Fahrettin Koca
  • Der türkische Gesundheitsminister Fahrettin Koca präsentiert ein Fläschchen Turkovac.
  • Foto: imago/Xinhua

Erdogans Turkovac: „Eine Flüssigkeit, die als Impfstoff ausgegeben wird“

Einen ganz und gar patriotischen Namen hat der in der Türkei entwickelte Corona-Impfstoff ja. Turkovac wird er genannt – die Idee kam angeblich vom Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan selbst. Ende Dezember hatte das Vakzin eine Notzulassung bekommen. Unter anderem wegen der anhaltenden Inflation steht Erdogan unter Druck und braucht Erfolgserlebnisse. Nun gibt es öffentliche Zweifel an der Wirksamkeit des Stoffes.

Auch die Türkei wird derzeit von Omikron überrollt. Immer dominanter wird die hochansteckende Variante. Und die Zahl der täglichen Ansteckungen nähert sich der 70.000er-Marke. Wie auch hierzulande versucht der Staat, mit Impfungen gegenzulenken. Mehr als 80 Prozent der Erwachsenen sind laut Gesundheitsministerium vollständig geimpft. Neben Biontech gibt es vor allem Sinovac und seit Anfang des Jahres eben Turkovac.

Wie das chinesische Sinovac handelt es sich um einen klassischen Totimpfstoff, im Gegensatz etwa zum mRNA-Impfstoff von Biontech. Als einer der ersten ließ sich öffentlichkeitswirksam Gesundheitsminister Fahrettin Koca mit Turkocac impfen. Sein Berater Ates Kara spricht gar von einem quasi hundertprozentigen Schutz.

Chef des Ärzteverbandes hat Zweifel

Allein: Das geben bisher offenbar keine Studien wirklich her. Zwar spricht Koca von einer dritten und letzten klinischen Studie mit 40.800 Proband:innen. Ergebnisse sind bisher aber nicht einsehbar. Der Generalsekretär des türkischen Ärzteverbandes, Vedat Bulut, kritisiert, es gebe keine Daten über die Schutzwirkung: „Das ist kein Impfstoff, das ist eine Flüssigkeit, die als Impfstoff ausgegeben wird.“

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Präsident Erdogan indes wirbt weiter für Turkovac. Alle Türk:innen sollten sich vorzugsweise damit impfen lassen. Schließlich stamme das Vakzin zu 100 Prozent aus der Türkei. Außerdem plant das Land, 15 Millionen Dosen an afrikanische Staaten zu spenden. (km)

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