Moderator Markus Lanz freut sich nach der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises 2021 im Tanzbrunnen über die Auszeichnung in der Kategorie „Beste Information“.
  • Moderator Markus Lanz freut sich nach der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises 2021 im Tanzbrunnen über die Auszeichnung in der Kategorie „Beste Information“.
  • Foto: picture alliance/dpa | Marcel Kusch

Neuer Talkshow-König Markus Lanz: In einem Job flog er raus

„Ich weiß, dass in den Südtiroler Bergen jetzt eine ältere Dame sitzt mit 87, die es nicht leicht hatte im Leben und der ich sehr, sehr viel verdanke. Mama: Das ist für dich“, sagt Markus Lanz (52) in seiner Dankesrede, als er den Deutschen Fernsehpreis entgegennimmt. Seine nach ihm benannte ZDF-Talkshow hat am Donnerstagabend in der Kategorie „Beste Information“ gewonnen. Doch bis dahin war es ein holpriger Weg.

Alles auf Anfang: Am 16. März 1969 wird Markus Lanz in Bruneck in Südtirol geboren. 1988 absolviert er das Abitur und macht erste Medienerfahrungen bei „Radio Holiday“. Es verschlägt ihn nach Deutschland. An der Bayerischen Akademie der Werbung in München macht Lanz eine Ausbildung zum Kommunikationswirt. Danach zieht es ihn in den Norden.

Markus Lanz: Rausschmiss bei „Radio Hamburg“

Nach einer Station in München beginnt er ein Volontariat bei „Radio Hamburg“ – eine Journalistenausbildung. Dort wird er jedoch rausgeschmissen. Der Grund: Lanz hält sich nicht an Regeln. Gemeinsam mit Marzel Becker und Stephan Heller veröffentlicht er unter dem Namen „Le camembert radioactif“ die Single „F…! Chirac“, ein Protestbeitrag gegen Kernwaffentests. Das Stück wurde ohne Genehmigung im Programm von „Radio Hamburg“ gespielt. Der Sender entlässt den damals 24-Jährigen.

Markus Lanz bei RTL
Bei RTL Nord machte Markus Lanz erste TV-Erfahrungen.

Der Rauswurf hat seiner Karriere jedoch nicht im Weg gestanden. Noch im selben Jahr wird Lanz bei „Guten Morgen RTL“ eingestellt. So wird er zu einem populären Fernsehgesicht. Es folgen Sendungen wie „Explosiv – Das Magazin“, „Lanz kocht!“ und „Wetten, dass…?“, wo er als Nachfolger von Thomas Gottschalk krachend scheitert und jeden Montag nach der Sendung hämische Schlagzeilen über sich lesen muss („Markus Lanz vergrault Hollywood-Stars“, „Der Sinkflug des Überfliegers”). Er sei zu eitel, nicht an seinen Gästen interessiert seine Witze zu öde, hieß es damals.

Die Talkshow, die seinen Namen trägt und in einem Studio in Bahrenfeld produziert wird, gibt es seit 2008. Auch hier hagelt es jede Menge Kritik. Eitel sei er, und man wirft ihm ​​​​​​​vor, dass er zu viel redet und seinen Interviewpartnern zu oft ins Wort fällt. Nach einem Gespräch in seiner Talkshow „Markus Lanz“ mit der Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht im Jahr 2014, in dem er sie oft nicht ausreden lässt, wird sogar eine Petition ins Leben gerufen, die seinen Rausschmiss fordert. Sie scheitert.

Markus Lanz und Katzenmütze
Markus Lanz macht Sackhüpfen und Hollywood-Star Tom Hanks trägt eine Katzenmütze. Nach der „Wetten, dass …?“-Sendung im November 2012 gab es kübelweise Häme für den Moderator.

Die jüngste Kritik kommt von Jan Böhmermann. Bei einer Veranstaltung der „Zeit“ am 4. September in Hamburg gerät er mit Lanz aneinander. Der Satiriker wirft ihm vor, Personen eine Bühne zu geben, deren Meinungen „durchtränkt von Menschenfeindlichkeit“ seien. Konkret geht es dabei um die mehrfache Einladung der Virologen Alexander Kekulé und Hendrik Streeck. „Wo man fachlich wirklich sagt, das ist keine gute Idee“, so Böhmermann. 



Mittlerweile hat sich einiges geändert. Seit Beginn der Corona-Pandemie hat er enorm an Beliebtheit zugelegt. Im vorigen Jahr hatte die Sendung plötzlich 20 Prozent mehr Zuschauer. Knapp zwei Millionen Menschen gucken zu, wenn er drei Mal die Woche Politiker, Prominente und Wissenschaftler gefragt. Und das in einer Weise, die ihm den Spitznamen „Deutschlands schönste Grillzange“ (O-Ton Micky Beisenherz) eingebracht hat.

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Am Donnerstag hat er nun mit seiner Sendung gegen die klassischen Polit-Magazine „Frontal“ (ZDF) und „Panorama“ (ARD) gewonnen und den Deutschen Fernsehpreis eingeheimst. Und eine alte Dame in den Südtiroler Bergen ist sehr, sehr stolz.

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