Die US-Kanadierin und 90er-Ikone Alanis Morissette.
  • Die US-Kanadierin und 90er-Ikone Alanis Morissette.
  • Foto: picture alliance/dpa/Rolf Vennenbernd

Alanis Morissette: Mit 15 von mehreren Männern vergewaltigt?

Es ist eine schockierende Geschichte, die 90er-Rock-Ikone Alanis Morissette in einem neuen Dokumentarfilm offenbart: Die heute 47-Jährige erzählt, dass sie als 15-Jährige von mehreren Männern vergewaltigt wurde. Danach habe es jahrelang gedauert, bis sie sich überhaupt als „Opfer“ gesehen habe. Aber: Von der Doku hat sie sich nun überraschend distanziert.

In dem Dokumentarfilm „Jagged“, der am Dienstag auf dem Toronto Film Festival Premiere feierte, geht es um den Karrieresprung von Morissette in den 90ern, als ihr Album „Jagged Little Pill“ veröffentlicht wurde, aber auch die hohen Anforderungen der Musikindustrie, sowie ihre damit zusammenhängenden Essstörungen ein. Wie die „Washington Post“ vorab berichtete, offenbart die Musikern in dem Film das traumatische Ereignis der Vergewaltigung, nach dem sie jahrelange Therapie gebraucht habe, „um überhaupt zuzugeben, dass ich irgendwie ein Opfer war.“

Alanis Morissette: Vergewaltigung stößt auf taube Ohren

Im Alter von 15 Jahren sei sie von mehreren Männern vergewaltigt worden, namentlich nennt sie keinen der Täter. „Ich habe es ein paar Leuten erzählt und es stieß auf taube Ohren“, sagt Morissette laut Medienbericht. So habe sie sich immer wieder eingeredet, dass sie einverstanden gewesen sei. Doch dann habe sie sich daran erinnert: „Hey, du warst 15, mit 15 kann man nicht einverstanden sein.“ Heute sagt die 47-Jährige: „Das sind alles Pädophile. Das ist alles dem Gesetz nach Vergewaltigung.“ Ob ihren Vorwürfen juristisch nachgegangen wurde, erzählt die Musikerin nicht.

Alanis Morissette: „Film enthält unwahre Andeutungen und Fakten“

Die Doku „Jagged“ scheint jedoch trotzdem nicht ganz in ihrem Sinne zu sein. So erklärte sie kurz vor der Aufführung des Films mit einer schriftlichen Erklärung: „Dies ist nicht die Geschichte, deren Erzählung ich zugestimmt habe“. Und weiter: siE habe sich dafür entschieden, an keiner Veranstaltung für „Jagged“ teilzunehmen, auch „weil dieser Film, ähnlich wie viele andere „Geschichten“ und nicht autorisierte Biografien, die im Laufe der Jahre erschienen sind, Andeutungen und Fakten enthält, die einfach nicht wahr sind“.

Ihre Geschichte sei „viel zu nuanciert“ dafür, dass eine andere Person sie schildern könne, so Morissette. Das Filmteam habe Fakten eingebracht, „die nicht wahr sind“. Zudem habe man ihr in Interviews ein „falsches Gefühl der Sicherheit“ vermittelt.

Morissette zu „Jagged“: „Unsere Visionen gehen schmerzlich auseinander“

„Ich habe zugestimmt, an einem Beitrag über die Feier des 25-jährigen Jubiläums von [dem Album] „Jagged Little Pill“ teilzunehmen, und wurde in einer sehr verletzlichen Zeit interviewt (während ich mitten in meiner dritten postpartalen Depression steckte)“, schreibt Morissette. Als sie den ersten Schnitt des Films sah, sei ihr klar geworden, „dass unsere Visionen tatsächlich schmerzlich voneinander abweichen“. Ob es sich konkret um die mutmaßliche, angedeutete Vergewaltigung handelt, lässt sie offen.

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Bereits im vergangenen Jahre sagte Morissette, die mit dem Rapper Mario Treadway verheiratet ist und drei Kinder hat, der „Los Angeles Times“: „Ich habe diese Erfahrung in meiner Vergangenheit gemacht und habe keine Angst, darüber zu sprechen. Ich hoffe, dass dies dazu beiträgt, das Stigma zu beseitigen, die Wahrheit zu sagen“. Wenige Monate später sagte sie der „Sunday Times“: „Fast jede Frau in der Musikindustrie wurde angegriffen, belästigt, vergewaltigt. Es ist allgegenwärtig – sogar mehr in der Musik als im Film.“ (alp)

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