Der Impfstoff AstraZeneca bereitet ziemlich viele Probleme.
  • Der Impfstoff AstraZeneca bereitet ziemlich viele Probleme.
  • Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Impfstopp von AstraZeneca: Wie gefährlich ist der Impfstoff wirklich?

Sieben Fälle einer seltenen Erkrankung – und die Impfmaschinerie gerät kurz nach Beginn bereits wieder ins Stocken: Deutschland hat am Montag die Impfungen mit AstraZeneca ausgesetzt. Die Kritik folgte prompt. Doch wie gefährlich ist der Impfstoff wirklich?

Sieben Fälle einer speziellen Form der Thrombose liegen in zeitlichem Zusammenhang mit einer AstraZeneca-Impfung. Drei Betroffene starben. Zwar konnte bislang kein kausaler Zusammenhang festgestellt werden, dennoch hat das deutsche Paul-Ehrlich-Institut (PEI) das Aussetzen der Impfung empfohlen. 

Deutschland setzt AstraZeneca-Impfung aus

Nach PEI-Angaben geht es bei den Vorfällen um eine auffällige Häufung sogenannter Sinusvenenthrombosen in Verbindung mit einem Mangel an Blutplättchen (Thrombozytopenie) und Blutungen. Die Daten werden nun von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) analysiert und bewertet.

Ob von dem Impfstoff tatsächlich eine Gefahr ausgeht, könne derzeit noch nicht klar gesagt werden. Die Beweislage ist derzeit viel zu dünn, so die Experten. Es brauche wesentlich mehr Informationen. So ist bislang unklar, in welchem Ausmaß es solche Fälle auch in anderen Ländern gab, ob es sich um Frauen oder Männer handelt, alte oder junge Menschen oder ob Vorerkrankungen im Spiel sind. „Ohne genauere Informationen ist das nicht zu interpretieren“, sagt Peter Berlit, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN).

Unabhängig von Impfung: Thrombose wird regelmäßig diagnostiziert

Bei 1,6 Millionen AstraZeneca-Geimpften in Deutschland entsprächen sieben Fälle etwa vier Fällen pro einer Million Geimpfter seit Start der Impfungen Anfang Februar. Eine extrem geringe Zahl. Dabei gilt es zu bedenken, dass diese Form der Thrombose in der Bevölkerung zwar selten, aber regelmäßig diagnostiziert wird.

„Sinusvenenthrombosen treten etwa einmal pro 100.000 Einwohner und Jahr auf, das heißt die jährliche Inzidenz liegt bei rund 1 auf 100 000“, erklärte Berlit. Neben wohl vor allem hormonell bedingten Fällen – etwa bei Einnahme der Antibabypille – gebe es auch septische Sinusvenenthrombosen im Zusammenhang mit bakteriellen oder viralen Infektionen.

Wie Mediziner und andere Corona-Experten sieht auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) derzeit keinen Grund für schrillende Alarmglocken. Und auch die Arzneimittelagentur EMA hält daran fest, die Impfungen fortzusetzen.

„Desaster“: Deutliche Kritik an Impfaussetzung

Ob man die Impfung gleich hätte aussetzen müssen, könne man zumindest hinterfragen, sagt auch der Oberarzt des Universitätsklinikums München, Christoph Spinner. Denn schließlich ist AstraZeneca „der zweitwichtigste Impfstoff für uns.“ Er fügt hinzu: „Wir impfen derzeit prioritär Menschen mit Vorerkrankungen“, diese Patienten hätten teils von vornherein ein gesteigertes Thromboembolie-Risiko. Dazu komme, dass auch eine schwere Covid-19-Erkrankung regelhaft Thrombosen verursache, weshalb eine Impfung „absolut sinnvoll“ sei. 

Der britische Experimentalmediziner Peter Openshaw wird noch deutlicher: „Ich denke, das ist ein Desaster für die Akzeptanz von Impfungen in Europa, die in einigen Ländern ohnehin schon auf wackeligem Boden steht“, sagte der Forscher des Imperial College London am Dienstag der BBC. „Es ist sehr eindeutig, dass die Vorteile einer Impfung die mögliche Sorge vor dieser seltenen Art der Blutgerinnsel weit überwiegen“, so Openshaw.

Der Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen schließt sich der Kritik an. Der Stopp auf Basis geringer Fallzahlen sei angesichts der dritten Corona-Welle fahrlässig, sagte der Bundestagsabgeordnete. „Eine Alternative wäre es, über das überschaubare Risiko ausführlich aufzuklären und weiterhin jene Menschen zu impfen, die eine Impfung mit AstraZeneca möchten.“ (vd)

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