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Straßenschild mit der Aufschrift Asyl
  • Die Unterstützungsbereitschaft für Geflüchtete in Deutschland hat deutlich abgenommen, so das Ergebnis einer aktuellen Studie.
  • Foto: Patrick Pleul

Flüchtlinge: Jeder Zweite will Grenzen komplett schließen – starker Stimmungswandel

Deutschland und Europa streiten über den Umgang mit Geflüchteten. Eine neue Studie zeigt: Immer weniger Deutsche befürworten die Aufnahme von Flüchtlingen. Die Hälfte ist sogar für die Schließung der Grenzen!

Das geht aus einer aktuellen online Studie des Markt- und Meinungsforschungsinstitut „Ipsos“ hervor. Auch die Stimmen für Grenzschließungen werden lauter. An die Hälfte der Deutschen sind der Meinung, dass Deutschland seine Grenzen vollständig für Geflüchtete schließen solle. Ihnen entgegen stehen 45 Prozent, die gegen eine Grenzschließung sind. Die Zahlen aus dem Vorjahr zeigen einen deutlichen Stimmungsumschwung, denn 2022 stimmte nur ein Drittel der Deutschen für eine Grenzschließung.

Deutsche misstrauen den Fluchtmotiven

Die Umfrageergebnisse zeigen zudem, dass die Mehrheit der Deutschen die Fluchtmotive von Geflüchteten in Frage stellt. Rund 62 Prozent der Befragten vermuten, dass die meisten Geflüchteten, die nach Deutschland kommen, dies aus wirtschaftlichen Gründen, wie beispielsweise Inanspruchnahme von Sozialleistungen, tun. Im Vorjahr war nur die Hälfte der Befragten dieser Meinung.

Doch es gibt nicht nur negative Stimmen. Jeder Vierte Deutsche sei der Meinung, dass Flüchtlinge einen positiven Beitrag für Deutschland leisten.

Umfrage-Ergebnisse aufs Schüren von Ängsten zurückzuführen

Der Leiter der Politik- und Sozialforschung bei „Ipsos“, Robert Grimm, führt die steigende Skepsis der Deutschen gegenüber Flüchtlingen zum Teil auf die Inflation zurück. „Seit drei Jahren hinkt die Entwicklung der Reallöhne der Nettolohnentwicklung hinterher. Vor allem die unteren Einkommensgruppen spüren diesen Wohlstandsverlust. Auch deshalb sinkt die Bereitschaft der Deutschen, Hilfsbedürftige aufzunehmen“, so Grimm. Aber auch „rechtspopulistische Parteien wie die AfD“ seien laut dem Politikforscher durch das Schüren von „Verteilungsängsten“ für die Umfragewerte verantwortlich.

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In der Bevölkerung sinkt außerdem der Optimismus, dass sich die meisten Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, erfolgreich in die neue Gesellschaft integrieren werden. War im Vorjahr noch jeder Zweite (49 Prozent) dieser Meinung, sind es in der aktuellen Umfrage nur noch 41 Prozent der Befragten. Auch Änderungen am aktuellen Asylverfahren wünschen sich einige Deutsche. 39 Prozent fanden, dass die Mobilität von Asylbewerbern eingeschränkt werden sollte, solange ihr Anspruch auf Asyl bearbeitet wird. Jeder Vierte spricht sich gegen eine solche Verwahrung aus.

Ein Drittel der Deutschen engagiert sich für Flüchtlinge

Auch wenn das Misstrauen der Deutschen in Geflüchtete und die Asylpolitik augenscheinlich steigt, gibt laut der Studie jeder dritte Befragte an, sich im vergangenen Jahr für Geflüchtete engagiert zu haben. Das Spenden von Geld und Gütern ist mit 16 Prozent die am häufigsten genannte Unterstützungsleistung. Jeder zehnte gab an, sich ehrenamtlich zu engagieren. Acht Prozent haben Social-Media-Nachrichten zur Unterstützung von Geflüchteten gepostet. Weitere acht Prozent geben an, Regierungsbeamte kontaktiert oder Petitionen unterschrieben zu haben, die sich für Flüchtlinge einsetzen.

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