Özdemir
  • Cem Özdemir beim Lebensmitteleinkauf am Prenzlauer Berg. Der Bundeslandwirtschaftsminister hat „Ramschpreisen“ für Agrarprodukte nun den Kampf angesagt.
  • Foto: IMAGO/Sabine Gudath

„Ramsch“-Revolution der Grünen: Werden Lebensmittel bald deutlich teurer?

Für Deutschlands Bauern soll sich unter der Ampel-Regierung einiges ändern – und mit ihnen für die Verbraucher. Bundesagrarminister Cem Özdemir (Grüne) macht nun gegen „Ramschpreise“ bei Lebensmitteln mobil – und rechnet mit einem Hanf-Boom bei den Landwirten.

Aus Sicht Özdemirs müssen die Preise für Lebensmittel und Agrarprodukte steigen. „Es darf keine Ramschpreise für Lebensmittel mehr geben, sie treiben Bauernhöfe in den Ruin, verhindern mehr Tierwohl, befördern das Artensterben und belasten das Klima. Das will ich ändern“, sagte der Grünen-Politiker der „BamS“.

„Der Preis muss die ökologische Wahrheit ausdrücken“

Er wolle, dass die Menschen in Deutschland ihre Lebensmittel genauso wertschätzten wie ihre Autos. „Manchmal habe ich das Gefühl, ein gutes Motoröl ist uns wichtiger als ein gutes Salatöl“, kritisierte der Minister. Lebensmittel dürften zwar kein Luxusgut werden. „Doch der Preis muss die ökologische Wahrheit stärker ausdrücken.“

Vor allem soll die Zahl der Nutztiere verringert werden. Die Folge wäre ein verknapptes Angebot und damit wohl auch steigende Preise für die Verbraucher. „Die Zahl der Tiere muss sich an der verfügbaren Fläche orientieren“, argumentiert der Politiker.


Der Newswecker der MOPO

Starten Sie bestens informiert in Ihren Tag: Der MOPO-Newswecker liefert Ihnen jeden Morgen um 7 Uhr die wichtigsten Meldungen des Tages aus Hamburg und dem Norden, vom HSV und dem FC St. Pauli direkt per Mail. Hier klicken und kostenlos abonnieren.


Zudem kündigte Özdemir an, die Hersteller von Fertigprodukten stärker als bisher in die Verantwortung zu nehmen: Strengere Vorgaben sollen dafür sorgen, dass sich die Menschen gesünder ernähren. „Deutschland ernährt sich insgesamt zu ungesund“, argumentiert er. Über 50 Prozent der Erwachsenen seien übergewichtig. „Der Grund dafür sind zu viel Zucker, Fett und Salz, vor allem in Fertigprodukten“, sagte er. Die Politik habe zu lange versucht, die Industrie mit freiwilligen Selbstverpflichtungen zur Reduktion dieser Inhaltsstoffe zu bewegen. „Damit ist jetzt Schluss. Mit mir wird es verbindliche Reduktionsziele geben.“

Eine kleine Revolution auf den Feldern

Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) kündigte ihrerseits bereits an, den Einsatz von Pestiziden deutlich verringern zu wollen. Ausgeweitet werden sollen hingegen die Flächen, die ökologisch bestellt werden. Aktuell liegt der Anteil bei zehn Prozent, bis 2030 soll er auf 30 Prozent steigen.

All dies kommt einer kleinen Revolution gleich. Und eine weitere nimmt ebenfalls Fahrt auf: „Viele Bäuerinnen und Bauern stehen in den Startlöchern, um Hanf anzubauen“, erklärte Özdemir. Mit der von der Ampel geplanten Legalisierung von Cannabis für Erwachsene wird ein großer Markt entstehen und die Nachfrage muss aus Deutschland gedeckt werden. „Sobald der Bundestag das Gesetz des Gesundheitsministers verabschiedet hat, wird die Landwirtschaft auch diese Nutzpflanzen anbauen. Die CDU kann es uns ja nun nicht mehr verbieten.“

Özdemir: „Niemand soll sich die Birne wegkiffen“

Özdemir verteidigte das Vorhaben noch einmal: „Niemand soll sich die Birne wegkiffen, aber ich freue mich, dass der Irrsinn des Cannabis-Verbots endlich endet.“ Wer Cannabis bei einem illegalen Dealer kaufe, wüsste nicht, was enthalten sei und welche unerwünschten Nebenwirkungen möglicherweise auftreten.

Das könnte Sie auch interessieren: Impfgegner-Demos: Tschentscher hat Verständnis – und eine Vermutung

Bisher ist der Anbau von weiblichen Hanfpflanzen nur für medizinische Zwecke erlaubt. Der jährliche Bedarf liegt bei etwas über zwei Tonnen reiner Blüten. Der künftige Bedarf wird auf 200 bis 400 Tonnen pro Jahr geschätzt.

Email
Share on facebook
Share on twitter
Share on whatsapp