Bahn Streik
  • Der Streik der GDL trifft die Bahn hart. Sie hat bis Donnerstagnacht 75 Prozent aller Verbindungen gestrichen.
  • Foto: picture alliance/dpa/Bodo Marks

Bahn-Hammer! Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Warnstreik

Der letzte Streik der Lokführer fand in der Vorweihnachtszeit 2018 statt. Nun trifft ein erneuter Streik viele Bundesbürger noch in den Sommerferien – und die Deutsche Bahn mitten in der Corona-Krise. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Warum streikt die Lokführer-Gewerkschaft GDL?

„Der festgefahrene Tarifkonflikt hat uns keine andere Wahl gelassen“, sagte der GDL-Vorsitzende Claus Weselsky am Dienstag. 95 Prozent der GDL-Mitglieder hatten sich dafür ausgesprochen.

Claus Weselsky
GDL-Chef Claus Weselsky gilt als harter Knochen, der bei Streiks keine Rücksicht kennt.

Die GDL will eine Corona-Prämie von 600 Euro und Einkommenssteigerungen von insgesamt 3,2 Prozent bei einer Laufzeit von 28 Monaten. Das Bahn-Management ist nach eigener Auskunft gar nicht so weit davon entfernt, pocht aber auf auf eine deutlich längere Laufzeit. Mit der Konkurrenzgewerkschaft EVG gibt es bereits einen Tarifabschluss – der für dieses Jahr zwar eine Nullrunde vorsieht, dafür aber Kündigungen ausschließt.

Was bedeutet das für die Kunden?

Der Fern- und der Regionalverkehr werden bereits ab Mittwoch, 2 Uhr, für 48 Stunden bundesweit bestreikt. Die Bahn rechnet erst für den Freitag wieder mit einem weitgehend störungsfreien Verkehr. Der Konzern strich vorsorglich bereits 75 Prozent der Verbindungen für diese beiden Tage.  

Sind auch Wettbewerber der Bahn betroffen?

Offiziell wird nur der Personen- und Güterverkehr der Bahn bestreikt. Der Arbeitskampf könnte aber wegen fehlenden Personals, etwa in Bahnhöfen oder im Verkehrsmanagement, auch Folgen für Wettbewerber haben.

Wie reagiert die Bahn?

Die Bahn sprach von „einer Eskalation zur Unzeit“. Personalchef Martin Seiler kritisierte, die GDL habe sich nicht an ihre Ankündigung gehalten, den Kunden ausreichend Vorlauf vor dem Streikbeginn zu lassen. Auch der Fahrgastverband Pro Bahn nannte die Streikankündigung „deutlich zu kurzfristig“. Die Bahn kündigte an, die nicht streikenden Lokführer vor allem auf den stark genutzten Strecken wie zwischen Hamburg und Frankfurt einzusetzen. Man wolle möglichst lange Züge einsetzen und werde bei den Kunden maximale Kulanz walten lassen – und beispielsweise Fahrkarten länger gelten lassen oder erstatten.

Könnte der Streik länger dauern?

Das ist noch offen. 2014 und 2015 hatte die GDL in acht sich steigernden Wellen die Arbeit niedergelegt. Berichte über eine angeblich knappe Streikkasse wies Weselsky als „Latrinenparolen“ zurück. „Das ist ausreichend für lange, lange Streiks. Wir haben aber nicht vor, das auszukosten.“

Wie geht es jetzt weiter?

Nach dem zweitägigen Streik werden sich beide Seiten voraussichtlich wieder an einen Tisch setzen und verhandeln. Aus Politik und Wirtschaft gibt es bereits massiven Druck. Arbeitgeberverbände werfen der Gewerkschaft vor, aus Eigeninteresse die schwierige Erholung der Wirtschaft zu gefährden. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) forderte die Streithähne auf, „schnellstmöglich“ an der Verhandlungstisch zurückzukehren.

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