Frankfurt/Main: Der Vater des getöteten Ferhat Ungar hält ein Porträt seines Sohnes während einer Demonstration zum Gedenken an den Anschlag von Hanau.
  • Frankfurt/Main: Der Vater des getöteten Ferhat Ungar hält ein Porträt seines Sohnes während einer Demonstration zum Gedenken an den Anschlag von Hanau.
  • Foto: Andreas Arnold/dpa

Protestmarsch und AfD-Attacke: Deutschland gedenkt der Opfer von Hanau

Hanau –

Am Jahrestag des Anschlags von Hanau mit neun Toten will Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am heutigen Freitag in der Stadt den Angehörigen sein Mitgefühl aussprechen und ein Zeichen gegen Rassismus und Rechtsextremismus setzen. Zusammen mit Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU), dem Hanauer Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) sowie Überlebenden und Hinterbliebenen nimmt Steinmeier an einer Gedenkveranstaltung in Hanau teil.

Bereits am Donnerstagabend hatten knapp 3000 Menschen mit einer Demonstration durch die Frankfurter Innenstadt an die Opfer des Anschlags erinnert. In Sprechchören riefen Demonstranten immer wieder „Hanau war kein Einzelfall“.

Attentäter erschoss neun Menschen

Der 43-jährige Deutsche Tobias R. hatte am Abend des 19. Februar 2020 neun Menschen mit ausländischen Wurzeln an mehreren Orten in der Stadt im Rhein-Main-Gebiet erschossen, bevor er mutmaßlich seine Mutter und schließlich sich selbst tötete.

Zuvor hatte er Pamphlete und Videos mit Verschwörungstheorien und rassistischen Ansichten im Internet veröffentlicht.

Persönliche Videoansprachen der Opferfamilien

Bei der Gedenkveranstaltung sind neben einem kurzen Film, der sich den Ereignissen des 19. Februar 2020 widmet, auch persönliche Videoansprachen der Opferfamilien geplant. Symbolisch und in Erinnerung an jedes der neun Opfer werde eine frei stehende und beleuchtete Namenssäule auf der Bühne stehen, wie Kaminsky und Bouffier angekündigt hatten.

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Dieses Graffito in Frankfurt/Main erinnert an die Opfer von Hanau.

Foto:

picture alliance/dpa

Zum Ende der Gedenkfeier sollen um 19.02 Uhr alle Kirchenglocken in der Stadt und im Hanauer Umland läuten. Auch zahlreiche weitere Aktionen und Demonstrationen sind geplant, darunter eine Kranzniederlegung und ein „Antifaschistischer Stadtrundgang“ des Deutschen Gewerkschaftsbundes Südosthessen, mehrere Mahnwachen und Friedensgebete in Hanauer Kirchen.

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Für die beiden Amtssitze des Bundespräsidenten – Schloss Bellevue in Berlin und die Villa Hammerschmidt in Bonn – wurde für diesen Freitag Trauerbeflaggung angeordnet. Im Gedenken an die bei dem Anschlag Verstorbenen sollen die Flaggen auf halbmast gesetzt werden. Nach Angaben des Bundespräsidialamts hat Steinmeier zudem an die Familien der Opfer Anfang dieser Woche persönliche Briefe geschrieben. Auch Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) hat für alle öffentlichen Gebäude und Dienststellen des Landes für den Freitag eine landesweite Trauerbeflaggung angeordnet.

Maas attackiert AfD: „geistige Brandstifterin“

Außenminister Heiko Maas rief indes zu einem verstärkten Kampf gegen Rechtsextremismus und Rassismus auf und griff die AfD scharf an. „Lassen wir die rassistische Hetze nicht unwidersprochen in der Öffentlichkeit und in unseren Parlamenten“, sagte der SPD-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. „Die AfD als eine geistige Brandstifterin ist längst ein Fall für den Verfassungsschutz, und gleichzeitig müssen wir alles tun, um Rechtspopulisten politisch zu bekämpfen.“

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Niemand könne sagen, man habe Hanau nicht kommen sehen, sagte Maas. Seit Jahren würden die Zahlen des Verfassungsschutzes für sich sprechen. Über 33.000 Rechtsextreme lebten in Deutschland, 13.000 davon seien gewaltbereit, Tendenz steigend. „Warum schrillen bei uns nicht alle Alarmglocken?“ (wb/dpa)

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