Mitglieder der „Oath Keepers“ beim Sturm auf das Kapitol am 6. Januar 2021.
  • Mitglieder der „Oath Keepers“ beim Sturm auf das Kapitol am 6. Januar 2021.
  • Foto: imago/ZUMA Press

Kapitolsturm angezettelt: Wer sind die „Oath Keepers“?

Sie gelten als „Trumps härteste Krieger“ und waren maßgeblich an der Erstürmung des Kapitols in Washington vor rund einem Jahr beteiligt: die Mitglieder der Bürgermiliz „Oath Keepers“. Nun ist einer ihrer Anführer angeklagt worden. Wer steckt hinter der Gruppierung, die die USA womöglich fast in einen Bürgerkrieg gestürzt hätten?

Sein Auftreten wirkt schon etwas bizarr: Stewart Rhodes, der Gründer und Chef der rechten „Oath Keepers“-Miliz sieht aus wie ein typischer US-Kleinstädter, der auf dem Weg zum Kinderkarneval falsch abgebogen ist. Das linke Auge ziert eine Piraten-Augenklappe, darüber trägt er eine 08/15-Brille und ein schwarzes Käppi mit gelbem Aufdruck. Wer allerdings mit ihm ins Gespräch kommt, merkt schnell, dass Rhodes alles andere als ein unbescholtener Bürger ist.

„Oath Keepers“: Eine Miliz aus Ex-Polizisten, Feuerwehrleuten und Militärs

Stewart Rhodes, Ex-Mitglied des US-Militärs, sieht sich selbst als Kämpfer für den amerikanischen „Eid“, daher der Name seiner Bürgermiliz: „Oath Keepers“, also „Eid-Bewahrer“. Das Ganze bezieht sich auf den Amtseid, den etwa US-Soldaten, -Marines und -Polizisten bei Abschluss ihrer Ausbildung und Übernahme in den Staatsdienst schwören müssen. Darin heißt es, man gelobe, „die Verfassung gegen alle ausländische und inländische Feinde zu verteidigen“. Tatsächlich seien unter den „Oath Keepers“ viele ehemalige Militärs, Feuerwehrleute, Sanitäter und Polizisten, wie die Miliz selbst auf ihrer Webseite schreibt.

Stewart Rhodes ist Gründer und Anführer der „Oath Keepers“.
Stewart Rhodes ist Gründer und Anführer der „Oath Keepers“.

Die US-Ermittler, die die Geschehnisse rund um den 6. Januar 2021 aufarbeiten sollen, sind überzeugt, dass Rhodes und seine Mitstreiter in erheblichem Maße den Angriff auf das Washingtoner Kapitol mitgesteuert haben. Deshalb wurde nun gegen den 56-Jährigen und zehn weitere „Oath Keepers“ Anklage erhoben. Ihnen werde „aufrührerische Verschwörung“ zur Last gelegt, teilte das Ministerium in Washington am Donnerstag (Ortszeit) mit. Rhodes selbst wurde noch am gleichen Tag im Bundesstaat Texas festgenommen.

Stewart Rhodes: „Wir kommen an einem Bürgerkrieg nicht vorbei.“

Der „Spiegel“ hat Einsicht in die Anklageschrift genommen und schreibt, diese lese sich „wie ein Politthriller“. Demnach haben Rhodes und Konsorten den Sturm auf das US-Parlament zusammen mit anderen rechtsextremen Gruppierungen monatelang akribisch vorbereitet und auch ausgeführt. Ihr Ziel: Den vom amerikanischen Volk abgewählten Ex-US-Präsidenten Donald Trump, den sie verehren und der sie und andere Aufständische wiederholt angestachelt hat, zurück ins Amt zu bringen.

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So führten die „Oath Keepers“ wohl unter anderem ausgedehnte Erkundungsmissionen in der US-Hauptstadt durch und trafen sich für Übungen in Washington, bevor es am 6. Januar zur Eskalation kam. Es wurden Fluchtpläne konzipiert und ein Waffendepot angelegt, aus dem sich während des Angriffs bedient werden sollte. Rhodes selbst soll laut dem US-Sender CBS, der ebenfalls die Anklageschrift studiert hat, in einem Gruppenchat geschrieben haben: „Wir kommen an einem Bürgerkrieg nicht vorbei.“ Gegenüber Vertrauten soll er laut „Spiegel“ weitere, martialische Drohungen ausgestoßen haben: „Wir werden eine blutige, eine absolut blutige Revolution beginnen. Genau das wird passieren.“

Die „Oath Keepers“ sind womöglich „Trumps härteste Krieger“

Am Angriffstag selbst rasten Rhodes und die „Oath Keepers“ zum Teil in extra herbeigeschafften Golfcarts aufs Gelände des Kapitols, brüllten irre Parolen, rissen Absperrungen nieder. Im Inneren des Parlaments sollen sie allerdings weniger gut vorangekommen sein. So scheiterten einige von ihnen an standhaften Polizisten, andere verliefen sich auf dem Weg zum Büro von Nancy Pelosi, der Sprecherin des Repräsentantenhauses, die unter Trump-Anhängern das absolute Hass-Objekt ist. Trotz allem: Ihre Überzeugung und Skrupellosigkeit mache sie wohl zu „Trumps härtesten Kriegern“, so der „Spiegel“.


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Mit ihrem Werk waren Rhodes und seine Freunde offensichtlich sehr zufrieden: Nach der Kapitol-Erstürmung, bei der fünf Menschen starben, trafen sich alle abends im Restaurant zum Feiern. Selbiges wird den Angeklagten in Zukunft womöglich vergehen: Für „aufrührerische Verschwörung“ kann eine Höchststrafe von bis zu 20 Jahren Haft verhängt werden.

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