Donald Trump wurde von Fox-Moderator Chris Wallace hart interviewt.
  • Donald Trump wurde von Fox-Moderator Chris Wallace hart interviewt.
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Skurriles Interview: Lügen und irrer Elefanten-Vergleich: Fox-Moderator führt Trump vor

Washington –

Dieses wilde TV-Interview erinnerte teilweise mehr an einen aufgeregten Debattierklub – mit einem eindeutigen Verlierer: US-Präsident Donald Trump. Eigentlich gilt Fox News als der „Haus-und-Hof-Sender“ des Republikaners, doch dieses Mal nahm ihn Interviewer Chris Wallace hart ran. Trump geriet sichtlich ins Schwitzen – glänzte aber dennoch wie gewohnt mit kuriosen Aussagen.

Chris Wallace hielt sich nicht lange mit Höflichkeiten auf. Nach der Begrüßung stieg er direkt ins Interview ein – und konfrontierte den US-Präsidenten mit der Zahl der rasant ansteigenden und enorm hohen Corona-Neuinfizierten. Trump reagierte gewohnt unbelehrbar: „Das liegt daran, das wir so gut testen. Weil wir die besten Test der Welt machen. Wenn wir nicht testen würde, wären Sie nicht in der Lage, diese Grafik zu zeigen.“

Washington: Fox News-Interviewer Chris Wallace konfrontiert Trump mit Corona-Zahlen

Doch Wallace ließ nicht locker und Trump versuchte mit dem Verweis auf andere Länder auszuweichen. Es seien nicht nur die USA betroffen. Warum spräche keiner über die Zahlen von Mexiko oder Brasilien, fragte der Präsident. „Warum reden wir nicht über Mexiko, die uns nicht helfen? Ich kann nur sagen, ich danke Gott, dass ich das meiste der Mauer habe bauen lassen … denn ansonsten hätten wir noch ein viel größeres Problem mit Mexiko.“ 

Wallace ignorierte den Seitenhieb auf Mexiko und versuchte den Präsidenten wieder auf Spur zu bringen: „Aber Sir, wir haben die siebthöchste Sterberate auf der Welt.“ Trump reagierte wie schon oft mit einer dreisten Gegenbehauptung: Er habe Gegenteiliges gehört, so der US-Präsident. Die USA hätten die niedrigste Sterberate der Welt. Der Fox-Moderator konterte unbeeindruckt: „Das ist nicht wahr, Sir“.

Als Trump sich nicht mehr zu helfen wusste, holte er in Sachen Corona-Pandemie gegen China aus: „Es kommt aus China. Sie hätten es niemals freilassen dürfen. Es ist, was es ist.“

Während des gesamten Interviews spielt der Republikaner die Krise herunter. Es handele sich nur um „Flammen“ oder „Glutherde“, die schnell gelöscht würden und dass viele junge Leute lediglich einen „Schnupfen“ hätten, aber dennoch zu den Infizierten gezählt würden. 

Trump: Kinder lernen in der Schule, „Amerika zu hassen“

Doch Trump sorgte nicht nur mit seinen abstrusen Behauptungen zur Corona-Pandemie für Entsetzen und zugleich Belustigung. Wallace konfrontierte Trump auch mit dem Protest gegen die Südstaaten-Flagge, gegen Statuen von ehemaligen Sklavenhändlern und den Demonstrationen von „Black Live Matters“ – an keiner Stelle gelang es dem Präsidenten dabei, eine gute Figur zu machen.

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Trump ist der Überzeugung, dass die Proteste vielmehr damit zu tun hätten, dass Kindern in der Schule beigebracht wird „Amerika zu hassen“. Verantwortlich dafür sei die „liberale, radikale Linke“, so der Präsident: „Wir haben eine radikal-linke, destruktive Ideologie und diese wird an den Schulen unterrichtet“. Die Demonstranten wüssten gar nicht genau, wogegen sie seien. Wallace antwortete trocken: „Gegen Rassismus“.

US-Präsident kritisiert „Black Live Matters“-Demonstranten

Natürlich war auch der Wahlkampf ein Thema des Interviews. Und wer dachte, dass der Präsident sich im Verlauf des Gesprächs bereits blamiert habe, wurde eines Besseren belehrt. Wallace zeigte Trump Umfragen, die zeigen, dass die US-Bevölkerung dem demokratischen Herausforderer Joe Biden sowohl in Sachen Corona-Krise, Beziehungen zwischen Weißen und Schwarzen, als auch in der Wirtschaft mehr vertrauen, als dem amtierenden Präsidenten. Er, Trump, werde nach dem heutigen Stand verlieren, so Wallace.

Trumps Antwort folgte prompt: „Zuallererst: Ich werde nicht verlieren. Denn die Umfragen sind Fake.“ Biden sei nicht kompetent genug, um Präsident zu werden. Er, Trump, hingegen habe die „beste Wirtschaft der Geschichte erbaut“. 

USA: Chris Wallace führt Donald Trump vor

Trump erneuerte seine Forderung, dass sich Biden einem kognitiven Test unterziehen sollte – und gab mit seinem eigenen Testergebnis an: Er habe „mit Bravour“ bestanden, so der Präsident.

Wallace konnte sich das Lachen nicht verkneifen: Er habe den Test ebenfalls gemacht und es sei echt „nicht der schwerste Test“, so der Moderator. Wallace ergänzte: „Die haben da ein Bild und dazu die Frage ‚Was ist das?‘ – und es ist halt ein Elefant.“

Video: Trump hält Konföderiertenflagge nicht für rassistisch

Der Präsident reagierte gereizt: Wallace habe den Test falsch dargestellt und die letzten Fragen seien wirklich sehr schwer. Der Fox-Moderator antwortete, eine der Aufgaben war, was 100 minus 7 ergebe. „Lassen Sie mich das erklären …“ begann Trump, doch Wallace unterbrach ihn: „93″ – und lachte.

Am Ende des Interviews wurde deutlich: Biden muss nicht einmal vor Ort sein  – der US-Präsident demontiert sich selbst am Besten.

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