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Richard Lutz ist Chef der Deutschen Bahn. Die Vorstände bekommen ab 2024 Boni in Millionen-Höhe ausgezahlt.
  • Richard Lutz ist Chef der Deutschen Bahn. Die Vorstände bekommen ab 2024 Boni in Millionen-Höhe ausgezahlt.
  • Foto: dpa

Züge unpünktlich, Kunden unzufrieden: Bahn-Vorstände bekommen trotzdem Millionen-Boni

Unpünktliche Züge, unzufriedene Kunden: Trotzdem kann die Bahn ihren Vorständen wohl schon bald Bonuszahlungen in Millionenhöhe auszahlen. Wie passt das zusammen und für welche erreichten Ziele werden die Boni überhaupt ausgezahlt?

Dabei handelt es sich um Vergütungen für das Jahr 2022 – insgesamt fast fünf Millionen Euro. Die Zahlungen waren bislang zurückgestellt, da die Bahn – wie andere Unternehmen auch – die Strompreisbremse in Anspruch genommen hatte. Das entsprechende Gesetz verbietet Bonus-Zahlungen an Vorstände, solange die Preisbremse als staatliche Unterstützung genutzt wird.

Deutsche Bahn: Bonus-System wird seit Jahren kritisiert

Nach deren Auslaufen Ende des Jahres können die Boni ab Januar 2024 ausgezahlt werden. Entsprechende Recherchen bestätigten Verkehrs- und Wirtschaftsministerium gegenüber NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung (SZ).

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Am Bonus-System für Vorstände der Bahn gibt es seit Jahren Kritik. Journalisten von NDR/WDR/SZ konnten nun das langjährige Berechnungsmodell für die Boni einsehen und so nachvollziehen, für welche selbst gesteckten Ziele den Bahn-Vorständen welche Boni veranschlagt wurden. Die Unterlagen zeigen, dass bei der Berechnung Bereiche, in denen Ziele verfehlt wurden, mit anderen Bereichen, in denen Ziele übertroffen wurden, offenbar verrechnet werden konnten.

Für welche Ziele erhalten die Vorstände Bonuszahlungen?

So erhalten die Bahn-Vorstände hohe Boni, obwohl die Bahn ihre Ziele für „Pünktlichkeit“ und „Kundenzufriedenheit“ auch in 2022 wieder deutlich verfehlte. Im Bereich „Frauen in Führung und Mitarbeitenden-Zufriedenheit“ hingegen übertraf die Bahn in 2022 nach den Recherchen offenbar ihre eigenen Ziele, das allerdings nur geringfügig.

Der Bonus für diesen Bereich wurde aber offenbar deutlich erhöht – auf einen Wert von 175 Prozent. Die damals neun Konzernvorstände sollen nur dafür rund 1,6 Millionen Euro erhalten. Das geht aus internen Dokumenten hervor, die die drei Medien einsehen konnten. Auch beim Thema CO2-Einsparung hat die Bahn ihr selbstgestecktes Ziel demnach übererfüllt – um zwei Prozentpunkte. Allein dafür soll der Vorstandsvorsitzende der Bahn Richard Lutz nun knapp 440.000 Euro an Bonuszahlungen erhalten. Und auch beim finanziellen Geschäftsergebnis bescheinigt das Unternehmen seinen Vorständen ein besonders erfolgreiches Jahr.

Wer entscheidet über das Bonus-System bei der Bahn?

All diese Bezüge für das Jahr 2022 – insgesamt knapp 5 Millionen Euro – können den Konzernvorständen nach Auslaufen der Strompreisbremse nun zusätzlich zu ihrem Grundgehalt von insgesamt rund vier Millionen Euro ausgezahlt werden.

Über das Bonus-System bei der Bahn entscheidet der Aufsichtsrat, in dem Vertreter der Bundesregierung und der Gewerkschaften sitzen. Es soll im kommenden Jahr umgestellt werden. Bahn-Vorstände haben dann einen höheren Anteil ihres Gehalts als Fix-Gehalt, der Anteil der Boni soll im Gegenzug sinken. Die Bahn erklärte, zu Angelegenheiten des Aufsichtsrats äußere man sich nicht und verwies auf ihre Konzernberichte.

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Das Bundesverkehrsministerium teilte auf Anfrage mit, mit Vergütungsvereinbarungen könne der DB-Aufsichtsrat Ziele des Bundes als Eigentümer der Bahn durchsetzen.

Wie genau sich das neue Vergütungssystem für Bahn-Chefs entwickeln soll und warum die Gehälter tausender Top-Manager bei der Bahn künftig alle drei Jahre ansteigen können, darüber berichten die Tagesschau sowie tagesschau.de und der ARD-Hörfunk am 12. Dezember ab 6 Uhr. (dpa/mp)

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