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Bürgermeister Ivan Fedorov
  • Der Bürgermeister der ukrainischen Stadt Melitopol, Ivan Fedorov, wurde entführt.
  • Foto: twitter.com/ua_parliament

Ukrainische Bürgermeister verschleppt: Wer sich nicht ergibt, verschwindet

Wer sich den russischen Truppen nicht widerstandslos unterwirft, muss mit dem Schlimmsten rechnen: Zwei ukrainische Bürgermeister, die sich nicht ergeben wollten, wurden nun vom Militär verschleppt. Ihr Schicksal: unbekannt.

EU-Chefdiplomat Josep Borrell verurteilte das Vorgehen: „Dies ist ein weiterer Angriff auf demokratische Institutionen in der Ukraine und ein Versuch, illegitime alternative Regierungsstrukturen in einem souveränen Land zu errichten“, schrieb der EU-Außenbeauftragte auf Twitter.

Ukraine-Krieg: Zwei Bürgermeister verschleppt

Am Freitag wurde der Bürgermeister von Melitopol entführt: Iwan Fedorow wurde bei einem Besuch des dortigen Krisenzentrums von einer Gruppe von „zehn Besatzern“ verschleppt, als er sich um Versorgungsfragen kümmern wollte. Das teilte das ukrainische Parlament auf Twitter mit.

„Er weigerte sich, mit dem Feind zu kooperieren“, hieß es dort. Die Entführung sei nicht nur ein Verbrechen gegen eine Einzelperson und die Ukraine, sondern ein „Verbrechen gegen die Demokratie als solche“.

Melitopol: Prorussische Statthalter installiert

In Melitopol wurde nach der Verschleppung umgehend eine prorussische Statthalterin installiert, die sich auch sofort zu Wort meldete: „Trotz unserer Anstrengungen gibt es noch immer Leute in der Stadt, die versuchen, die Situation zu destabilisieren und Euch zu extremistischen Handlungen auffordern“, sagte Halyna Daniltschenko in einer Videobotschaft.

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Sie wolle ein „Komitee der Volksdeputierten“ schaffen, das die Stadt mit knapp 150.000 Einwohnern leitet. Obendrein rief sie die Einwohner auf, sich „an die neue Realität“ anzupassen und verlangte, die Menschen sollten nicht mehr gegen die russischen Besatzungstruppen demonstrieren. Proteste von mutigen Ukrainern gab es auch gegen sie: Hunderte demonstrierten für die Freilassung des gewählten Stadtoberhaupts Fedoro. Präsident Selenskyj drohte ihr ganz direkt mit dem Tod, örtliche Medien bezeichneten Daniltschenko in Anlehnung an die SS-Besatzungstruppen im Zweiten Weltkrieg als „Gauleiterin im Rock“.


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Am Sonntag wurde in der Südukraine ein zweiter Bürgermeister verschleppt: Der Chef der Militärverwaltung des Gebiets Saporischschja, Olexander Staruch, teilte bei Facebook mit: „Der Bürgermeister von Dniprorudne, Jewhenij Matwjejew, wurde entführt.“ Das von Russland kontrollierte Dniprorudne ist eine Kleinstadt mit knapp 20.000 Einwohnern. Der Bürgermeister wurde bekannt, weil er sich am 27. Februar unbewaffnet russischen Panzern entgegenstellte – und diese so zum Umdrehen brachte. Jetzt kam wohl die Rache für seine Standhaftigkeit.

In der eroberten südukrainischen Stadt Cherson gibt es offensichtlich Bestrebungen, die russische Besatzung abzusichern. Wie Selenskyj sagte, strebt Russland die Bildung einer „Volksrepublik Cherson“ an – demnach ist ein ähnliches Modell wie in den als unabhängig anerkannten „Volksrepubliken“ Donezk und Luhansk denkbar.

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