns Sicht auf die Corona-Krise auch noch einmal beeinflusst. Er habe gespürt, wie belastend Isolation und Quarantäne verbunden mit der Angst um den weiteren Verlauf sein können. Er sei demütig und dankbar, dass seine Erkrankung gut verlaufen sei und er sich wie die anderen Bürger auf das Gesundheitswesen habe verlassen können.

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