Tausende Kinder und Babys im Jemen sind unterernährt.
  • Tausende Kinder und Babys im Jemen sind unterernährt.
  • Foto: Giles Clarke/UNOCHA/dpa

Schreckliche Zustände: „Kind sein im Jemen ist die Hölle“

Sanaa –

Es ist laut UN die schwerste humanitäre Krise weltweit: Im verarmten und vom Bürgerkrieg aufgeriebenen Jemen haben Millionen nichts zu essen. Vor allem Kinder sind von akuter Unterernährung bedroht – sie könnten buchstäblich verhungern. Spendengelder sollen helfen.

Tod durch Verhungern. Es sind schreckliche Zahlen, die das UN-Nothilfebüro (OCHA) gestern bekannt gab: 16 der 29 Millionen Einwohner im  Jemen brauchen Nahrungsmittelhilfe. Schon jetzt sind 50 000 Menschen ganz akut dem Hungertod nahe; weitere 400 000 Kinder unter fünf Jahren sind unterernährt und könnten sterben, wenn sie die dringend benötigte Hilfe nicht bald erreicht. „Kind sein im Jemen ist eine besondere Hölle“, so UN-Generalsekretär António Guterres. „Die humanitäre Lage im Jemen war noch nie schlimmer.“

Jemen: Seit sechs Jahren herrscht Bürgerkrieg

In dem Land auf der Arabischen Halbinsel herrscht seit sechs Jahren Bürgerkrieg. Die Regierung kämpft gemeinsam mit einem Militärbündnis unter der Führung von Saudi-Arabien gegen schiitische Huthi-Rebellen, die vom Iran unterstützt werden. Zehntausende wurden bereits getötet, 3,6 Millionen Menschen vertrieben.

Vor allem 2020 war ein furchtbares Jahr: Neben erneuten  heftigen Kämpfen tobte in Jemen auch die Corona-Pandemie. Hinzu kam: Internationale Spendengelder gingen stark zurück –  mit „brutalen“ Folgen, so Guterres. Nur 1,9 Milliarden Dollar kamen vergangenes Jahr zusammen – benötigt wurden aber fast doppelt so viel. Die Lage sei nie schlechter gewesen, sagte auch der UN-Nothilfekoordinator Mark Lowcock im „Spiegel“. „Die Menschen haben keine Arbeit und kein Geld. Ihre Höfe sind bombardiert, ihre Fischerboote zerstört. Sie verhungern, und auch wir haben kein Geld mehr, um die Menschen zu ernähren.“

UN-Geberkonferenz: Nur 1,7 Milliarden kamen zusammen

Um die Hilfsprogramme der UN weiterlaufen zu lassen und den Menschen zu helfen, werden dieses Jahr 3,15 Milliarden Euro gebraucht. Ein Großteil davon sollte bei der gestrigen UN-Geberkonferenz zusammenkommen. Das Ergebnis allerdings blieb auch diesmal mehr als enttäuschend: Nur 1,7 Milliarden Dollar kamen zusammen.

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Derweil macht zumindest die neue US-Außenpolitik Hoffnung: Präsident Joe Biden hat die bisherige US-Unterstützung Saudi-Arabiens für offensive Operationen und Waffenlieferungen gestoppt und die Huthis wieder von der US-Terrorliste gestrichen, um den Import von Hilfsgütern zu erleichtern. Trotzdem entbrannten im Februar erneut schwere Kämpfe mit zahlreichen Toten in der ölreichen Region Marib im Norden des Landes. Die UN befürchten  eine neue Massenflucht von Zivilisten aus der Region. (ncd/dpa)

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