Wissler mit Kopfschmerzen
  • Bei dem Ergebnis kann man schon mal Kopfschmerzen bekommen: Janine Wissler (Linke)
  • Foto: picture alliance/dpa | Fabian Sommer

Unter 5 Prozent: Darum stürzte die Linke ins Bodenlose

Während die einen Wahlverlierer (Laschet und die Union) noch wacker den Anspruch aufs Kanzleramt formulieren, geht eine andere Verliererin, die Linke, in Sack und Asche. Unter fünf Prozent! „Das ist in jeder Hinsicht beschissen“, befand der Parlamentarische Geschäftsführer Jan Korte. Und Partei-Granden wie Dietmar Bartsch oder Susanne Hennig-Wellsow sagten in diverse Kameras, sie müssten das Ergebnis jetzt „genau analysieren“, um für die Zukunft daraus zu lernen. Und was könnte bei dieser Analyse so herauskommen?

Zunächst einmal: Das Ergebnis ist zwar ein Debakel (4,9 Prozent), die Linke zieht aber dennoch in den Bundestag ein, da sie drei Direktmandate holte. Das berechtigt eine Partei zum Einzug in Höhe der Zweitstimmen, auch wenn die Fünf-Prozent-Hürde nicht genommen wird. Allerdings: 2017 waren’s noch fünf Direktmandate, diesmal nur noch drei (zwei in Berlin, eines in Leipzig). Und die holten Prominente wie Gregor Gysi und Gesine Lötzsch, die für eine erfolgreichere frühere Zeit stehen und irgendwann auch aufhören werden. Die Luft wird dünner.

Arbeiter wählen SPD oder AfD

Zudem auffällig: Die ehemalige Arbeiterpartei (zumindest was den Ostpart angeht) wird nicht mehr von Arbeitern gewählt. Da liegen SPD und AfD vorne. Apropos AfD: Auch den Status der Ostpartei verliert die Linke zusehends an die rechte Konkurrenz, verlor als einzige Partei Stimmen an die AfD, nämlich 90.000.

Und junge Großstädter:innen? Die sich laut dem Wagenknecht-Flügel ja nur noch für das eben angewandte Gendern und für Antirassismus, Klima und dergleichen interessieren? Dort schnitt die Linke zwar deutlich besser ab (acht bis neun Prozent), aber die grünen Flecken auf der bundesdeutschen Karte der Zweitstimmen in den Großstädten zeigen: Ja, die jungen Leute wählen eher grün (oder FDP). Obwohl Spitzenpolitiker:innen der Ökopartei einem im Vertrauen schon mal sagen, dass sie die Linke dort als Konkurrenz fürchten.

Soziale Frage oder „Lifestyle“-Themen?

Mit den eben genannten Punkten wäre auch ein Kern-Konflikt der Linken gut umrissen: Der zwischen den einzelnen Flügeln, der in diesem Wahlkampf, anders als bei der SPD etwa, linkentypisch offen ausgetragen wurde. Klimaschutz-Bewegung oder Ostalgie? Black Lives Matter oder Arbeiterkampf? Diese Fragen muss sich die Linke stellen, will sie nicht in der Bedeutungslosigkeit versinken.


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Allerdings dürfte die Antwort nicht in linksnationalen Tönen der Wagenknecht-Fraktion liegen. Genau so wenig wie in einem Politik-Angebot, das die Sozialpolitik vergisst und nur noch auf „Lifestyle“-Themen setzt. Eher müsste alles in einer großen Erzählung zusammen vermittelt werden, sonst dürften die Chancen eher gering sein in Zukunft.

Lesen Sie auch: Linke frustriert: „Das ist beschissen“

Was die Linke allerdings nochmal retten könnte: Der auf die drei Großen zugespitzte Wahlkampf, bei dem sicher auch viele Scholz oder Baerbock gewählt haben, die sonst Linke wählen, ist vorbei. Und egal, wer sich nun auf eine Koalition einigt, die Linke wäre die Oppositionspartei, die soziale und Gerechtigkeits-Themen einfordern und sich so profilieren könnte. Ob das gelingt, wird sich zeigen.

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