• Die Sprecherin der Grünen, Sarah-Lee Heinrich, wurde bei Lanz von Heidenreich attackiert.
  • Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Bodo Schackow

Autorin Heidenreich attackiert junge Grünen-Politikerin: „Sie kann nicht sprechen“

Autorin Elke Heidenreich hat sich in der ZDF-Talkrunde von Markus Lanz mit einer Wutrede an der Sprecherin der Grünen, Sarah-Lee Heinrich, abgearbeitet. Auf Twitter werden Heidenreich danach Rassismus und Sexismus vorgeworfen. Was ist passiert?

„Sie hat überhaupt keine Sprache, sie kann nicht sprechen“, wettert Heidenreich am Dienstagabend mit Blick auf einen Video-Ausschnitt, der die junge Sprecherin der Grünen, Sarah-Lee Heinrich, zeigt. Heinrich weist in dem Beitrag auf „weiße Bürgis“ auf „Fridays for Future“-Demos hin und erklärt, dass wir in einer „eklig weißen Mehrheitsgesellschaft“ leben – denn es würde einen Unterschied machen, wenn Greta Thunberg und ihre Anhänger People of Colour wären. Heinrichs These: Wäre das Idol der Klima-Bewegung schwarz, hätten sich nicht so viele Deutsche mit ihr identifizieren können.

Heidenreich attackiert Sarah-Lee Heinrich bei Lanz

Auf den Kontext geht Heidenreich jedoch nicht ein, sie ärgert sich offenbar zu sehr über die Sprache der 20-Jährigen und schiebt hinterher: „Das sind diese Kinder, die nicht lesen“. Immer wieder erklärt die Autorin Heinrich zum Kind, nennt sie Mädchen. Grünen-Politiker Jürgen Trittin zeigt sich hingegen verständnisvoll für die Formulierung „eklig weiße Mehrheitsgesellschaft“: Wer als People of Colour in Deutschland aufwächst und Rassismus-Erfahrung hat, dem platze „halt mal der Kragen“, so der Politiker. Wem dauernd signalisiert werde, er gehöre nicht dazu, wählt irgendwann direktere Worte.

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Heidenreich lässt Trittin links liegen und erklärt: „Wenn einer aussieht wie sie, frag‘ ich natürlich: ‚Wo kommst du her?‘“. Denn man sehe ja, dass sie nicht aus Wuppertal oder einer anderen deutschen Stadt käme. Die Autorin findet, das sei keine diskriminierende Frage. Wenn sie auf einen schwarzen Taxifahrer treffe, der perfekt Kölsch spreche, würde sie natürlich fragen, woher er kommt. Sie sehe darin kein Problem und ergänzt: „Ich finde es wunderbar, dass wir so viele Menschen aus anderen Ländern hier haben, die bei uns leben und sich wie Sarah engagieren“, sagt Heidenreich – doch sowohl der Taxifahrer ihres Beispiels als auch Sarah-Lee Heinrich sind Deutsche. Die vermutlich positiv gemeinte Aussage wird so zum weiteren Fettnäpfchen, da sie ein „wir“ und „die Anderen“ beinhaltet.

Der Chefredakteur des „Falter“ aus Österreich, Florian Klenk, nimmt Heinrich in der Talkshow in Schutz und bemüht sich um einen ausgewogenen Blick, der den Kontext in Betracht zieht – ebenso Trittin. Doch Lanz und Heidenreich lassen sich nicht darauf ein. So unterstützt Lanz die Aussagen Heidenreichs oder lässt sie unkommentiert. Bei den beschwichtigenden Ausführungen von Klenk platzt Lanz immer wieder dazwischen.

Auf Twitter trendet seither der Hashtag Heidenreich. Viele User reagieren empört und ablehnend auf die Äußerungen der Autorin. So schreibt ein Nutzer: „Alte weiße Frauen sind irgendwie auch nicht besser, als alte weiße Männer“. Ein anderer twittert: „Lanz und Heidenreich wollen offenbar beweisen, wie ‚eklig‘ die ‚weiße deutsche Mehrheitsgesellschaft‘ sein kann“. Auch viele Politiker, Journalisten und Autoren äußern sich, unter ihnen auch Karla Paul. Sie schreibt: „Es ist beschämend, wie Elke Heidenreich hier bei Lanz urteilt. Es ist sexistisch und rassistisch und zeugt von Ignoranz und mangelnder Ahnung von moderner Kommunikation, zudem ist es emphatie- und respektlos. Frau Heidenreich – so viel gelesen und so wenig verstanden.“

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