Mediziner Bhakdi
Mediziner Bhakdi
  • Mediziner und Bundestagskandidat Bhakdi schockiert mit antisemitischen Aussagen.
  • Foto: Ansar/Twitter

„Das Böse gelernt“: Politiker schockiert mit Judenhetze

Antisemitische Aussagen und Hetze sind im Kreis der Corona-Leugner und Maßnahmen-Kritiker ja nichts Neues. Doch der Bundestagskandidat und „Querdenker“ Sucharit Bhakdi hat mit seinen aktuellen Aussagen eine neue Dimension erreicht.

Der Mikrobiologe und Bundestagskandidat der Partei „Die Basis“ vergleicht in einem Interview, das auf einer maßnahmenkritischen Internetseite erschienen ist, das heutige Israel mit Deutschland während der NS-Zeit. „Die Juden“ hätten „das Böse“ gelernt, so Bhakdi. Zuvor war das Video bereits auf anderen Webseiten und in Telegram-Kanälen geteilt worden.

Bundestagskandidat hetzt gegen Juden und Israel

Bhakdi spricht in dem Interview vom „Volk, das geflüchtet ist aus diesem Land, aus diesem Land, wo das Erzböse war“ und dass die Juden ihr eigenes Land, sprich Israel, gefunden und es in etwas verwandelt hätten, „was noch schlimmer ist, als Deutschland war“. Und weiter: „Das ist das Schlimmste an den Juden: Sie lernen gut. Es gibt kein Volk, das besser lernt als sie. Aber sie haben das Böse jetzt gelernt – und umgesetzt. Deshalb ist Israel jetzt living hell – die lebende Hölle.“

Bhakdi reiht sich mit seinen Äußerungen in zahlreiche antisemitische oder NS-relativierende Aussagen von bekannten Mitgliedern der maßnahmenkritischen Szene ein. So behauptete etwa der Rechtsanwalt Reiner Fuellmich, ebenfalls Bundestagskandidat der „Basis“-Partei, die geplanten Maßnahmen der Bundesregierung seien Schlimmer als der Holocaust.

Bekannt wurden auch die Gegner der Maßnahmen, die sich mit den NS-Opfern Anne Frank und Sophie Scholl gleichsetzten. Auch Stefan Homburg, mit Bhakdi im Vorstand der maßnahmenkritischen Mediziner und Wissenschaftler für Gesundheit, Freiheit und Demokratie (MWGFD), verglich die Situation in Deutschland mit der von 1933. Das berichtete zuvor „tagesschau.de“.

Judenhass als zentrales Bindeglied der Corona-Proteste

Felix Klein, der Antisemitismusbeauftragter der Bundesregierung, bezeichnete den Judenhass als zentrales Bindeglied der Corona-Proteste. Meist äußerten die Anhänger der Szene ihren Antisemitismus jedoch in Andeutungen und codierter Sprache, direkte Tabubrüche und offene Hetze werden meist vermieden. Das scheine sich mittlerweile jedoch zu ändern, so Klein.

Der Antisemitismusbeauftragte der Landesregierung Baden-Württemberg, Michael Blume, erklärte im Gespräch mit „tagesschau.de“, Bhakdi sei bereits früher mit antisemitischen Aussagen aufgefallen. So habe er bereits im vergangenen Jahr eine deutsche Ministerin aus einer jüdischen Familie mit dem ungeheuerlichen Vorwurf belegt, eine „Vergiftung unserer Kinder durch CO2“ zu betreiben.

Bhakdis Aussagen könnten strafrechtliche Konsequenzen haben

Der Antisemitismusbeauftragte der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Sigmount Königsberg, hat laut eigener Aussage Strafanzeige gegen Bhakdi gestellt – wegen Volksverhetzung. „Dass ein ehemaliger führender, intelligenter und sogar ausgezeichneter Mediziner so etwas von sich gibt, erschreckt mich“, sagt Königsberg der „Berliner Morgenpost“. „Es zeigt aber auch, dass Antisemitismus bei höher gebildeten Menschen durchaus gang und gäbe ist.“

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Michael Blume sieht Chancen, dass Bhakdis aktuelle Äußerungen strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen könnten. Dies sei durchaus möglich – zumal aktuell ein neuer Straftatbestand für „verhetzende Beleidigung“ geschaffen worden sei. „Ich hoffe sehr, dass unsere Justiz der fortschreitenden Radikalisierung Einhalt gebieten kann“, sagt Blume zu „tagesschau.de“.

Die Partei „Die Basis“ sieht in Bhakdis Aussagen kein Problem. Die Antisemitismusvorwürfe tat sie auf Twitter mit „absurde Unterstellung“ und „billiges Framing“ ab. (vd)

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