Oliver Kirchner (AfD)
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Wahl in Sachsen-Anhalt: ZDF-Journalist übernimmt AfD-Sicht

Dieses Kurz-Interview nach der Wahl in Sachsen-Anhalt sorgt für Empörung: Im Gespräch mit dem AfD-Spitzenkandidaten Oliver Kirchner übernahm ein öffentlich-rechtlicher Journalist die politische Selbstdefinition der Partei.

Kurz nach der ersten Hochrechnung in Sachsen-Anhalt sprach ZDF-Journalist Andreas Weise, Studioleiter in Sachsen-Anhalt, in einer Liveschalte mit dem AfD-Spitzenkandidaten Oliver Kirchner. Zuvor hatte der erfahren, dass seine Partei bei 22,5 Prozent liegt.

ZDF-Journalist übernimmt Selbstdefinition der AfD

Der ZDF-Journalist fragte, ob Kirchner enttäuscht sei, die Wahl nicht gewonnen zu haben. Dieser antwortete: „Nein, ich bin nicht enttäuscht, ich habe ja schon immer in den Fokus gestellt, dass das Land konservativ wählen soll und auch will. Und das hat es getan. Und ich bin mit diesen 22,5 Prozent zufrieden, weil wir ja, ich sag mal: auch nicht mit positiven Überraschungen rechnen konnten. Wir wurden mit Hetze überkippt, fünf Jahre sind wir zum Teil totgeschwiegen worden.“

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Statt auf den Vorwurf der Hetze einzugehen und zu widersprechen, ließ sich Weise zu Mehrheitsgedankenspielen hinreißen. Er sagt: „Es gibt eine konservative Mehrheit in Sachsen-Anhalt. Aber es würde ja niemand mit Ihnen reden, die CDU hat es ja abgelehnt.“ Der ZDF-Journalist übernahm damit die Terminologie der AfD – die sich selbst immer als Vertreter der Mitte definiert und sich im bürgerlichen Spektrum einordnet.

AfD in Sachsen-Anhalt vom Verfassungsschutz überwacht

Dabei steht die AfD in Sachsen-Anhalt unter der Beobachtung des Verfassungsschutzes und wird als Verdachtsfall wegen Rechtsextremismus geführt. Auf Twitter hagelt es dementsprechend Kritik: „Was soll das?“, fragt ein User. Kirchner habe sich „verbalradikal als ‚Opfer der Medien seit 5 Jahren’“ präsentiert und vom Reporter sei weder Widerspruch noch Nachfrage gekommen. „Gehts noch? Trägt man Narrative von rechts ins Land?!“, heißt es in dem Tweet. 

Darunter schreibt ein anderer User: „Nazis und Faschos sind also eine ‚konservative Mehrheit‘? Interessante Bezeichnung…“ und ein weiterer geht direkt auf den AfD-Politiker ein: „Die Partei wurde 5 Jahre lang totgeschwiegen? Sie war doch überall und ständig in aller Munde, allerdings nicht so wie er es gerne gehört hätte.“ (vd)

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