Das von der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Sputnik veröffentlichte Bild zeigt russische Soldaten die auf einem gepanzerten Fahrzeug auf einer Straße nahe der Grenze zwischen Russland und der Ukraine mitfahren.
  • Das von der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Sputnik veröffentlichte Bild zeigt russische Soldaten, die auf einem gepanzerten Fahrzeug auf einer Straße nahe der Grenze zwischen Russland und der Ukraine mitfahren.
  • Foto: picture alliance/dpa/Sputnik | Anton Vergun

Kiew behauptet: So desolat soll es um Russlands Armee stehen

Der Kampfeswillen und Mut der Ukrainer sorgt auf der ganzen Welt für Staunen. Trotz militärischer Unterlegenheit und weitaus kleinerer Armee kann der russische Angriff bislang gut abgewehrt werden. Befeuert werden dürfte das Ganze von Berichten der ukrainischen Führung: Demnach geht den Russen nicht nur der militärische Nachschub aus, sondern auch die Moral. Im Kreml sieht man das naturgemäß anders.

Es wird weiter erbittert gekämpft: Mit allen Mitteln versuchen die Ukrainer, ihr Land gegen Putins Soldaten zu verteidigen. Die Situation spitzt sich derzeit vor allem rund um die Hauptstadt Kiew zu. Dort ziehen die ukrainischen Streitkräfte für die Verteidigung nun verstärkt Kräfte zusammen. Es gehe vor allem um die Abwehr des russischen Angriffs im Norden und im Nordwesten der Hauptstadt, schrieb Vizeverteidigungsministerin Hanna Maljar am Sonntag bei Facebook. Im ganzen Land laufe die Mobilisierung.

Kiew behauptet: So desolat soll es um Russlands Armee stehen

Nach Angaben des ukrainischen Generalstabs geht der russische Angriff weiter, allerdings sei das Tempo deutlich gebremst worden. Der Feind habe Nachschubprobleme bei Treibstoff und Munition, teilte die Armeeführung auf Facebook mit.

Die russischen Soldaten, bei denen es sich vor allem um junge Rekruten handle, seien erschöpft wegen der vorangegangenen Manöver. Moral und psychologischer Zustand seien schlecht. Es gebe erste Berichte über Desertationen von Soldaten, die sich weigerten, gegen die Ukraine zu kämpfen. Einige Gefangene sagten ukrainischen Medien zufolge, sie seien für ein Manöver abkommandiert gewesen und hätten sich dann in einem Krieg wiedergefunden. Überprüfbar war das nicht.

picture alliance/dpa/AP | Efrem Lukatsky Ukrainische Soldaten halten einen Mann fest, den sie für einen russischen Agenten halten.
Ukrainische Soldaten halten einen Mann fest, den sie für einen russischen Agenten halten.
Ukrainische Soldaten halten einen Mann fest, den sie für einen russischen Agenten halten.

Die russischen Truppen hätten schwere Verluste erlitten, teilt der Generalstab weiter mit. Bisher seien schätzungsweise etwa 4300 Soldaten getötet worden, so Vizeverteidigungsministerin Maljar. Sie betont, die Angaben seien schwer zu überprüfen. Außerdem seien 27 Flugzeuge, 26 Hubschrauber und zwei Schiffe zerstört worden, ebenso 146 Panzer und mehr als 700 weitere Militärfahrzeuge.

So schätzt Russland die Lage ein

Im Kreml sieht man das Ganze naturgemäß etwas anders. Russische Truppen hätten 471 ukrainische Soldaten gefangen genommen und 975 militärische Objekte zerstört, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow. Zudem seien acht Kampfflugzeuge und sieben Hubschrauber sowie elf Kampfdrohnen abgeschossen worden. Weitere 28 Flugzeuge wurden demnach am Boden zerstört, ebenso 223 Panzer und andere Kampffahrzeuge. Zur Zahl der getöteten Soldaten in den eigenen Reihen macht Konaschenkow keine Angaben. Die Ukrainer würden aber weiterhin in Massen den Kampf verweigern, behauptete der Sprecher weiter.

Dagegen hätte die russische Armee nicht das erste Mal unter schwierigsten Bedingungen maximal effektiv ihre Aufgaben erfüllt, sagte Präsident Wladimir Putin am Sonntag in einer Videobotschaft. Darin nannte er seinen begonnenen Krieg gegen das Nachbarland Ukraine eine Spezialoperation. Russlands Streitkräfte seien für die Sicherung der nationalen Interessen Russlands im Einsatz. Zudem würden die Einheiten in diesen Tagen heldenhaft ihre militärischen Pflichten erfüllen „bei der Hilfeleistung für die Volksrepubliken des Donbass“, so Putin.

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In der ostukrainischen Region Donbass liegen die von Russland als unabhängige Staaten anerkannten sogenannten Volksrepubliken Luhansk und Donezk. Putin begründete seinen Einmarsch in die Ukraine damit, einen bereits als Lüge enttarnten, angeblichen „Genozid“ im Donbass beenden zu wollen. Der Kremlchef hatte zudem erklärt, es gehe ihm um eine Entmilitarisierung der kompletten Ukraine, die er zeitgleich „entnazifizieren“ wolle. Die Ukraine wird geführt von einer demokratisch gewählten Regierung und einem jüdischen Präsidenten.

Ukraine wirft Russland Kriegsverbrechen vor – heftige Kämpfe um Charkiw

Die ukrainische Führung warf ihrerseits Russland Kriegsverbrechen vor. Zivile Infrastruktur in großen Städten werde absichtlich zerstört, Zivilisten würden getötet. Russland weist das entschieden zurück. Russische Truppen haben nach ukrainischen Angaben „unter Missachtung der Normen des humanitären Völkerrechts“ ein Öldepot nahe Kiew und eine Gasleitung in der zweitgrößten Stadt Charkiw zerstört. Die Angaben sind nicht unabhängig zu überprüfen.


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In Charkiw liefern sich nach Angaben der örtlichen Gebietsverwaltung russische und ukrainische Truppen derweil heftige Straßenkämpfe. Die Angreifer seien mit leichter Technik durchgebrochen und auch ins Zentrum der Stadt mit etwa 1,5 Millionen Einwohnern gelangt, teilte der Chef der Gebietsverwaltung, Oleh Synjehubow, am Sonntag bei Facebook mit. Die ukrainischen Streitkräfte würden die Gegner jedoch besiegen. Zivilisten sollten in Häusern und Schutzräumen bleiben. Videos in sozialen Netzwerken zeigten mehrere Militärfahrzeuge. (mik/dpa)

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