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Spritpreise
  • Ungewohntes Bild: Diesel über 2,20 Euro. Und zudem teurer als Benzin.
  • Foto: imago/Schöning

Warum Diesel plötzlich teurer als Benzin ist

Der Blick auf die Preistafeln an hiesigen Tankstellen überrascht derzeit gleich doppelt: Nicht nur schnellen die Preise insgesamt in ungeahnte Höhen, seit einigen Tagen hat Diesel das Benzin sogar deutlich überholt. Mehr als 2,20 Euro pro Liter Diesel sind keine Seltenheit. Hier ein Blick auf die Gründe des massiven Preisanstiegs.

Besonders erstaunlich ist das Phänomen, schaut man sich die staatlichen Subventionen an. Die gelten für Diesel ja weiterhin, knapp 20 Cent weniger Steuern werden pro Liter bezahlt als für Ottokraftstoffe. Dennoch war Diesel laut ADAC zuletzt rund zehn Cent teurer als Super E10.

An den Zapfsäulen und im Großhandel das gleiche Bild

Beim Großhandel das gleiche Bild: An Ölmarkt-Drehscheiben wie dem Rotterdamer Markt ist Diesel derzeit rund 15 Prozent teurer als Benzin, normalerweise ist es umgekehrt. Dem „Spiegel“ nennt Energie-Experte Lars van Wageningen vom Analysehaus „Insights Global“ eine weitere Besonderheit: „Große Unternehmen wie Shell oder BP verkaufen im Moment kaum Diesel auf dem offenen Markt, sie erfüllen nur ihre vertraglichen Verpflichtungen.“


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Etwa weil sie auf noch höhere Preise spekulieren? Dafür spräche, dass Rohstoff-Riesen wie die niederländisch-schweizerische Vitol-Gruppe derzeit offensiv vor Diesel-Knappheit warnen, zuletzt etwa in der „Financial Times“. Ob sie dies tun, um die Preisspirale anzukurbeln, das kann man natürlich nicht mit Sicherheit sagen. Dennoch läge hier ein wichtiger erster Punkt.

Spritpreise schossen nach Kriegsbeginn in die Höhe

Klar ist: Die Preise schossen – beim Diesel eben noch deutlich steiler als beim Benzin – in die Höhe, nachdem russische Truppen in die Ukraine einmarschierten. Fast ein Drittel der deutschen Importe von bereits raffiniertem Diesel kommt aus Russland: 4,4 Millionen Tonnen von 14,6 Millionen – Punkt Nummer zwei. Noch wird der weiterhin geliefert, aber die Marktpreise richten sich eben auch jetzt schon nach zu erwartenden Liefer-Schwierigkeiten.

Und drittens werden auch die jährlich rund 20 Millionen Tonnen Diesel, die hierzulande raffiniert werden, zu einem großen Teil aus russischem Öl hergestellt. In Schwedt in der Uckermark und in Leuna bei Halle etwa waren es jeweils über 50 Prozent. Beide erhielten ihr Öl durch die Pipeline „Druschba“ (dt.: „Freundschaft“)

Habeck will Übernahme von Raffinerie durch Russen verhindern

Während aber Leuna sich bis Ende 2022 komplett von russischem Öl gelöst haben will, ist dies in Schwedt noch nicht ausgemacht. Die Raffinerie gehört zum größten Teil dem russischen Konzern Rosneft, Aufsichtsratsvorsitzender ist ein alter Bekannter: Altkanzler Gerhard Schröder (SPD). Wenige Tage vor Kriegsausbruch hatte das Bundeskartellamt zugestimmt, dass Rosneft weitere 37,5 Prozent der Unternehmensanteile übernehmen könne. Das Bundeswirtschaftsministerium von Robert Habeck (Grüne) will den Deal nun in letzter Minute noch stoppen, prüft ein mögliches Vorgehen.

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Als letzten Punkt beobachteten Expert:innen „Panikkäufe“ auf dem Heizölmarkt direkt nach Kriegsbeginn. Oliver Klapschus, Chef von heizoel24.de sagte dem „Spiegel“: Der Ansturm von Hauseigentümern habe sich zwar mittlerweile wieder etwas gelegt. Dennoch: Der Berg an Aufträgen müsse erstmal abgearbeitet werden. Und je mehr Raffinerien Heizöl herstellen, desto weniger Diesel erzeugen sie in dieser Zeit. (km)

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