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Proteste weltweit: Warum nicht nur die USA ein Rassismus-Problem haben

Washington / Paris / London –

Der gewaltsame Tod des Afroamerikaners George Floyd hat weltweit für Entsetzen gesorgt. In den USA, aber auch in anderen Ländern wie Frankreich oder Großbritannien kam es zu Protesten – Tausende gingen auf die Straße. Rassismus und Polizeigewalt sind dort nicht erst seid Floyds Tod ein Problem.

USA: Soziale Ungleichheit auf allen Ebenen

Die Vereinigten Staaten haben tiefsitzende Probleme mit Rassismus, Diskriminierung und sozialer Ungerechtigkeit. Afroamerikaner sind dort nach wie benachteiligt: wirtschaftlich, gesundheitlich und sozial – aber auch und gerade mit Blick auf Polizei und Justiz. Junge Schwarze werden häufiger von der Polizei grundlos gestoppt. Sie haben auch ein deutlich höheres Risiko, im Gefängnis zu landen – selbst wegen kleinerer Delikte: Rund 38 Prozent aller Insassen in den USA sind schwarz, während ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung nur etwa 13 Prozent ausmacht.Floyds gewaltsamer Tod bei einem Polizeieinsatz ist kein Einzelfall, sondern reiht sich ein in eine jahrzehntelange Serie düsterer Ereignisse.

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Die Corona-Pandemie wirft ein zusätzliches Schlaglicht auf die grundlegende Benachteiligung von Schwarzen: Sie betrifft die afroamerikanische Bevölkerung in den USA überproportional – sowohl bei der Zahl der Infektionen als auch bei den Todesfällen. Gründe dafür sind unter anderem Lebens- und Arbeitsbedingungen, Vorerkrankungen und der Zugang zur Gesundheitsversorgung. Auch die coronabedingte Wirtschaftskrise trifft sie besonders hart: Unter Schwarzen ist die Arbeitslosigkeit in die Höhe geschnellt.

Frankreich: Brennpunkt Banlieues

Frankreichs vernachlässigte Vorstädte, die Banlieues, sind ein Symbol für all das, was bei der Migration im Land falsch gelaufen ist. Immer wieder kommt es dort zu Unruhen und Aufständen – Arbeitslosigkeit und Gewalt prägen den Alltag. In den tristen Hochhaustürmen am Rande von Paris oder Marseille wohnen zahlreiche Einwanderer. Viele von ihnen kamen in 1950er und 60er Jahren aus den Ex-Kolonien in Nordafrika nach Frankreich.

2005 kam es in den Banlieues zu den bisher heftigsten Unruhen: Es gab Straßenschlachten, der Ausnahmezustand wurde ausgerufen. Auslöser war der Unfalltod zweier Jugendlicher mit Migrationshintergrund – sie kamen auf der Flucht vor der Polizei in einem Pariser Vorort ums Leben.

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Die Menschen in den Banlieues werfen den Ordnungskräften Gewalt und Willkür vor. So auch im Fall Adama Traoré. Der Sohn von Einwanderern aus Mali starb 2016 in Polizeigewahrsam. Ein aktuelles Gutachten entlastet die Polizisten – und führt eine Herz-Vorerkrankung an. Ein Gutachten im Auftrag von Traorés Familie geht jedoch davon aus, dass Traoré erstickt ist – aufgrund äußerer Gewalteinwirkung. Die Gutachten im Fall Traoré und die Proteste in den USA heizen die Stimmung nun wieder an.

Großbritannien: Schwarze misstrauen Polizei

Auch auf der Insel ist das Misstrauen gegenüber der Polizei unter vielen Menschen mit dunkler Hautfarbe groß. 2011 kam es zunächst in London und später im ganzen Land zu schweren Ausschreitungen, nachdem die Polizei während eines Einsatzes einen 29 Jahre alten Mann erschossen hatte. Eine Untersuchung ergab später, dass die Beamten rechtmäßig gehandelt hatten. Doch Statistiken von Scotland Yard aus dem Jahr 2018 zufolge waren Schwarze in London überproportional häufig von gewaltsamen Zugriffen der Polizei betroffen.

Ein Demonstrant, der in London an dem „Black Lives Matter“-Protest zum Gedenken an George Floyd teilgenommen hat, wird von Polizeibeamten festgenommen.

Ein Demonstrant, der in London an dem „Black Lives Matter“-Protest zum Gedenken an George Floyd teilgenommen hat, wird von Polizeibeamten festgenommen.

Foto:

dpa

Seit dem Tod von George Floyd gab es mehrere Proteste mit Tausenden Teilnehmern in London und anderen Städten wie Manchester und Cardiff. An einem Protestmarsch vergangene Woche beteiligte sich auch der aus den jüngeren Star-Wars-Filmen bekannte Schauspieler John Boyega. Jede schwarze Person erinnere sich an den Moment, als sie zum ersten Mal darauf aufmerksam gemacht wurde, dass sie schwarz ist, rief der 28-jährige Brite mit nigerianischen Wurzeln der Menge in London zu. „Ich will, dass Ihr versteht, wie schmerzhaft es ist, jeden Tag daran erinnert zu werden, dass Deine Rasse nichts wert ist“, so Boyega. (MIK/DPA)

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