Wettergegerbter Habeck
  • Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) beim Pressetermin in Lubmin
  • Foto: picture alliance / dpa/Stefan Sauer

Gasspeicher: Habecks Hoffen auf den Wettergott

Unsere Gasspeicher sind gut gefüllt – der Winter kann kommen. Oder etwa doch nicht? Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) zeigte sich bei einem Termin in Lubmin (Meck-Pomm) vorsichtig optimistisch. Allerdings: Nur wenn auch alle weiter Energie sparen – und das Wetter mitspielt. Hoffen wir nun wirklich auf Petrus? Zugleich kamen Gerüchte auf, der Wirtschaftsminister zweifle mittlerweile selbst an der umstrittenen Gas-Umlage.

Robert Habeck gibt ja ganz gerne den wetterfesten Norddeutschen. Ob er die zu erwartenden Pressefotos – er auf See in Windbreaker-Jacke – auf die Wetter-Aussage abgestimmt hatte? Zuzutrauen wäre es ihm. Fakt ist: Die Entwicklung in Sachen Gas erscheint weiter offen und undurchsichtig. Ein MOPO-Überblick:

Wie ist der Speicher-Stand beim Gas?

Am Sonntag lag der Füllstand bei 90,07 Prozent – obwohl Nord Stream 1 unterbrochen ist. Die Angaben gibt’s immer erst ein paar Tage später. Auch die bisherigen Zielmarken wurden allesamt erreicht, sogar früher als geplant. Das nächste Ziel: 95 Prozent im November.

Reicht das für den Winter?

Besagte 95 Prozent entsprechen normalerweise etwa dem bundesweiten Verbrauch im Januar und Februar. In normalen Jahren fungieren die Speicher als Puffer. Daher Habecks zwar optimistische, aber auch vorsichtige Ansage: Es bestehe die „Chance“, dass Deutschland durch den Winter komme. Wenn die Deutschen sparen und wir „ein bisschen Glück mit dem Wetter“ hätten, ergo einen eher milden Winter.

„Das heißt aber auch, dass die Speicher dann am Ende des Winters wieder leer sein werden, in diesem Fall richtig leer, weil wir das Gas nutzen werden.“ Und dann? Müsse man wieder schnell einspeichern.

Wo soll unser Gas herkommen?

Kurzfristig vor allem aus Norwegen, Belgien, den Niederlanden. Bei dem Lubmin-Termin ging es um das dortige LNG-Terminal. Laut Habeck und Meck-Pomms Landesfürstin Manuela Schwesig (SPD) wird es zum Jahreswechsel einsatzbereit sein. Mittelfristig soll LNG ein Drittel unseres Gasbedarfs decken.

Zugleich muss die Bundesregierung aber neue Partner finden. Habeck verspricht sich viel von der Kanzlerreise auf die Arabische Halbinsel. Olaf Scholz (SPD) will die kommenden Tage – nach seiner UN-Rede in New York, die für gestern Nacht geplant war – unter anderem die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar besuchen. Und mit beiden über konkrete Flüssiggas-Deals sprechen.

Die Sache mit der Gas-Umlage:

Habecks geplante Gas-Umlage steht seit Längerem in der Kritik: Energie-Riesen wie Uniper sollen vor der Pleite bewahrt werden – indem Verbraucher Aufschläge aufs Gas zahlen. Ungerecht finden das viele, zumal auch nicht gefährdete Konzerne profitieren könnten.

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Nun hieß es aus informierten Kreisen: Habeck habe bei einer Grünen-Sitzung Zweifel angemeldet. Wenn Uniper verstaatlicht würde, könne es verfassungsrechtlich zu Problemen kommen, wenn Verbraucher dann einen Staatskonzern mit stützten – eine versteckte Steuer quasi. Gestern hieß es aber weiterhin: Die Gas-Umlage kommt im Oktober. Es gebe neue Rechtsgutachten. (km)

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