Trump Kapitolsturm
  • Anstatt zu deeskalieren, heizte Donald Trump die Stimmung mit einer Rede extra an.
  • Foto: picture alliance/dpa/AP | Jacquelyn Martin

„Er griff ins Lenkrad“: Zeugin mit unfassbaren Details zu Trump und Kapitolsturm

Die Luft wird dünner für Donald Trump. Eine frühere Mitarbeiterin im Weißen Haus belastet den US-Präsidenten schwer. Ihre Aussagen im Untersuchungsausschuss zum Kapitolsturm vom 6. Januar 2021 zeichnen nicht nur das Bild eines Cholerikers. Sollten ihre Aussagen stimmen, könnten Trump auch strafrechtliche Konsequenzen erwarten. Offenbar hatte er doch eine aktivere Rolle bei den Ereignissen als behauptet.

Sehr kurzfristig wurde – trotz geplanter Sommerpause – eine Sitzung mit einer „wichtigen Aussage“ angekündigt. Die Republikanerin Cassidy Hutchinson hatte dort einen denkwürdigen Auftritt. Sichtlich nervös trat sie vor die Kongressabgeordneten des Ausschusses. Offenbar hatte die Republikanerin sich kurzfristig zur Aussage entschieden. Seither ist das politische Washington in heller Aufregung.

Trump und seine Vertrauten wussten von den Sturm-Plänen

Hutchinson war damals Vertraute von Trumps Stabschef Mark Meadows. Als solche war sie so dicht am Geschehen wie nur wenige. Was in ihren Erzählungen vor allem spannend und zugleich rechtlich relevant ist: Offenbar wussten Trump und seine engsten Vertrauten schon Tage zuvor, dass es zu Gewaltexzessen kommen könnte. Sicherheitsbehörden hätten sowohl Trump als auch Meadows mehrfach davor gewarnt. Trumps Anwalt Rudolph Giuliani habe ihr persönlich gegenüber Andeutungen gemacht, dass es am Tag der förmlichen Bestätigung von Joe Bidens Wahlsieg zur Sache gehen könnte.

Kapitolsturm Ausschuss
Die Zeugin Cassidy Hutchinson

Und so kam es dann auch. Und zwar nachdem Trump noch eine aufpeitschende Rede vor seinen Anhänger:innen gehalten hatte. In der er die Menschen recht direkt aufforderte, sich zum Kongress zu begeben und aktiv zu werden: „Wir werden den Diebstahl stoppen. (…) Wir werden zum Kapitol gehen.“ Heißt: Sollten Hutchinsons Aussagen der Wahrheit entsprechen, könnte ein Gericht Trump vorwerfen, willentlich in Kauf genommen zu haben, dass es zu Gewalthandlungen kommt.

Trump wollte den Protest anführen

Laut Hutchinson wollte Trump selbst am Marsch zum Kapitol teilnehmen, seine Anhänger:innen offenbar anführen, um die demokratisch legitimierte Einsetzung seines Widersachers Biden noch zu verhindern. Er habe sich mit dem Auto vor Ort fahren lassen wollen, berichtet Hutchinson. Sein Chefjurist habe ihm dringend davon abgeraten, Mitarbeiter:innen hätten sich geweigert. Auch weil sie rechtliche Konsequenzen fürchteten?

„Ich bin der verfluchte Präsident. Bringt mich zum Kapitol“, habe Trump darauf ausgerufen und ins Lenkrad gegriffen. Außerdem habe er versucht, seinen Chefleibwächter zu würgen. Der Secret Service brachte Trump dennoch ins Weiße Haus.

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Auch sonst hatte Trump laut Hutchinson oft cholerische Anfälle. So habe er mit Geschirr und Essen um sich geworfen, etwa als sein damaliger Justizminister William Barr die Wahl Bidens anerkennen wollte.

Trump indes verunglimpfte Hutchinson nach der Aussage auf seiner Social-Media-Plattform „Truth“: Er kenne die Dame „praktisch kaum“. Überhaupt habe er nur Schlechtes über sie gehört und dass sie eine Lügnerin sei. Außerdem habe sie öfter Dinge an die Presse durchgestochen. Als sie sich später um einen Posten in seinem Privatbüro in Mar-a-Lago beworben habe, habe er sie „persönlich“ abgelehnt. (km)

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