• Ein Corona-Patient muss von mehreren Krankenhausmitarbeitern versorgt werden.
  • Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Waltraud Grubitzsch

Intensivstationen am Limit – aber nicht wegen Betten-Mangels

Die Belastungsgrenze der Krankenhäuser in Thüringen und Bayern ist erreicht – Sachsen hat die Schwelle sogar bereits überschritten. Die Notfallreserve an Betten wird das Problem nicht lösen.

Deutschland meldet derzeit jeden Tag neue Rekorde – jedoch keine, mit denen man sich brüsten kann. Im Gegenteil: Denn nicht die Zahl der Impfungen und Booster steigt täglich extrem an, sondern die der Neuinfektionen und die bundesweite Inzidenz.

Am Mittwoch registrierte das Robert-Koch-Institut 52.826 neue Corona-Fälle und eine Inzidenz von 319,5 – beides Höchststände seit Beginn der Pandemie. Besonders düster ist die Lage im Osten und Süden des Landes: Hier liegen die Corona-Hotspots – mit Inzidenzen von 742,2 in Sachsen, 568,4 in Bayern und 569 in Thüringen.

Krankenhäuser: Mit Kapazitäten am Ende

Mit den hohen Corona-Zahlen steigt auch die Anzahl der Menschen, die im Krankenhaus und auf der Intensivstation behandelt werden müssen. Die Kapazitäten sind dort teilweise fast ausgeschöpft, planbare Operationen werden verschoben, manche Patienten finden in ihrer Nähe keine freie Klinik mehr. Im Süden und Osten bereiten sich Kliniken bereits auf die Verlegung von Patienten in andere Bundesländer vor.

Sachsen meldete am Mittwoch, dass man die Corona-Überlastungsstufe bei den Krankenhausbetten erreicht habe: Im Freistaat liege diese bei 1300 Betten auf den Normalstationen der Krankenhäuser. Dieser Wert wurde in den letzten drei Tagen bereits überschritten – am Montag waren 1391 Betten belegt, am Dienstag 1524 und am Mittwoch 1520.

FDP-Politiker Kubicki bringt Krankenhauspersonal gegen sich auf

Trotz dieser klaren Zahlen sieht FDP-Politiker Wolfgang Kubicki die Corona-Lage relativ gelassen – und sorgt damit für eine Welle des Unmuts bei Krankenhausangestellten. In einem „Spiegel“-Interview erklärte er, einigen Kliniken drohe zwar eine Überlastung, aber das gesamte Gesundheitssystem sei stabil. Um die Situation zu verbessern, solle man nun die Notfallreserve der 10.000 Intensivbetten aktivieren, die laut Divi-Register zur Verfügung stehen.

Was der FDP-Politiker übersieht: Nicht fehlende Betten sind das große Problem, sondern fehlendes Personal. „Die FDP hat so ziemlich nichts verstanden“, sagt die Pflegewissenschaftlerin Martina Hasseler im „Spiegel“. Es sei wie in der ersten Corona-Welle: „Schon damals mussten wir den Leuten erklären, dass die Betten aus der Notfallreserve nicht pflegen können, sondern dass das Pflegekräfte machen. Und diese fehlen.“

Peter Spieth, Arzt und Leiter der Corona-Intensivstation am Uniklinikum Dresden, berichtet im Podcast bei „Sächsisch.de“, dass sie derzeit 20 Patienten auf der Intensivstation behandelten. Zehn Betten seien noch frei. Das Problem sei nicht die Kapazität, sondern das Personal, um die freien Betten betreiben zu können. „Mit jedem neuen Patienten, der jetzt kommt, müssen wir neue Pflegekräfte mobilisieren und in der Klinik Umverteilungen vornehmen“, erklärt Spieth.

Intensivstation: Personalmangel hat sich verschlimmert

Bereits im vergangenen Jahr war das Personal auf Intensivstationen knapp – nun hat sich die Situation sogar noch einmal verschlechtert. Eine repräsentative Blitzumfrage des Deutschen Krankenhausinstituts bei 233 Krankenhäusern kam zu dem Ergebnis, dass in fast drei Viertel der deutschen Krankenhäuser mit Intensivbetten derzeit weniger Intensivpflegekräfte verfügbar sind als Ende 2020. Die Hauptgründe laut den Befragten: Kündigungen, interne Stellenwechsel oder Arbeitszeitreduktion.

Angesichts der dramatischen Situation haben die Anästhesisten-Verbände die Gesundheitsminister von Bund und Ländern vor einem Kollaps des Gesundheitssystems gewarnt. Sie verlangen eine verbindliche 2G-plus-Regelung für alle Bereiche – zudem müsse eine Impfpflicht geprüft werden.

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