Ein Großteil der Corona-Patienten sind ungeimpft – viele Länder ziehen jetzt harte Konsequenzen. (Symbolbild)
  • Die meisten Corona-Patienten sind ungeimpft – viele Länder ziehen jetzt harte Konsequenzen. (Symbolbild)
  • Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Bodo Schackow

So hart geht die Welt jetzt mit Ungeimpften um

Während die Corona-Zahlen in Deutschland rasant durch die Decke schießen und auf den Intensivstationen hauptsächlich Ungeimpfte liegen, zögerte die Politik hierzulande lange, Nicht-Geimpfte überhaupt von Freizeitaktivitäten oder Veranstaltungen auszuschließen. Ein Blick in andere Länder zeigt: Dort wird nicht so zimperlich mit Impf-Unwilligen umgegangen.

Derzeit dümpelt die Impfquote in Deutschland bei 67,5 Prozent vor sich hin. Das reicht laut Virologen nicht, um durch den Corona-Winter zu kommen. Für eine Herdenimmunität müssten 85 Prozent der Menschen vollständig geimpft sein. Mithilfe des 2G-Modells an einigen Stellen, also Zutritt nur noch für Geimpfte und Genesene, sowie dem Ende der kostenlosen Corona-Tests sollte Druck auf Ungeimpfte gemacht werden. Da das nicht funktioniert hat, will die Ampel-Koalition jetzt 2G ausweiten. Aber auch das steht noch nicht abschließend fest.

Corona: In Österreich gibt’s Lockdown für Ungeimpfte

Im Nachbarland Österreich wird es für Ungeimpfte hingegen richtig ungemütlich. Ohne 2G-Nachweis dürfen Österreicher ab Montag nur noch zur Arbeit, spazieren und Lebensmittel einkaufen gehen. Ausgenommen davon sind Kinder unter zwölf Jahren sowie Erstgeimpfte, die einen PCR-Test vorweisen können. Der Teil-Lockdown soll demnach bis zum 24. November gelten.

Die Anzahl der Corona-Neuinfektionen pro einer Million Einwohner in Österreich und Deutschland im Vergleich.
Laut der Johns Hopkins University lag die Zahl der Neuinfektionen pro einer Million Einwohner am Samstag in Österreich bei weit über 1000 – im vergangenen Jahr war der Höchstwert 800. In Deutschland liegt der Wert bei circa 400, die Kurve zeigt aber steil nach oben.

Österreichs Bundespräsident Alexander van der Bellen sprach angesichts der hohen Zahlen von einer „sehr ernsten“ Lage. Die Corona-Infektionsraten waren zuletzt in Österreich dramatisch gestiegen. Die Sieben-Tage-Inzidenz – also die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb dieses Zeitraums – lag nach Angaben der Behörden am Sonntag in Österreich bei 848,2. In Deutschland lag sie am selben Tag bei 289,0.

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Schon vorher waren die Einschränkungen für Ungeimpfte in Österreich groß, etwa durch die 3G-Regel am Arbeitsplatz und die 2G-Regel beim Friseur und in Restaurants. Das hatte spürbare Auswirkungen – von den Medien „Schnitzelpanik“ getauft: In den ersten zehn Tagen nach der Einführung dieser Regelungen wurden insgesamt mehr als 420.000 Impfungen verzeichnet. In den zehn Tagen zuvor waren es nur 157.000 gewesen.

Corona: Niederlande geht in den „Lockdown light“

Die Niederlande gehen ebenfalls in einen Lockdown. Der gilt zwar für alle, aber erstmal nur für drei Wochen und nur für bestimmte Bereiche. Samstagabend ist er in Kraft getreten und verbietet unter anderem größere Veranstaltungen. Bars, Restaurants und Supermärkte müssen ab 20 Uhr schließen. Nach Ablauf der drei Wochen plant die niederländische Regierung, die 2G-Regel einzuführen. Bürger dürfen dann nur noch an Veranstaltungen teilnehmen oder in Restaurants essen, wenn sie geimpft oder genesen sind und das entsprechend nachweisen können.

