Turbinen-Streit
  • Beim Besuch von Justin Trudeau (l.) in Kiew im Mai war die Stimmung noch gut zwischen ihm und Wolodymyr Selenskyj.
  • Foto: Imago / Zuma Wire

Warum Kanada und die Ukraine jetzt wegen einer Siemens-Turbine Streit haben

Als Russland im Juni die Gas-Lieferungen über die Pipeline Nord Stream 1 massiv drosselte, wurde dies mit einer Siemens-Turbine begründet, die sich noch in Montréal (Kanada) zur Wartung befand. Eigentlich dürfte Kanada wegen der beschlossenen Sanktionen gegen Russland die auch vorerst nicht liefern. Machen sie nun aber doch, über den Umweg Deutschland. Einige sprechen von einem schmutzigen Deal. Kiew ist stinksauer auf die kanadische Regierung.

„Zutiefst enttäuscht“ sei man von Kanada, hieß es beim ukrainischen Ministerium für Energie und Außenpolitik. Ottawa müsse den Deal sofort rückgängig machen, andernfalls würden die Kanadier sich „den Launen Russlands“ unterwerfen.

Zwischenstations-Deal war Habecks Idee

Die Idee, dass Kanada die gewartete Turbine nicht direkt an Gazprom liefert, sondern zunächst an Deutschland, die kam von Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne). Wochenlang hatte er die Verantwortlichen bearbeitet. Wohlwissend, dass es auch gut sein könnte, dass Russland trotzdem nicht mehr liefern wird.

Habeck selbst hatte nämlich mit am offensten angezweifelt, dass die kaputte Turbine der Grund für die Gas-Drosselung ist. Rein politisch motiviert sei dies, das technische Problem nur vorgeschoben.

Regierung fürchtet, dass Nord Stream 1 dauerhaft dicht bleibt

Habeck hat auch offen die Sorge formuliert, dass die aktuelle Wartung von Nord Stream 1 nach einem ähnlichen Muster verlaufen könnte. Seit Montag fließt – wie jedes Jahr – kein Gas: standardmäßige Überprüfungen und Wartungen. Habecks Sorge: Wenn um den 22. Juli herum die Pipeline wieder angeschmissen werden soll, dann wäre es „auch nicht so superüberraschend, wenn irgendein kleines technisches Detail gefunden wird, und dann sagt man: Jetzt können wir eben nicht mehr anmachen.“

Gas-Turbine
Arbeiter mit Helmen arbeiten an einer Gasturbine im Siemens-Gasturbinenwerk bei der Siemens AG in der Turbinenhalle in Berlin. (Archivbild)

Trotzdem beharrte Habeck auf dem Deal, mit dem die Sanktionen umschifft werden. Die Bundesregierung will offenbar um jeden Preis die Katastrophe verhindern, dass im Winter das Gas knapp wird, die Preise noch mehr explodieren als ohnehin bereits.

Kanada: Russland will Ukraine und Verbündete spalten

Siemens Kanada erklärte indes: „Unser Ziel ist es, die Turbine so schnell wie möglich zu ihrem Einsatzort zu transportieren.“ Und der kanadische Minister für natürliche Ressourcen, Jonathan Wilkinson, erklärte: „Ohne die notwendige Versorgung mit Erdgas wird die deutsche Wirtschaft sehr große Schwierigkeiten haben.“ Und die Deutschen selbst könnten Gefahr laufen, ihre Häuser nicht mehr heizen zu können. Und Russland? Wolle nur „Spaltung säen“ zwischen der Ukraine und ihren westlichen Verbündeten.

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Ob Russland allerdings die Gas-Lieferung wieder voll ankurbelt, wenn die Turbine bei Gazprom ankommt, darf bezweifelt werden. Viele Wirtschafts-Experten glauben aber auch nicht an einen kompletten Stopp. Vielmehr könnte Putin einfach sehr wenig liefern. Gerade so viel, dass die Preise durch die Verknappung weiter in die Höhe schießen. Und er dennoch Kasse macht.​

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