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Ein kroatischer Militärpolizist am Einschlagsort der Drohne in Zagreb.
  • Ein kroatischer Militärpolizist am Einschlagsort der Drohne in Zagreb.
  • Foto: imago/Pixsell

Rätsel um abgestürzte Kriegsdrohne in Kroatien: „Sehr klare Bedrohung“

Eine Militärdrohne aus dem ukrainischen Kriegsgebiet schlägt mitten in der Nacht in einem Zagreber Park ein. Wer hat sie losgeschickt? Und wie konnte sie unbemerkt über mehrere Nato-Länder fliegen? Auf die meisten Fragen gibt es bislang noch keine befriedigende Antwort. Sicher aber ist: Die kroatische Hauptstadt entging wohl nur knapp einer Katastrophe – und die Regierung verlangt Konsequenzen.

Der Absturz eines unbemannten Militärflugzeuges über der Hauptstadt Zagreb sorgt weiter für Rätselraten und Erschütterungen in der kroatischen Öffentlichkeit. Die etwa sieben Meter lange und sechs Tonnen schwere Drohne war am späten Donnerstagabend im Jarun-Park eingeschlagen, wie die kroatischen Behörden am Freitag bestätigten.

Zagreb entging wohl nur knapp einer Katastrophe

Am Sonntagabend teilte Verteidigungsminister Mario Banozic dann mit, an der Drohne seien Sprengstoffspuren gefunden worden, sie habe offenbar eine Fliegerbombe transportiert.

Kroatische Medien meldeten nach Angaben der Nachrichtenseite „Nexta“ von Montagmorgen, dass die Bombe 120 Kilogramm schwer war. „Weil die Drohne auf weichen Boden aufschlug, ereignete sich die Explosion unter der Erde. Wenn sie auf Beton oder Asphalt gefallen wäre, wären die Folgen katastrophal gewesen“, soll im kroatischen Fernsehen berichtet worden sein.

Rätsel um abgestürzte Kriegsdrohne in Kroatien: „Sehr klare Bedrohung“

Die Drohne sei in der Ukraine gestartet und danach durch den Luftraum zweier NATO-Staaten geflogen, bevor sie nahe eines Wohngebiets in Zagreb abgestürzt sei, beklagte Kroatiens Ministerpräsident Andrej Plenkovic am Samstag. Dies sei „nicht hinnehmbar“. Er habe wegen des Vorfalls Briefe an seine EU-Kollegen und Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg geschickt, sagte er beim Besuch der Absturzstelle in der kroatischen Hauptstadt. „Wir können eine solche Situation nicht mehr tolerieren.“ Die Drohne sei eine „sehr klare Bedrohung“, „auf die es eine Reaktion geben muss“.

Später twitterte Plenkociv, er habe Stoltenberg in einem Telefonat gebeten, dass das Bündnis „die Fakten zu diesem ernsten Vorfall ermittelt“. Stoltenberg erklärte, es sei vereinbart worden, „in engem Kontakt zu bleiben und zusammenzuarbeiten“, um die Hintergründe des Vorfalls zu klären.

Russland und Ukraine bestreiten Drohnen-Start

Die 14 Meter lange und mehr als sechs Tonnen schwere Drohne war am Donnerstagabend rund sechs Kilometer vom Zagreber Stadtzentrum und nur 200 Meter von einem Wohngebiet entfernt in einen Park gestürzt. Etwa 40 in der Nähe geparkte Autos wurden beschädigt, Verletzte gab es nicht. Die Drohne hinterließ einen Krater.
„Wir können im Moment sagen, dass es sich um eine Fliegerbombe handelt, die bei Flugzeugen aus sowjetischer Produktion eingesetzt wurde“, sagte Verteidigungsminister Banozic. Kroatische Stellen bestätigten, dass es sich um eine Fernaufklärungs-Drohne vom Typ Tupolew M-141 handelte, die noch in sowjetischen Zeiten, in den 1970er-Jahren, hergestellt, und bis in die 80er Jahre von der Sowjetunion eingesetzt wurde.

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Der Zwischenfall nährt Ängste, dass der russische Angriffskrieg in der Ukraine sich auf weitere Staaten ausweiten könnte. Plenkovic sagte am Samstag, es sei unklar, „in wessen Besitz“ die Drohne gewesen sei. Die russische Botschaft in Zagreb hatte bereits am Freitag erklärt, Kroatien solle sich bei der Aufklärung ihrer Herkunft an die Ukraine wenden. Im russischen Militär seien Fluggeräte dieses Typs seit 1991 nicht mehr in Verwendung. Die ukrainischen Streitkräfte besitzen dieses Modell, bestritten aber, eine solche Drohne gestartet, geschweige denn in Richtung Kroatien geschickt zu haben.

Wie konnte die Drohne unbehelligt durch mehrere NATO-Staaten fliegen?

Offen sei auch, ob der Flug in Richtung des NATO-Luftraums „ein Unfall, ein Fehler oder Absicht war“, so Plenkovic.
Der kroatische Ministerpräsident kritisierte, die Drohne sei unbehelligt durch die Lufträume Rumäniens und Ungarns geflogen, bevor sie in den kroatischen Luftraum eindrang. Kroatien, Rumänien und Ungarn sind allesamt NATO-Mitglieder. Nach Angaben der kroatischen Behörden befand sich die Drohne rund 40 Minuten lang im ungarischen Luftraum, ohne dass Kroatien alarmiert wurde.

In Ungarn rätselt man nach eigenen Angaben ebenfalls, wie das unbemannte Flugzeug so lange das Land von Ost nach West unbemerkt überfliegen konnte. Das ungarische Verteidigungsministerium stellte lediglich fest: „Das mit hoher Geschwindigkeit fliegende Objekt haben wir bereits über dem Gebiet der Ukraine wahrgenommen. (…) Vom Eintritt in den ungarischen Luftraum an haben wir es die ganze Zeit über beobachtet und kontrolliert, bis es den Luftraum des Landes verließ.“


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Ein NATO-Vertreter sagte am Freitag der Nachrichtenagentur AFP, die integrierte Luftverteidigung der NATO habe „die Flugbahn eines Objekts verfolgt, das schließlich in Zagreb abstürzte“. Von der kroatischen Hauptstadt aus bis zur ukrainischen Grenze sind es Luftlinie mindestens 550 Kilometer. (mik/afp/dpa)

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