• Haben die Visiere schon runtergeklappt: Annalena Baerbock und Robert Habeck.

Die Angst der Grünen-Chefs vor der eigenen Basis

Der Grünen-Parteitag zum Bundestagswahl-Programm startete am Freitag – ist das nun gutes oder schlechtes Timing? Jedenfalls ein spannendes. Nach dem Umfragen-Höhenflug droht die Ökopartei abzustürzen. Ein erfolgreicher Parteitag könnte zum Befreiungsschlag werden. Aber zwischen Realo-Parteiführung und linker Basis rumort es – und das Parteiprogramm droht, zerfleddert zu werden.

„Wir sind pragmatisch und spielen nicht Wünsch-dir-was.“ Fast flehend-beschwörend klang das, was Co-Parteichef Robert Habeck vor Beginn der Bundesdelegiertenkonferenz sagte. Die linke Parteibasis machte den Vorsitzenden offenbar schon vor dem Online-Parteitag gehörig Angst. 3280 Änderungsanträge waren eingegangen. Die Grüne Jugend und die Fundis – sie wollen kein in ihren Augen weichgespültes Programm, mit dem Wahlen gewonnen werden. Sie wollen zurück zu den grünen Wurzeln.

Vor drei Wochen war die grüne Welt rosarot

Dabei hätte die Ausgangslage so schön sein können: Vor drei Wochen, als die Union noch im Umfrage-Tief steckte und es so aussah, als ob die Grünen tatsächlich mit wehenden Fahnen das Kanzleramt erobern könnten, da wäre es vielleicht ein Jubelparteitag geworden, bei dem Annalena Baerbock endgültig gekrönt worden wäre. Ohne größeren Streit, berauscht von den Umfragen. So war der Plan.

Doch nach Baerbocks Patzern und Habecks Helm-Affäre in der Ukraine (MOPO berichtete) drohen nun gleich zwei alte Grünen-Dilemmata: Streit zwischen Realos und Fundis. Und ein Absturz in der Wählergunst nach zwischenzeitlichem Höhenflug.


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Baerbock macht gute Miene zum bösen Spiel

Auch Baerbock kündigte, mit wohl eher aufgesetzter Vorfreude, an: „Wir werden sehr leidenschaftlich diskutieren, weil es bei dieser Wahl um eine grundlegende Frage geht: Führen wir das Land entschlossen aus der Krise in dieses entscheidende Jahrzehnt oder wurschteln wir uns weiter durch?“

Das Wort „Deutschland“ im Titel des Wahlprogramms oder nicht? 60 Euro pro Tonne CO2 oder erheblich mehr? Lieferung von „Waffen zur Verteidigung“ (Habeck) in Krisengebiete oder doch konsequenter Pazifismus, wie er mal fest in der DNA der einstigen Friedenspartei verankert war? Baerbocks Prognose zur Leidenschaft dürfte stimmen.

Lesen Sie auch: Vor Kandidatenkür – Wie grün sind diese Grünen eigentlich noch?

Und dann wäre da noch ihre Wahl zur Kanzlerkandidatin. „100 Prozent werden es hoffentlich nicht“, meint Baerbock – das sei langweilig und passe außerdem auch nicht zu ihrer Partei.

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