Winterlich verschneit: Davos, Veranstaltungsort des Weltwirtschaftsforums.
Winterlich verschneit: Davos, Veranstaltungsort des Weltwirtschaftsforums.
  • Winterlich verschneit: Davos, Veranstaltungsort des Weltwirtschaftsforums.
  • Foto: picture alliance/dpa/KEYSTONE | Laurent Gillieron

Weltwirtschaftsforum in Davos startet – doch bringen könnte es kaum etwas

Zum ersten Mal nach der Pandemie treffen sich die Mächtigen der Welt wieder im Schweizer Nobelort Davos, um beim Weltwirtschaftsforum (WEF) Lösungen für die großen globalen Probleme zu finden. Trotz idyllischer Winteratmosphäre könnte dies dieses Mal jedoch angesichts der zahlreichen Krisen besonders schwer werden dürfte, warnte WEF-Gründer Klaus Schwab.

Er ist viel beschworen, der „Geist von Davos“. Gemeint sind die besondere, kooperative Stimmung und die ungewöhnlichen Gespräche, die in dem kleinen Ski-Ort in den Schweizer Alpen zustande kommen sollen, wenn sich dort einmal im Jahr Politiker:innen und Wirtschafts-Chefs aus der ganzen Welt treffen und beratschlagen, wie die Zukunft aussehen soll. Schon beim pandemiebedingten, verschobenen Treffen im vergangenen Mai fehlte von dem Geist jede Spur. Doch auch mit den idyllischen Bergen und Schneegestöber im Hintergrund könnte es dieses Mal schwer werden, wirklich Lösungen zu finden – zu groß die Krisen, die die Welt derzeit schütteln und auseinanderfallen zu drohen lassen.

WEF-Gründer Klaus Schwab sagte bereits: „Wir stecken in einer Krisenmentalität fest“. Viele Entscheidungsträger, seien von der Komplexität überwältigt. Seit einiger Zeit sprechen Expert:innen und Politiker:innen bereits von „multiplen Krisen“ oder einer „Poly-Krise“. Corona-Nachwehen, der Ukraine-Krieg und die damit verbundene weltweite Energiekrise und Inflation. Dazu „das Gespenst eines Nuklearkriegs“, wie das WEF in seinem Global Risk Report schrieb.

Scholz und Habeck reisen nach zu Weltwirtschaftsforum nach Davos

Ob in Davos wirklich – wie bereits in der Vergangenheit – Gräben geschlossen werden und Kooperation entstehen wird, ist mehr als fraglich – vor allem auch, weil die Russen erneut nicht eingeladen sind. Aber mit Putin nun einmal am ehesten gesprochen werden müsste. Aus der Ukraine wird First Lady Olena Selenska auf dem WEF sprechen, auf Bildern war zu sehen, wie sie am Montag aus einer Regierungsmaschine auf dem Züricher Flughafen stieg. Dass ihr Mann auch noch anreist, gilt als unwahrscheinlich.

Aus Deutschland haben sich Olaf Scholz und Robert Habeck neben CEOs wie BASF-Chef Martin Brudermüller oder Bayer-Vorstandschef Werner Baumann angekündigt. Aber: Viele große Namen fehlen. Der US-Präsident sagte ab, Chinas Regierungschef Xi Jinping schickt einen Vize – und Twitter-Boss Elon Musk ergänzte seine Absage wenig galant mit: Davos sei „boring as fuck“, also absolut langweilig.

Dass die in Davos getroffenen Beschlüsse vor allem den Reichen zugute kommen würden, war bisher immer wieder die Hauptkritik. In diesem Kontext warnte auch Oxfam kurz vor dem Treffen mit Nachdruck vor steigender Ungleichheit in der Welt. Erstmals seit 25 Jahren hätten extremer Reichtum und extreme Armut zuletzt gleichzeitig zugenommen. Durch den deutlichen Anstieg der Lebensmittel- und Energiepreise im vergangenen Jahr seien Milliardäre noch reicher geworden. „Während Millionen Menschen nicht wissen, wie sie Lebensmittel und Energie bezahlen sollen, bringen die Krisen unserer Zeit gigantische Vermögenszuwächse für Milliardär:innen“, so Oxfam-Referent Manuel Schmitt.

Greenpeace kritisierte Privatjets in Davos

Ihren Unmut über das seit 1971 stattfindende Wirtschaftstreffen zeigten ein Dutzend Aktivist:innen zudem, in dem sie am Montag die Zufahrt des Flughafens blockierten, um die dort landenden Teilnehmer:innen des WEF daran zu hindern, nach Davos zu gelangen – viele von ihnen reisten in Privatjets an.

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Auch Greenpeace hatte bereits vorher ein Verbot von klimaschädlichen Flügen mit Privatjets gefordert. „Die Reichen und Mächtigen strömten nach Davos, um über Klima und Ungleichheit zu diskutieren. Dabei benutzen sie das weltweit umweltschädlichste Verkehrsmittel: den Privatjet“, kritisierte Klara Maria Schenk von Greenpeace. Ein Großteil der Flüge sei zudem sehr kurz gewesen, mehr als die Hälfte unter 750 Kilometer. (alp)

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