Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU)
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Steigt er jetzt in den Ring?: Spahn interessiert an CDU-Vorsitz – und Kanzlerkandidatur

Berlin –

Offiziell sind sie ein Team: Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet. Bislang versicherte Spahn, er wolle Laschet den Vortritt im Rennen um den CDU-Vorsitz lassen. Doch nun kommt raus: Hinter den Kulissen soll sich der Gesundheitsminister über die eigenen Chancen informiert haben – auch mit Blick auf eine Kanzlerkandidatur.

Jens Spahn ist derzeit laut Umfragen der beliebteste Politiker Deutschlands. Klar, dass er die positive Stimmung gerne als Karriereantrieb nutzen würde. Wie der „Spiegel“ berichtete, hat sich der Partner von Laschet im Kampf um die Parteispitze nicht nur als Teamplayer verdient gemacht – sondern auch eigene Pläne verfolgt. So soll er zum Jahresende 2020 seine Chancen für eine Kanzlerkandidatur geprüft haben.

Berlin: Spahn soll Chancen auf eigene Kanzlerkandidatur geprüft haben

Dafür soll sich Spahn in Telefonaten an Landtagsabgeordnete, Fraktionskollegen und Landesfunktionäre gewandt haben, um deren Haltung zu einer möglichen Kanzlerkandidatur von ihm zu ergründen. Das bestätigten laut „Spiegel“ ein halbes Dutzend CDU-Mitglieder.

Doch damit nicht genug: Der Gesundheitsminister soll ebenfalls über Umwege versucht haben, Laschet zur Aufgabe der Kandidatur zu seinen Gunsten zu bewegen. Auch der Parteivize Volker Bouffier soll gegenüber Laschet die Idee des Rollentauschs in Spiel gebracht haben – doch der NRW-Minister lehnte ab.

Idee eines Rollentauschs im Umlauf

Spahn selbst zeigte sich auch in einer internen Sitzung von Unionsabgeordneten kurz vor Weihnachten offen für die vorgebrachte Idee des Rollentauschs. Ein Sprecher seines Ministeriums versuchte den Vorstoß abzumildern: „Der Minister tauscht sich ständig mit Parteimitgliedern aus. Dabei geht es selbstverständlich auch um die Stimmung vor dem Parteitag, die Unterstützung für das Team mit Armin Laschet und die beste Aufstellung von CDU und CSU für das Wahljahr.“

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Bisher erteilte Spahn den Rufen nach einer Solokandidatur angesichts seiner gestiegenen Beliebtheitswerte jedoch öffentlich eine Absage. „Ich habe im Februar entschieden, mit Armin Laschet im Team anzutreten, mit ihm als Kandidat für den Vorsitz. Das gilt“, so der Gesundheitsminister im Dezember.

In der CDU verstärkt sich die Unzufriedenheit

In der CDU mehren sich derzeit die Stimmen, die mit der bisherigen Aufstellung der Kandidaten unzufrieden sind und eine Kandidatur von Jens Spahn fordern. So sagte der Mannheimer CDU-Abgeordnete Nikolas Löbel bereits im Oktober zum „Spiegel“: „Wir haben drei respektable und gestandene Persönlichkeiten als Kandidaten, aber keiner steht so richtig für Aufbruch und Erneuerung“. Spahns gute Umfragewerte könnten für die CDU „ein Wink mit dem Zaunpfahl sein, aus drei Kandidaten einen Konsenskandidaten zu machen“, so Löbel.

Neben Laschet bewerben sich ebenfalls der frühere Unionsfraktionschef Friedrich Merz und der Ex-Umweltminister Norbert Röttgen um die Nachfolge von CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer. (vd)

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