Selenskyj
  • Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat am Samstagmorgen ein neues Video veröffentlicht. Darin kontert er auch Putins Propaganda-Auftritt in Moskau.
  • Foto: picture alliance/dpa/Ukrainian Presidential Press Office/AP | Uncredited

Selenskyj will Putin persönlich treffen – die aktuelle Kriegslage im Überblick

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Russland erneut aufgefordert, ernsthaft über einen Frieden zu verhandeln. Die EU fürchtet unterdessen eine schwere Hungersnot in dem vom Krieg zunehmend zerstörten Land. Die MOPO gibt einen Überblick zum Geschehen in der Nacht und ein Ausblick auf den Tag.

Selenskyj hat Wladimir Putin erneut aufgefordert, sich persönlich mit ihm zu treffen. In einer Videobotschaft sagte er, ehrliche Verhandlungen seien die einzige Chance für Russland, seinen Schaden durch eigene Fehler zu verringern. Sollte die territoriale Unversehrtheit der Ukraine nicht wiederhergestellt werden, so werde Russland „ernsthafte Verluste“ erleiden. Seit dem 28. Februar gab es immer wieder Verhandlungen, zuletzt fast täglich per Videoschalte.

Selenskyj: Stellen sie sich 14.000 Leichen im Stadion vor

Moskau spricht von erkennbaren Kompromissen, Kiew sieht hingegen keine größeren Erfolge. Selenskyj warf den russischen Invasoren außerdem vor, mit einer „vorsätzlichen Taktik“ eine humanitäre Katastrophe herbeiführen zu wollen. Das solle durch die Blockade der größten ukrainischen Städte erreicht werden, um die Ukraine zu einer Kooperation zu zwingen.

Gleichzeitig versuchte Selenkkyj, Putins Propaganda-Show von Freitagnachmittag mit einem Zahlenvergleich zur Invasion der russischen Armee in die Ukraine zu kontern: Knapp 100.000 Menschen vor dem Luschniki-Stadion in Moskau, in der Arena selbst 95.000 Menschen – dies entspreche zusammen etwa der Zahl der russischen Soldaten, die in die Ukraine eingefallen seien, sagte Selenskyj.

Putin
Wladimir Putin hatte am Freitagnachmittag im Luschniki-Stadion in Moskau vor 95.000 kriegsbegeisterten Russen gesprochen.

„Und jetzt stellen Sie sich 14.000 Leichen in diesem Stadion vor, dazu noch Zehntausende verwundete und verstümmelte Menschen.“ Dies entspreche den Verlusten der russischen Seite seit Beginn des Kriegs. Überprüfen lassen sich diese Zahlen allerdings nicht.

Kämpfe um den Flughafen Tschornobajewka bei Cherson

Die Kämpfe in der Ukraine gehen jedenfalls unvermindert weiter. Der Flughafen Tschornobajewka bei Cherson im Süden der Ukraine steht nach ukrainischer Darstellung weiterhin im Mittelpunkt erbitterter Kämpfe. „Wir haben sie dort schon wieder getroffen“, schrieb Präsidenten-Berater Olexij Arestowitsch am Samstagmorgen auf Facebook. Bereits sechs Mal soll ukrainische Kräfte russische Truppen durch mit Überrraschungsangriffen getroffen haben.

Auch in Mariupol gibt es weiterhin heftige Kämpfe. Laut ukrainischem Generalstab habe man dort „vorübergehend“ den Zugang zum Asowschen Meer verloren. Russische Truppen versuchten weiter, die Stadt selbst zu stürmen und die Kämpfe dauerten an, hieß es weiter.

EU warnt vor Hungersnot in der Ukraine

Angesichts der anhaltenden Kämpfe in der Ukraine sieht die EU-Kommission eine Hungersnot auf das Land zukommen. Die Menschen in den belagerten Städten seien apokalyptischen Zuständen ausgesetzt, sagte EU-Kommissar Lenarcic der „Welt am Sonntag“. Es gebe dort keine Nahrung, kein Wasser und keine medizinische Versorgung. Und die humanitäre Krise in der Ukraine könne noch schlimmer werden. Der EU-Kommissar forderte raschen Zugang für Hilfslieferungen.

Janez Lenarcic
Janez Lenarcic, EU-Kommissar für Krisenmanagement fordert von Russland Zugang zu den belagerten Städten.

Auch die Direktorin des UN-Kinderhilfswerks Unicef, Catherine Russell, appelliert angesichts der humanitären Notlage an Putin, die Angriffe seiner Armee sofort zu beenden. „Sie müssen diesen Krieg stoppen! Er ist furchtbar. Seine Auswirkungen auf Kinder sind inakzeptabel und abscheulich“, sagt Russell der dpa. Die Menschen vor Ort und die fliehenden Frauen und Kinder seien „vollkommen unschuldig“ und hätten mit dem Konflikt nichts zu tun, sagt Russell. „Sie haben das nicht verdient.“ Nach ukrainischen Angeben konnten zuletzt immerhin 50.000 Zivilisten aus den Kampfgebieten nördlich von Kiew evakuiert werden.

CSU: Deutschland vor langfristiger Herausforderung

Angesichts der vielen Flüchtlinge rechnet CSU-Generalsekretär Stephan Mayer mit einer langfristigen Herausforderung auch für Deutschland. Der Zustrom an ukrainischen Kriegsflüchtlingen wird noch deutlich zunehmen“, sagt Mayer der dpa. „Ich befürchte, dass uns der Ukraine-Krieg mit all seinen Folgen längerfristig beschäftigen wird.“ Viele Ukrainer würden in der Hoffnung auf ein baldiges Kriegsende jetzt noch in der Nähe ihres Heimatlandes bleiben. „Aber je länger der Krieg dauert, desto größer wird aufgrund der Aussichtslosigkeit auf eine Rückkehr in die Heimat auch der Druck, doch weiterzureisen. Und viele davon werden dann auch zu uns kommen“, so Mayer.

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Bildungspolitiker in den Ländern schätzen, dass etwa die Hälfte der in Deutschland ankommenden Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine Kinder und Jugendliche sind, die früher oder später in Schulen oder Kitas unterkommen. Es gebe bisher keine verlässlichen Daten, sagt der Chef der neuen Taskforce der Kultusministerkonferenz (KMK) für das Thema, Hans Beckmann. Beim ersten Treffen der Expertengruppe hätten Ländervertreter aber eine solche Schätzung abgegeben. Er kündigt Abfragen von Zahlen in den Schulen an.

Das wird heute wichtig: Habeck in Katar beim Gas-Shoppen

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) reist heute nach Katar. Seit Kriegsbeginn arbeitet der Vizekanzler daran, die Engerieabhängigkeit von Russland zu reduzieren. Katar ist einer der größten Produzenten von Gas weltweit.

Robert Habeck
Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) ist nach Katar aufgebrochen. Im Anschluss reist er in die Vereinigten Arabischen Emirate. Dort geht es um grünen Wasserstoff.

Vor seiner Abreise warnte Habeck: „Wenn wir zum nächsten Winter noch nicht mehr Gas bekommen und die Lieferverbindungen aus Russland gleichzeitig würden gekappt werden oder abreißen, hätten wir nicht genug Gas, um alle Häuser warm und alle Industrie laufen zu lassen.“ Habeck hat bereits in Norwegen Gespräche zu zusätzlichen Gaslieferungen geführt.

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