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Während Lockdown und 2G die Impfunwilligen dazu bewegen sollen, sich ihre Spritze gegen Corona abzuholen, haben einige Länder bereits zu härteren Maßnahmen gegriffen. In Großbritannien dürfen ungeimpfte Pflegekräfte seit Donnerstag nicht mehr in Alten- und Pflegeheimen arbeiten. Den ungeimpften Beschäftigten in Heimen droht dort nun der Verlust ihres Arbeitsplatzes.

Corona: Hier gibt’s Impfpflicht für Berufsgruppen

Frankreich war noch früher dran: Dort müssen Feuerwehrleute, Pflege- und Rettungskräfte seit dem 15. September geimpft sein. 3000 Nicht-Geimpfte wurden daraufhin vom Dienst freigestellt, mehrere Dutzend Mitarbeiter kündigten. Präsident Emmanuel Macron will die Impfkampagne indes weiter beschleunigen: Unter anderem sollen über 65-Jährige bald nur noch als geimpft gelten, wenn sie eine dritte Dosis erhalten haben.

Wirkung zeigt auch der Greenpass in Italien. Dort muss jeder Beschäftigte nachweisen, geimpft, genesen und frisch getestet zu sein. Wohl auch, weil die Tests kostenpflichtig sind, stieg die Impfbereitschaft daraufhin an.

Corona: Singapur zahlt keine Krankenhaus-Kosten mehr

Noch einen deutlich drastischeren Schritt weiter geht Singapur. Dort werden die Kosten für die medizinische Behandlung von ungeimpften Corona-Patienten ab dem 8. Dezember nicht mehr übernommen. Die Impfquote ist mit 86 Prozent zwar sehr hoch, trotzdem landen laut der Regierung unerwartet viele Ungeimpfte in den Kliniken. Schon in der Vergangenheit gingen die Behörden hart gegen Quarantäne-Verstöße vor. Ein Brite wurde beispielsweise zu zwei Wochen Knast verurteilt, nachdem er sich aus seinem Hotelzimmer geschlichen hatte.


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Derartige Maßnahmen wie in Singapur werden in Deutschland wohl wegen rechtlicher Fragen tabu bleiben. Am Beispiel Sachsen sieht man allerdings, dass bereits eine weit gefasste 2G-Regelung die Impfbereitschaft ankurbelt: Wurden in der ersten Oktoberwoche an den mobilen Impfstellen pro Tag noch um die 1451 Spritzen gegeben, stieg die Zahl in der vergangenen Woche auf 3737 pro Tag an. Trotzdem hat der Freistaat bundesweit immer noch die schlechteste Impfquote: Nur 57,4 Prozent sind bisher vollständig geimpft.

Corona: Hamburg will bald 2G-Modell ausweiten

Hamburg ist hingegen mit 73 Prozent vollständig Geimpften auf Platz 3 geklettert. Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) hatte zudem bereits am Freitag angekündigt, dass der Senat in dieser Woche eine Ausweitung des 2G-Modells erörtern wird. Betreffen wird das auf jeden Fall den Sport, kündigte Sportsenator Andy Grote (SPD) an.

Es wird deutlich: Druck auf Ungeimpfte wirkt, ob es 2G-Regeln sind oder sogar Lockdown. Bleibt abzuwarten, ob der Bund-Länder-Gipfel diese Woche das 2G-Modell beschließt. Falls all das nicht hilft, bleibt noch die Möglichkeit von Impfanreizen à la Thüringer Rostbratwurst: Eine Impfaktion bei Rettungskräften im Kreis Mecklenburgische Seenplatte erwies sich am Samstag als Besuchermagnet. Innerhalb von vier Stunden ließen sich 201 Menschen impfen, sagte Impfkoordinator Sebastian Buse. Das Lockmittel: kostenloser Schweinebraten.

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