• Russlands Präsident Wladimir Putin
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Schlimmer Verdacht: Werden Russlands Ärzte mundtot gemacht?

Russland gehört mit über 300.000 Infizierten nach den USA zu den bislang am stärksten von der Corona-Pandemie betroffenen Ländern – laut Johns-Hopkins-Universität liegt die Todeszahl bislang bei 3099. Die russische Autorin Alissa Ganiewa vermutet jedoch, dass die Zahlen manipuliert sind. Doch das ist nicht der schlimmste Verdacht.

In einem Gastbeitrag im Feuilleton der „FAZ“ begründet sie ihre Vermutung: Allein in Moskau seien im April 2000 Menschen mehr gestorben als sonst. Diese Übersterblichkeit lag damit jedoch weit über der bis dahin offiziellen Zahl der Corona-Toten für das gesamte Land. 

Russische Autorin: Corona-Zahlen und Übersterblichkeitsrate passen nicht zusammen

Diese Übersterblichkeitsrate würde mit den Erzählungen in den sozialen Netzwerken zusammen passen: „In den sozialen Netzwerken erfahre ich ständig von Bekannten, dass ein Verwandter oder Freund an Lungenentzündungen gestorben sei, dass der Tote nicht wie üblich im offenen Sarg aufgebahrt wurde, dass aber auf dem Totenschein Herzinfarkt oder Lungenödem als Todesursache stand.“

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Doch nicht nur die Zahlen sind auffällig. Die Autorin schreibt, dass sich mysteriöse Todesfälle von Medizinern häufen würden, die in den russischen Medien jedoch als Unfälle dargestellt würden. In ihrem Text beschreibt sie gleich mehrere dieser Fälle. In einem habe sich eine Chefärztin einer Veteranenklinik in Krasnojarsk für die Eröffnung einer Corona-Abteilung in der Klinik ausgesprochen – wenig später starb sie nach einem Sturz aus dem Fenster.

Mädchen werden vergewaltigt – und erhalten Ordnungsstrafe

Russlands Gesundheitssystem sei mit der Pandemie überfordert, gäbe das jedoch nicht zu – und die Ärzte würden aus Angst schweigen. Zusätzlich beklagt Ganiewa die gesetzliche Willkür der Corona-Maßnahmen. In vielen russischen Städten gelten strenge Ausgangssperren, Sicherheitskräfte patrouillieren in den Straßen. Auch die Meinungsfreiheit sieht sie in Gefahr. Ein Gesetz, das angeblich vor „Falschinformationen“ schützen soll, sorge dafür, dass man bereits wegen der schlichten Weitergabe von unerwünschten Informationen mit bis zu drei Jahren Haft rechnen müsse.

Die furchtbare Absurdität in der Umsetzung der auferlegten Maßnahmen machte sie insbesondere an einem Fall deutlich. Im sibirischen Krasnojarsk seien zwei Mädchen im Alter von 17 und 18 auf der Straße ausgeraubt und vergewaltigt worden. Die Reaktion: Beide Opfer hätten daraufhin Ordnungsstrafen erhalten – wegen Nichteinhaltens der Ausgangssperre! (vd)

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