Beim Blick auf die aktuellen Unions-Umfragewerte können einem schon mal die Tränen kommen...
  • Beim Blick auf die aktuellen Unions-Umfragewerte können einem schon mal die Tränen kommen...
  • Foto: picture alliance/dpa | Marius Becker

Bitter! Noch nicht mal CDU-Anhänger wollen Laschet wählen

Es wird ernst. Die Briefwahl ist angelaufen. Ende August könnten ein Drittel der Wähler ihre Stimme bereits abgegeben haben. Ausgerechnet jetzt schwächelt der CDU-Kanzlerkandidat. Armin Laschet ist der unbeliebteste Bewerber der Union aller Zeiten. Woran liegt das?

Der 60-Jährige feierte seinen offiziellen Wahlkampfauftakt am Mittwoch in einem Boxring in Frankfurt. „Die CDU wird in diesem Wahlkampf kämpfen“, sagte Laschet. Kämpfen muss vor allem der Kandidat selbst. Aber ob es auch hilft, scheint immer unsicherer.

Armin Laschet
Armin Laschet am Mittwoch beim offiziellen Wahlkampfauftakt in Frankfurt am Main: „Die CDU wird kämpfen.“

Laut der aktuellen Forsa-Umfrage würden bei einer Direktwahl des Kanzlers nur 12 Prozent ihr Kreuz bei Laschet machen. Und sogar unter den CDU-Anhängern favorisieren ihn nur 39 Prozent (unter den CDU-Wählern von 2017 sind es sogar nur 24 Prozent). Schlechter stand ein Kanzlerkandidat der Union noch nie da. Mittlerweile schlagen die Werte auch auf die Union selbst durch (siehe S.4/5).

Söder inszeniert sich als der Macher

„Die Menschen erwarten von einem möglichen Kanzler Visionen und Führungsstärke“, sagt der Politikwissenschaftler Jürgen Falter. Diesem Bild scheint in der Union aber eher CSU-Chef Markus Söder zu entsprechen, der sich zum Zeitpunkt von Laschets Kür und auch heute noch der größeren Beliebtheit erfreut. Söder inszeniert sich als Macher.

Umfragen zeigen, dass Wähler Schwierigkeiten haben, Laschet überhaupt irgendwelche Wesenszüge zuzuordnen. „Laschet ist der Kandidat ohne Eigenschaften“, sagt der Wahlforscher Manfred Güllner der „Welt“. Positiv könnte man formulieren, Laschet versucht sich in aufgeregten Zeiten als Ruhepol zu inszenieren – und als der „Weiter so“-Kandidat im Sinne Angela Merkels.

Laschets Schlingerkurs in der Corona-Politik

Doch das misslingt oft genug. Exemplarisch steht dafür seine Corona-Politik. Zu Beginn der Pandemie setzte Laschet in NRW Lockerungen durch. Was Merkel ausdrücklich missbilligte. Dann sagte er, man könne „nicht immer neue Grenzwerte erfinden“ – was die Politik in Misskredit brachte, die er selbst mittrug. Heute beharrt der Ministerpräsident darauf, Ungeimpfte und Geimpfte gleich zu behandeln. Egal ob man das für richtig oder falsch hält: Laschet befindet sich damit in einer Minderheitenposition. Vergleichbares ist Merkel, noch heute die beliebteste Politikerin des Landes, nur selten passiert.

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Der Eindruck eines Schlinger-Kurses wurde noch verstärkt durch Laschets Verhalten bei der Frage von Steuerentlastungen für die Mittelschicht. Zuerst erteilte er ihnen eine Absage, dann ließ er sich durch die CSU und einige CDU-Politiker doch zu einer halbgaren Zusage treiben. Und auch in der Klimafrage wirkt Söder deutlich zupackender als Laschet. Söder forderte nach dem verheerenden Hochwasser und der anschließenden Klima-Diskussion den Kohleausstieg bereits 2030 statt 2038. Laschet gab den Netten: „Wir sollten uns an geschlossene Verträge halten“.

Der Eindruck mangelnder Ernsthaftigkeit

Grundsätzlich beherrscht Laschet das Regierungshandwerk. Das hat die schnelle Reaktion bei den Soforthilfen für die Flutopfer in seinem Bundesland gezeigt. Doch seine Erfolge werden oft durch eigene Dummheiten überlagert. Viele Menschen denken bei den Hochwassern nicht zuerst an den Macher Laschet, sondern daran, wie er sich mitten im Katastrophengebiet in einem scheinbar unbeobachteten Moment scheckig lacht.

Armin Laschet
Armin Laschet an einem Rednerpult mitten in einem Trümmerfeld: Die Inszenierungen des CDU-Kandidaten waren nicht immer glücklich.

So entsteht der Eindruck mangelnder Ernsthaftigkeit. Und wenn sein Presse-Stab dann versucht, diesem Eindruck entgegen zu wirken, lassen sie ihren Kandidaten an einem Rednerpult vor einem riesigen Trümmerhaufen auftreten. Das sollte wohl volksnahe wirken.

Tauscht die Union ihren Kandidaten aus?

Ähnlich wie bei Annalena Baerbock (Grüne) tuschelt man im politischen Berlin inzwischen darüber, ob die Union ihren Kanzlerkandidaten nicht noch austauschen könnte. Doch das wird wohl ebensowenig passieren, wie bei den Grünen. Laschet selbst hat derlei Überlegungen immer weggewischt: „Wir wollen keine Umfragen gewinnen, sondern Wahlen.“ Viel Zeit für eine Trendumkehr bleibt ihm nicht mehr.

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