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Erstmals verlässliche Zahlen: Deutschlands Reiche sind sogar noch reicher als gedacht

Berlin –

Die Zahlen sind krass: Deutschlands Reiche sind sogar noch viel reicher als gedacht. Das ist die Erkenntnis einer neuen Studie, die das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) am Mittwochvorgelegt hat. Bisher konnte das Vermögen der Reichen immer nur geschätzt werden, jetzt gibt es erstmals verlässliche Zahlen.

Drei Jahre forschten die DIW-Ökonomen. Kernfragen: Wer sind unsere Millionäre und Superreichen, wo leben sie und wie viel besitzen sie, vor allem im Vergleich zum Rest der Bevölkerung? Bislang gab es dazu  nur Schätzungen und die berühmten Reichenlisten von „Forbes“ oder dem „Manager Magazin“.

Superreiche: Zehn Prozent besitzen zwei Drittel des deutschen Vermögens

Die relevanteste Botschaft der Untersuchung: Das Nettovermögen (also nach Abzug der Schulden) ist noch deutlich ungleicher verteilt als bislang geschätzt! Dachte man bislang, dass die oberen zehn Prozent der Bevölkerung 59 Prozent des Vermögens besitzen, kam nun heraus: es sind sogar 67 Prozent. Und das reichste Prozent? Besitzt sogar 35 Prozent des Gesamtvermögens anstatt, wie bisher angenommen, 22 Prozent davon.

Um die Dimensionen deutlich zu machen, zogen die Forscher den sogenannten Gini-Koeffizienten heran. Er ist das international gängige Maß für Ungleichheit. Beträgt der Koeffizient Null, ist das vorhandene Vermögen absolut gleichmäßig verteilt. Alle besitzen also gleich viel. Liegt der Wert bei eins, herrscht maximale Ungleichheit – ein Einzelner besitzt dann alles. Schon vor der DIW-Studie war der Wert in Deutschland bei 0,78. Jetzt beträgt er 0,81.

Die Methode: Seit Aussetzung der Vermögenssteuer 1997 sind große Vermögen in Deutschland kaum erfasst. Daher orientierten sich die Forscher an Ländern mit besserer Datenlage wie den USA oder Schweden. Dort wurde deutlich: die Superreichen halten meist hohe Anteile an großen Unternehmen. Deren Bilanzen speichert die Datenbank „Orbis“. So kam man an Adressen, schrieb Reiche an und befragte sie dann stichprobenartig zuhause.

Die Superreichen sind alt, männlich und westdeutsch

Und wer sind die Superreichen in Deutschland? Anders als es das Klischee vielleicht glauben lässt, sind es sehr wenige Privatiers, die nur mit dem   geerbten Vermögen hantieren. Dreiviertel der Reichen sind selbstständig oder unternehmerisch tätig. Außerdem sind sie im Schnitt relativ alt, meist männlich und: sie leben vor allem in Westdeutschland.

Welche Schlüsse zieht das DIW? Auch international sei Deutschland ziemlich ungleich. Ein Grund: der niedrige Anteil an Wohneigentum in der Gesamtbevölkerung. Geld, das in die Miete fließt, fehle zum Sparen. Allerdings: Sie warnen vor einer „Neiddebatte“. Anstatt etwa die Vermögenssteuer wieder einzuführen, solle man darüber nachdenken, wie man  Mittel- und Unterschicht fördern könne.

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Der Paritätische Wohlfahrtsverband sieht das anders. Die Vermögensverteilung sei „geradezu absurd. Wir kommen nicht  länger um die Verteilungsfrage herum“, so Leiter Ulrich Schneider. Gerade angesichts der Corona-Pandemie und deren Folgen. (km)

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