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  • Die Spritpreise sind bereits hoch. In den kommenden Wochen dürften sie durch den Konflikt in der Ukraine noch weiter steigen.
  • Foto: picture alliance/dpa/Frank Molter

Habeck sicher: Krieg wird die Energiepreise treiben

„Herzlich willkommen in einer neuen Welt, wo Europäer bald schon 2000 Euro pro Kubikmeter Gas zahlen werden!“, schrieb der Putin-Vertraute und Ex-Präsident Dmitry Medwedew nach dem Stopp von Nord Stream 2 (auf Deutsch und Englisch) auf Twitter. Das war natürlich eher der Abteilung Propaganda zuzurechnen. Doch tatsächlich könnte das Leben insgesamt durch den Konflikt noch teurer werden. Die Politik steuert bereits gegen.

„Frieden und Freiheit in Europa haben kein Preisschild“, sagte Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) am Mittwoch. Man sei bereit, im Fall einer weiteren Kriegseskalation selbst größere wirtschaftliche Schäden hinzunehmen.

Zusatzbelastungen von bis zu 1000 Euro?

Es ist Baerbocks Parteikollege Robert Habeck, bei dem die Schadensberichte im Zweifel auf dem Schreibtisch landen. Der Wirtschaftsminister hat vor allem die steigenden Preise für Gas und Öl im Fokus: „Wir müssen mit turbulenten Tagen rechnen“, warnte er nun. Im schlimmsten Fall drohten auch der gesamten Wirtschaft „ökonomische Auswirkungen wie durch die Corona-Pandemie“.

Alleine die Verbraucherpreise beim Erdgas sind zuletzt um rund ein Viertel gestiegen. Manche Verbraucher zahlen deshalb hunderte Euro mehr im Jahr an ihre Versorger. Die Großhandelspreise haben sich teilweise versechsfacht. Habeck hält sogar Zusatzbelastungen von etwa 1000 Euro pro Haushalt und Jahr für möglich.


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Nach Ansicht des Grünen-Politikers käme Deutschland in diesem Winter aber sogar über die Runden, wenn Russland den Gashahn komplett zudrehen würde. Und im Kalten müssten die Bundesbürger wohl auch nicht sitzen: Ein totaler Lieferstopp – den Russland selbst momentan gar nicht androht – wäre ein Problem, sagt Kerstin Andreae, Chefin des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft.

Aber: „In jeden Fall sind Haushaltskunden und verschiedene Einrichtungen durch gesetzliche Bestimmungen besonders geschützt.“ Heißt: Privat-Haushalte werden bei Knappheit bevorzugt.

Brent-Öl ist so teuer, wie seit Jahren nicht mehr

Aber auch die Spritpreise bereiten vielen Menschen Kopfzerbrechen. Schon jetzt liegen sie auf rekord-verdächtigem Niveau und es dürfte vorerst noch weiter bergauf gehen. Denn höhere Ölpreise machen sich an der Zapfsäule erst mit Verzögerung bemerkbar. Beispielsweise das Brent-Öl aus der Nordsee verteuerte sich nach der Rede Wladimir Putins am Montagabend zeitweilig um 3,8 Prozent auf 99,00 Dollar pro Barrel. Der höchste Wert seit 2014.

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Habeck hat angekündigt, die Ampel-Regierung werde bei den Verteuerungen „sozialpolitisch dagegen halten“. Er verwies auf die geplante vorgezogene Abschaffung der EEG-Umlage für Erneuerbare Energien beim Strom. Außerdem seien auch „steuerpolitische Maßnahmen“ denkbar, sagte Habeck. Ob damit auch eine Erhöhung der Pendlerpauschale gemeint sein könnte, blieb zunächst offen. Die Ampel beriet auch am Mittwoch über ihr „Entlastungspaket“ gegen die hohen Energiepreise.

Weizen kommt aus Russland und der Ukraine

Auch bei Nudeln und Brot könnten die Preise in Europa bald klettern. Grund: Der wichtige Rohstoff Weizen wird immer teurer. Und Erzeuger geben Steigerungen meistens teilweise oder vollständig an die Verbraucher weiter. Bereits in der Woche vor Putins Rede stieg der Preis für Weizen an den Börsen um knapp zwei Prozent auf 273,75 Euro pro Tonne. Die Erklärung ist relativ einfach: Die Ukraine und Russland stellen zusammen mehr als ein Viertel des weltweiten Exportangebots für das Getreide.

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